Stadtteil-Bibliothek für Blumenthal Standort-Suche zieht sich

Vor zwei Jahren war es im Kulturförderbericht angekündigt worden: Blumenthal soll wieder eine Stadtteil-Bibliothek bekommen. Doch es gibt noch nicht mal den geplanten Runden Tisch zur Standort-Frage.
01.08.2020, 05:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Gabriela Keller

Blumenthal. Vor zwei Jahren war es groß angekündigt worden: Blumenthal soll wieder eine Stadtteil-Bibliothek bekommen, hieß es im damals vom Kulturressort vorgelegten Kulturförderbericht. Die Blumenthaler freuten sich, hatten sie doch nie so ganz die Schließung der Zweigstelle an der Landrat-Christians-Straße im Jahr 1997 verwunden. Die spätere Gründung einer von Bürgern ehrenamtlich geführten Bücherei konnte darüber nicht hinwegtrösten. Im November 2018 hatte Kultur-Staatsrätin Carmen Emigholz im Blumenthaler Beirat erste Eckdaten für eine Zweigstelle vorgestellt und einen Runden Tisch angekündigt. Im Koalitionsvertrag, der im August 2019 unterzeichnet wurde, ist die Zweigstelle für den Stadtteil als Ziel verankert. Doch das Projekt kommt nur schleppend voran.

Auf den geplanten Runden Tisch, an dem Kulturbehörde und Stadtbibliothek Bremen mit Ortsamt, Beirat und Vertretern der Bürger-Bücherei Blumenthal Eckpunkte für die künftige Stadteil-Bibliothek definieren und über die Einbindung der ehrenamtlich geführten Bücherei nachdenken wollten, warten die Blumenthaler bis heute. „Ein solches Gespräch hat es noch nicht gegeben“, sagt Beiratssprecher Hans-Gerd Thormeier gegenüber der NORDDEUTSCHEN.

Nachfrage beim Kulturressort: Warum gibt es den Runden Tisch noch nicht? Sprecher Heiner Stahn nennt mehrere Gründe. „Durch die Bürgerschaftswahl, die Regierungsbildung, die Abstimmung über den Haushalt und die Corona-Krise sind Prozesse aufgehalten worden.“ Laut Stahn war vorgesehen, Mitte 2020 einen Runden Tisch einzurichten. „Die Corona-Pandemie und umfangreiche Haushaltsberatungen haben dafür gesorgt, dass dies zunächst nicht weiter verfolgt werden konnte. Es ist geplant, die Gespräche im weiteren Jahresverlauf 2020 aufzunehmen.“ Einen konkreten Termin gebe es noch nicht.

Am 8. Juli hat die Bremer Bürgerschaft den Haushalt für 2020 beschlossen. Investive Mittel für eine Zweigstelle der Stadtbibliothek in Blumenthal sind darin laut Heiner Stahn nicht enthalten. Zwar seien die Gelder für die Stadtbibliothek Bremen aufgestockt worden. „Mittel für Infrastrukturmaßnahmen sind im Haushalt 2020 aber noch nicht drin.“ Damit sei frühestens im Haushalt 2021 zu rechnen, der in den kommenden Monaten vorbereitet werde. Die ehrenamtlich geführte Bücherei in Blumenthal wird laut Stahn mit 3800 Euro aus Haushaltsmitteln unterstützt.

Noch immer offen ist, wo die geplante Stadtteil-Bibliothek in Blumenthal angesiedelt werden soll. Auf die Frage, welche Standorte geprüft werden, ob das Kulturressort einen Standort favorisiert und eventuell auch den Neubau einer Zweigstelle in Erwägung zieht, hält sich die Kulturbehörde bedeckt. Ihr Sprecher teilt dazu mit: „Das Kulturressort ist hier abhängig von den weiteren Grundsatzentscheidungen zur Entwicklung in Blumenthal, die im Wesentlichen von anderen Ressorts getroffen werden.“

Heiner Stahn verweist in dem Zusammenhang auf die Pläne für einen Bildungscampus auf dem früheren BWK-Gelände und auf das Integrierte Entwicklungskonzept (IEK) für Blumenthal, das in Arbeit sei. Es gebe Standortideen, so der Sprecher. „Es ist allerdings für konkrete Aussagen viel zu früh, da bisher keine beratbaren Vorschläge beziehungsweise seriösen Planungsalternativen vorliegen.“ Ab Mitte August wollen sich die beteiligten Ressorts laut Stahn in der Standort-Frage weiter austauschen.

Bekanntlich werden mehrere Standorte diskutiert: das alte Rathaus in Blumenthal, das Sparkassen-Gebäude an der Landrat-Christians-Straße, aus dem die Bank ausziehen will, sowie ein Neubau auf dem geplanten Bildungscampus. Ursprünglich war als weitere Option das alte Büchereigebäude an der Landrat-Christians-Straße im Gespräch für eine Zweigstelle. Der Beirat hat dann aber beschlossen, dass es abgerissen werden soll – für den freien Blick auf den und einen Weg zum Campus. „Der Standort der alten Bücherei steht nicht mehr zur Diskussion“, bestätigt auch Martin Prange. Der Bremen-Nord-Beauftragte unterstützt das Kultur- und andere Ressorts bei der Suche nach einer künftigen Bleibe für die geplante Zweigstelle.

„Mein persönlicher Favorit ist das Sparkassen-Gebäude“, sagt Martin Prange. Bekanntlich plant die Bank einen Umzug in ein Neubau-Projekt am Bahnhof Blumenthal, der Mietvertrag ist wie berichtet unterschrieben. Die dann frei werdende Immobilie an der Landrat-Christians-Straße ist nach Ansicht des Nord-Beauftragen aus mehreren Gründen geeignet für eine Bibliothek: „Wir brauchen einen Standort, an dem sich schnell etwas realisieren lässt, der zentral liegt und schnell erreichbar ist. Das trifft auf das Sparkassen-Gebäude zu.“ Auch von den Räumlichkeiten her wäre es für eine Bibliothek „eventuell geeignet“, meint Martin Prange. Gespräche mit dem Eigentümer der Immobilie, laut Prange ist das die Gewosie, sind nach seinen Worten noch nicht geführt worden.

Das alte Rathaus steht für Prange als Standort nicht zur Diskussion. „Das ist völlig ungeeignet“, sagt der Nord-Beauftragte. „Eine Stadtteil-Bibliothek braucht einen großen Raum, ohne Zwischenwände.“ Die Räume im Rathaus seien zu klein. „Einem erforderlichen Umbau sind durch den Denkmalschutz für das Gebäude Grenzen gesetzt.“

Ein Standort im alten Rathaus war mal im Blumenthaler Beirat als Gedankenspiel ins Gespräch gebracht worden. Die Stadtteil-Bibliothek, so die Überlegung, könnte hier mit anderen Nutzern unterkommen. Inzwischen sehen die Stadtteil-Politiker an anderen Stellen bessere Möglichkeiten. „Als Standort-Optionen priorisiert der Beirat entweder eine Ansiedlung der Bibliothek auf dem geplanten Berufsschulcampus oder im Sparkassen-Gebäude“, sagt Beiratssprecher Hans-Gerd Thormeier (CDU). „Priorität für das Rathaus hat die Ansiedlung der Polizei, andere Nutzungen müssten sich dem unterordnen.“ Thormeier bezweifelt, dass genug Platz bleibt für die Einrichtung einer modernen Stadtteil-Bibliothek. „Das ist im Sparkassen-Gebäude sicher eher möglich als im alten Rathaus.“ Oder auf dem Campus. „Aus Sicht des Beirates wäre eine Ansiedlung im Bereich der geplanten Mensa möglich“, sagt Thormeier.

Für Blumenthals Ortsamtsleiter Oliver Fröhlich ist das alte Rathaus nicht aus dem Spiel. „Ich könnte mir durchaus auch eine Bibliothek darin vorstellen.“ Als einen von mehreren Nutzern. „Für mich ist wichtig, dass Blumenthal eine Bibliothek bekommt, die räumlich wie inhaltlich vernünftig ausgestattet ist. Ob sich das in den Räumen des alten Rathauses umsetzen lässt, müssen die Fachleute der Stadtbibliothek Bremen entscheiden.“

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