Beiratsfraktion gespalten AfD-Chaos in Blumenthal

Nachdem sich die AfD-Spitze in Bremen-Stadt zerstritten hat, zerlegt sich nun auch die AfD in Blumenthal. Gleich zwei Personen sind überzeugt, dass sie Fraktionsvorsitzende sind.
09.09.2019, 19:11
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AfD-Chaos in Blumenthal
Von Patricia Brandt

Der Streit der Bremer AfD setzt sich offenbar in Bremen-Nord fort. Die beiden Blumenthaler AfD-Beiratsmitglieder Natascha Runge und Sven Schellenberg behaupteten am Montag beide, Fraktionsvorsitzende zu sein. Klären muss den Streit voraussichtlich nun die Senatskanzlei.

Auf der Internetseite des Ortsamts wird Schellenberg bereits als fraktionslos geführt. Ortsamtsleiter Peter Nowack wird sich dennoch an die Senatskanzlei als Aufsichtsbehörde wenden und dort den Fall Schellenberg/Runge zur Prüfung vorlegen. Solange nicht geklärt ist, wer den Fraktionsvorsitz führt, besteht die Gefahr, dass Beschlüsse der Ausschüsse ungültig wären. „Entweder müsste Herr Schellenberg das Mandat zurückgeben, damit die AfD die Ausschüsse nachbesetzen kann oder der Beirat muss die Ausschüsse auflösen“, erläuterte Nowack am Montag auf Anfrage unserer Zeitung.

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Zwischen den AfD-Politikern Runge und Schellenberg ist es zum Zerwürfnis gekommen. Eine Pressemitteilung, die die 28-jährige Pflegerin und Mutter zweier Kinder am Wochenende verschickt hatte, ist nur wenige Sätze lang, hat aber für viel Wirbel sorgt. Sven Schellenberg, schreibt darin Natascha Runge, habe im Verlauf der jüngsten AfD-Fraktionssitzung am vergangenen Freitag seinen sofortigen Austritt aus der Fraktion erklärt. Grund dafür soll eine Diskussion im Hotel Union gewesen sein, die offenbar aus dem Ruder gelaufen war.

Wutentbrannt den Austritt erklärt

Natascha Runge hatte nach ihren eigenen Worten beantragt, weitere AfD-Mandatsträger als Berater zur Fraktionssitzung zuzulassen, was Schellenberg abgelehnt haben soll. Zusammen mit den beiden sachkundigen Bürgern sei es ihr aber gelungen, ihren Antrag durchzusetzen. Mark Runge und auch weitere Parteimitglieder – darunter der Bremer AfD-Landeschef Frank Magnitz – sollen dabei gewesen sein und gehört haben, wie Schellenberg daraufhin wutentbrannt seinen Austritt erklärte. Dies sei überdies im Protokoll festgehalten. „Er ist kein Mitglied der Fraktion mehr. Ich bin die neue Vorsitzende“, so Natascha Runge.

Das sieht der gelernte Kaufmann Sven Schellenberg, Jahrgang 1967, allerdings ganz anders: „Frau Runge hat offensichtlich eine falsche Wahrnehmung der Realitäten! Ich habe nicht vor, aus der AfD-Fraktion auszutreten. Eine entsprechende, rechtlich erforderliche schriftliche Erklärung zum Fraktionsaustritt habe ich nicht abgegeben, dieses ist auch nicht beabsichtigt“, schreibt Schellenberg, der 2018 zur Alternative für Deutschland gestoßen ist. Auf Anfrage unserer Zeitung gibt er zudem an, den Vorfall nun an den Landesvorstand der AfD melden zu wollen.

„Der Landesvorstand ist nicht zuständig. Das muss vor ein Schiedsgericht gehen“, sagt der Bremer AfD-Chef Frank Magnitz. Der Rücktritt Sven Schellenbergs ist für ihn eine eindeutige Angelegenheit: „Bemerkenswert ist nur, dass er nun vom Rücktritt zurücktritt.“ Die Parteiarbeit werde ohne Schellenberg deutlich besser laufen, als mit ihm, stichelte Magnitz.

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Sven Schellenberg und Frank Magnitz sind ohnehin verfeindet. Schellenbergs Sympathien gelten Peter Beck und Thomas Jürgewitz, dem stellvertretenden Landeschef. Jürgewitz und Magnitz liegen kurz vor dem Landesparteitag bekanntlich ebenfalls im Clinch. Es überrascht deshalb wenig, dass Jürgewitz nun Schellenberg beispringt: „Er hat keine Austrittserklärung schriftlich abgegeben, also ist er Fraktionsvorsitzender.“ Da sowohl Natascha Runge als auch Schellenberg gewählte Mandatsträger sind, sei noch zu prüfen, welches Gericht in diesem Streitfall nun überhaupt anzurufen sei.

Wie es mit der Arbeit der AfD im Blumenthaler Beirat weitergeht, war am Montagmittag noch völlig offen. „Eine Zusammenarbeit ist ausgeschlossen. Das Tischtuch ist zerschnitten“, sagte Mark Runge vom AfD-Landesverband und Ehemann der Beiratspolitikerin Natascha Runge. Das Verhältnis war schon zuvor angespannt, so Sven Schellenberg, „da die Dame dem Magnitz-Lager angehört.“ Natascha Runge ärgert sich derweil, dass Schellenberg „Lügen verbreitet“.

Überfall beim Kleben von Wahlplakaten

Er wolle vor Gericht aussagen, dass sie ihren Angreifer bei der Plakataktion im Mai provoziert habe. Damals hatten die Medien berichtet, dass Natascha Runge beim Kleben von AfD-Wahlplakaten brutal überfallen worden war. Ein 23-Jähriger hatte der jungen Mutter laut Polizeibericht in die Bauchgegend getreten. Schellenberg war damals dabei, stand aber etwas entfernt.

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Wer Sven Schellenberg im Internet sucht, wird schnell auf die Seite von „AfD Watch“ aufmerksam. Am Randgebiet von Farge-Rekum soll Schellenberg sich ein Grundstück gekauft haben, das von ihm “Reichsgebiet Neu Schellenberg” genannt würde. Schellenberg bestreitet allerdings, ein Reichsbürger zu sein. Er habe die Behörden auf diesen Eintrag aufmerksam gemacht. AfD-Chef Magnitz sagt, wenn Schellenberg ein Reichsbürger wäre, „hätten wir ein echtes Problem.“

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