Der Job des Bademeisters Mehr als nur am Beckenrand stehen

Zwei Bademeister erzählen, welche Herausforderungen ihr Beruf mit sich bringt. Während bundesweit etwa 2000 Schwimmmeister fehlen, steht die Bremer Bädergesellschaft nach eigenen Angaben noch recht gut da.
18.07.2019, 19:30
Lesedauer: 5 Min
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Von Iris Messerschmidt

Bundesweit fehlen nach Einschätzung des Bundes Deutscher Schwimmmeister jeden Sommer rund 2000 Fachkräfte. Vor dem Hintergrund, dass nach Angaben der Gesellschaft für das Badewesen in Deutschland im Lauf der vergangenen 19 Jahre jedes zehnte Schwimmbad geschlossen worden ist, bekommt diese Zahl eine noch höhere Bedeutung. „Da stehen wir in Bremen noch vergleichsweise gut da“, sagt der für fünf Bremer Bäder zuständige Badleiter Nord-West, Jochen Ralle. Zwei Mitarbeiter der Bremer-Bädergesellschaft aus Bremen-Nord erzählen, wie sie zu ihrem Beruf gekommen sind und mit welchen Herausforderungen sie täglich umgehen müssen.

„Mich hat 2005 mein damaliger Schwimmlehrer angesprochen“, erzählt Tobias Knopp. Der 31-Jährige ist derzeit stellvertretender Badleiter im Freibad Blumenthal und als Trainee auf dem Weg zur Führungskraft. Sein damaliger Schwimmlehrer war Otto Freund, jahrelanger Betriebsleiter des Schlosspark-Bades. „Bei ihm hatte ich schon meinen ersten Schwimmkursus“, erzählt Tobias Knopp und lacht. „Erste Kontakte zum Wasser hatte ich schon vor mehr als 27 Jahren.“ Otto Freund fragte ihn, ob er bei Schwimmkursen unterstützend mithelfen wolle. Tobias Knopp wollte, da war er 17 Jahre.

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„Man muss schon eine Affinität zum Wasser haben. Außerdem ist ein akkurater Umgang mit Kindern wichtig. Über die DLRG muss man seine Rettungsfähigkeit beweisen, und der Spaß am Umgang mit den Menschen sollte auch nicht fehlen“, gibt der heute 31-Jährige wieder, was von jungen Aushilfen im Bad erwartet wird. Dass damit „eine sehr gute Aufbesserung des Taschengeldes beziehungsweise überhaupt Taschengeld“ einherging, habe bei seiner Entscheidung nicht geschadet. Er leitete eigenständig Schwimmkurse, machte auch weiter, als er 23 Monate Dienst bei der Bundeswehr ableistete.

Dann studierte er Wirtschaftswissenschaften in Oldenburg und absolvierte 2014 nach dem Studium die Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe, „in verkürzter Version, in zweieinhalb, statt in drei Jahren“. Er war 2017 fertig und ist nun auf dem Weg zur Führungskraft. Was Wirtschaftswissenschaften mit dem Beruf des sogenannten Bademeisters zu tun haben? „Mein Studium hilft mir sehr, insbesondere in den Bereichen Verwaltung, Marketing und Koordination von Mitarbeitern“, erzählt Knopp. Die Stationen durch verschiedene Bremer Bäder, aber auch auf Verwaltungsebene hat auch Philipp Terasa hinter sich.

Der Beruf erfordert große Verantwortung

Der 30-Jährige hat seine Ausbildung im Januar 2014 abgeschlossen und ist ebenfalls im Pool Bremen-Nord, also in den Bädern in Vegesack und Blumenthal eingesetzt. Als Kind lernte Terasa im Freibad Blumenthal schwimmen, als es noch nicht zu den Bremer Bädern gehörte.

In jungen Jahren machte er das Bronzeabzeichen bei der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), machte zwei Jahre später beim Zeltlager im Freibad Blumenthal beim Schnuppertauchen mit, legte noch das Silberabzeichen ab, wurde mit 16 Jahren Mitglied im Förderverein und übernahm als Aushilfe Aufsichten im Freibad Blumenthal. Als er 18 Jahre alt war erzählte ihm seine Schwägerin von der Möglichkeit, auch im Freizeitbad Vegesack als Aushilfe zu arbeiten. So kam er in Kontakt mit der Bremer Bädergesellschaft und fing dort 2011 mit der Ausbildung zum Fachangestellten für Bäderbetriebe an.

„Es macht sehr viel Spaß“, sagen beide. Allerdings sei der Beruf auch sehr verantwortungsvoll. Denn schließlich sind sie für die Sicherheit der Menschen zuständig und arbeiten, wenn andere auf der grünen Wiese oder im kühlen Nass die Freizeit genießen. Das kann bei entsprechenden Temperaturen auch schon mal zu Problemen führen. „Manchmal sind die Gemüter so erhitzt, dass schon ein kleiner Anlass zum Streit führen kann“, wissen Tobias Knopp und Philipp Terasa. Doch genau darauf seien sie geschult. Dann greifen sie schlichtend ein.

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Die Aufgabe der Fachangestellten für Bäderbetriebe sind vielfältig. Dazu gehören unter anderem die Bereiche Technik und Hygiene mit der Kontrolle des Badewassers und des gesamten Schwimmbades, das Beaufsichtigen der Becken und Schwimmgäste, die Kontrolle und Säuberung von Umkleiden, Toiletten und Duschen, der Kontrollgang am Ende des Badetages und die Funktion als Schwimmlehrer für Kinder und Erwachsene.

Sie sind aber auch bei Problemen erste Ansprechpartner und greifen deeskalierend ein – dafür gibt es sogar eigens Kurse. Tobias Knopp ist überzeugt: „Dass sich Respekt verringert und Aggressivität verstärkt hat, ist nicht nur im Schwimmbad zu beobachten, sondern ein allgemeines gesellschaftliches Problem.“ Wirklich schwerwiegende Probleme, das betonen beide Badmitarbeiter, gebe es aber bislang sowohl in Blumenthal als auch in Vegesack eher selten. „Wenn wirklich gar nichts mehr hilft, dann rufen wir die Polizei zu Hilfe.“

Was beide schon erlebt haben, sind Badeunfälle. Als der fünfjährige Junge im vergangenen Sommer im Nichtschwimmerbecken ertrank, trat Philipp Terasa gerade seinen Dienst im Blumenthaler Freibad an. „Das beschäftigt einen schon“, gibt er zu. Allerdings sei sofort ein Seelsorge-Notfallplan in Kraft getreten. Badleiter Ralle und der Personalchef waren vor Ort. „Es ist gut, dass man sofort Hilfe bekommt“, erzählt Knopp, der gleich zu Beginn seiner Ausbildung einen Badeunfall mit einem kleinen Jungen während der Arbeitszeit erlebte.

Regelmäßige Fitnesstests

„Glücklicherweise hat das Kind überlebt. Aber die Situation begleitet mich immer noch.“ Solche Situationen dürfen die beiden jungen Bademeister jedoch nicht beeinflussen. „Im täglichen Ablauf müssen wir hoch konzentriert sein“, sagt Terasa und Knopp ergänzt: „Da ist die aktuelle Situation und die Sicherheit der Menschen vor Ort das Wichtigste.“ Auch von Freunden, der Freundin oder der Familie lassen sie sich im Bad nicht ablenken. „Die Arbeit geht vor.“ Ein kurzer Plausch sei nur möglich, wenn es ruhiger sei.

Zweimal im Jahr müssen alle Fachangestellten für Bäderbetriebe ihre Fitness beim Schwimmen beweisen – als Pflichtprogramm. Nach Feierabend schwimmen beide bei Gelegenheit, doch Fußballspielen, Laufen und Skifahren stehen im Vordergrund. Knopp: „Bademeister sind da wie andere Menschen. Das Bad ist unsere Arbeitsstelle und auf der muss man ja nicht unbedingt auch noch die Freizeit verbringen.“

Info

Zur Sache

Ausbildung bei der Bremer Bäder GmbH

Zur Bremer Bädergesellschaft gehören vier Kombibäder, fünf Hallenbäder, zwei Freibäder, zwei Kursbäder, eine Eissporthalle und eine Kundenberatungsstelle. Drei bis vier Auszubildende bereitet die Bädergesellschaft jedes Jahr auf den Beruf des Fachangestellten für Bäderbetriebe vor. Während der Ausbildung lernen sie die Organisation und Beaufsichtigung des Badebetriebes, Besucherbetreuung, Erteilen von Schwimmunterricht und Aquatraining, Organisation des Saunabetriebes, Eventorganisation, Überwachung der Badqualität und Technik, Verwaltungsarbeiten im Bad sowie Durchführung von Sicherheitsmaßnahmen im Gebäude.

Voraussetzungen: mindestens Hauptschulabschluss, gute Deutsch- und Mathekenntnisse, freundliches Auftreten und Kontaktfreude, Teamfähigkeit, gutes Seh- und Hörvermögen, Zuverlässigkeit und Verantwortungsbewusstsein, möglichst das DLRG-Silberabzeichen sowie Spaß an der Arbeit im und am Wasser. Weitere Info: www.bremer-baeder.de.

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