Tarifverhandlung am Kraftwerk Farge Kraftwerk Farge: Tarifverhandlungen zum Kohleausstieg haben begonnen

Seit Dienstag wird im Kraftwerk Farge über einen Tarifvertrag für den Kohleausstieg am Standort verhandelt. Der Betreiber Onyx Power prüft eine Umrüstung der Anlage auf Alt- und Frischholz.
19.08.2020, 05:00
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Von Gabriela Keller

Begleitet von lautstarken Forderungen der Beschäftigten haben am Dienstag im Kraftwerk Farge die Verhandlungen über einen Tarifvertrag für den Kohleausstieg am Standort begonnen. Für den Fall einer Stilllegung strebt die Gewerkschaft Verdi eine soziale Absicherung der Beschäftigten an. Laut Stefan Najda, Verdi-Verhandlungsführer vom Landesbezirk Niedersachsen-Bremen, sind zwei Verhandlungstage in Farge angesetzt. „Wir hoffen, bis Mittwoch Nacht zu einem Ergebnis zu kommen.“

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In der neunköpfigen Delegation der Arbeitnehmervertreter sind die Betriebsratsvorsitzenden der Onyx Power-Kraftwerke in Farge, Wilhelmshaven und Zolling mit vertreten. Der auszuhandelnde Tarifvertrag soll für alle drei Standorte gelten. Für die Arbeitgeber-Seite sitzen unter anderem Onyx-Power-Geschäftsführer Peter Feldhaus und Stefan Schmoll, stellvertretender Geschäftsführer der Arbeitgebervereinigung energiewirtschaftlicher Unternehmen in Hannover, am Verhandlungstisch. Verhandelt wird über die Zukunft von insgesamt rund 300 Beschäftigen an den drei Kraftwerksstandorten. Am Standort Farge sind nach Angaben von Onyx Power derzeit rund 90 Mitarbeiter beschäftigt.

Farge soll Stilllegungsprämien erhalten

Nach dem vom Bundestag beschlossenen Kohleausstiegsgesetz sollen Braun- und Steinkohle-Kraftwerke bis spätestens 2038 schrittweise stillgelegt werden. Betreiber von Steinkohle-Kraftwerken wie Farge sollen Stilllegungsprämien erhalten, die über Auktionen ermittelt werden. Die erste Ausschreibungsrunde ist für den 1. September vorgesehen. Vereinfacht gesagt geht es dabei darum, dass Betreiber einen Preis anbieten können, zu dem sie zur Stilllegung einer Anlage bereit sind. Das günstigste Angebot erhält dann den Zuschlag. „Mir ist bekannt, dass Onyx Power mit dem Kraftwerk Farge an der Auktion am 1. September teilnehmen möchte“, sagt Verdi-Vertreter Stefan Najda. Sollte das Kraftwerk in der ersten Auktionsrunde den Zuschlag bekommen, könnte es nach seinen Worten mit einer Stilllegung schnell gehen. „Das Kraftwerk könnte dann Mitte nächsten Jahres schließen.“

Laut Verdi müssen Energieversorger, die an einer Auktion für eine Stilllegungsprämie teilnehmen wollen, vorher einen Tarifvertrag abschließen. Deshalb wird jetzt in Farge verhandelt. Die Forderungen von Verdi: Für Beschäftigte ab 58 Jahren, die vorzeitig ausscheiden, soll das staatliche Anpassungsgeld aufgestockt werden. Das Forderungspaket sieht außerdem Umschulungen und Qualifizierungen für jüngere Beschäftigte sowie „angemessene Abfindungszahlungen“ vor.

Laut Gewerkschaftsvertreter Najda gibt es beim Energieversorger auch Überlegungen, wie das Kraftwerk künftig ohne Kohle weiter betrieben werden könnte. Nach seinen Informationen wolle Onyx Power bis Ende des Jahres entscheiden, ob eine solche Umstellung für Farge infrage komme.

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Umrüstung des Kraftwerks wird geprüft

Der Kraftwerksbetreiber selbst teilt auf Nachfrage zu einer möglichen Stilllegung oder Umrüstung des Kraftwerks in Farge mit: „Derzeit prüft Onyx an all seinen Standorten die Machbarkeit verschiedener Umrüstungskonzepte zur Weiterführung der Kraftwerksaktivitäten mit alternativen Brennstoffen. Für den Standort Farge wird derzeit die Umrüstung der bestehenden Anlage auf die Verwendung von Biomasse in Form von Alt- und Frischholz geprüft. Das Konzept befindet sich noch in der Ausarbeitung, weshalb Onyx derzeit keine Aussagen zum Personalstand treffen kann. Wo technisch möglich und wirtschaftlich sinnvoll, sollen die Kraftwerke auch über das Ende der Kohleverstromung hinaus zukunftsfähig aufgestellt werden.“ Für das Onyx-Kraftwerk in Wilhelmshaven plant das Unternehmen bereits einen Umstieg von Steinkohle auf Holzpellets.

Zur Frage, ob das Unternehmen das Kraftwerk Farge in die Auktion am 1. September einbringen wolle, heißt es vom Betreiber: Das Unternehmen sei dabei, eine Strategie für den Umgang mit dem Auktionsverfahren zu definieren.

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