Jugendbeteiligung in Blumenthal Jetzt wird mitgemischt

Fünf Schüler aus Blumenthal wollen die Jugendbeteiligung im Stadtteil voranbringen. Wer die Projektinitiatoren sind, was sie antreibt und wie sie vorgehen wollen. Ein Überblick.
24.03.2022, 17:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Jetzt wird mitgemischt
Von Christian Weth

Burglesum hat längst einen Jugendbeirat, Vegesack bekommt einen – jetzt zieht Blumenthal nach: mit einem Projekt, das anders ist als in den anderen beiden Stadtteilen. Die jungen Leute, die sich jetzt im nördlichsten Gebiet von Bremen zusammengeschlossen haben, wollen kein gewähltes Gremium schaffen, sondern eines, das ohne starre Regularien und Pflichten auskommt. Mitmischen wollen aber auch sie. Wer die Initiatoren sind, was sie antreibt und wie sie vorgehen wollen. Ein Überblick.

Das Team: Sie sind zu fünft, zwei junge Frauen, drei junge Männer. Alle sind 18 beziehungsweise 19, alle gehen auf die Oberschule an der Egge – nur Yunus Dikici nicht. Er wohnt zwar in Blumenthal, ist aber auf die Wilhelm Wagenfeld Schule in Huchting gewechselt. Er gehört mit Ruben Wiesner, wenn man so will, zu den Gründern der Gruppe. Beide haben nach einer Veranstaltung von Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) damit begonnen, eine Kinder- und Jugendbeteiligung für den Stadtteil zu planen und sich Mitstreiter zu suchen. Zum Team gehören seither auch Sanja Rosenow, Rebekka Schmidt und Matthis Arndt. Keiner von ihnen ist in einer Partei, alle sind aber politisch interessiert. In dieser Woche stellten sie sich und ihren Plan für einen Beteiligungsprozess den Mitgliedern des Ausschusses für Bildung und Jugend vor. Die Stadtteilpolitiker finden gut, was die Gruppe vorhat. Sie haben ihr Unterstützung zugesagt.

Lesen Sie auch

Die Herausforderung: Die Schüler haben sich den Stadtteil genau angeschaut, vor allem, was ihm fehlt. Sie kommen zu dem Schluss, dass Blumenthal jungen Menschen wenig bietet. Ihnen zufolge fehlt es sowohl an Freizeitangeboten als auch an einer Plattform, die auf Freizeitangebote hinweist. Ein weiteres Defizit, was die Mitstreiter der Gruppe ausmachen, hat mit dem Beirat zu tun. Ihrer Auffassung nach beschäftigen sich die Fraktionen zwar mit vielen Themen, aber zu selten mit denen, die für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene relevant sind. Mit der Folge, dass nach Ansicht der Initiatoren des neuen Beteiligungsprojektes eben diese Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen nicht von den Politikern erreicht werden. Selbst dann nicht, wenn die Parteien doch mal Projekte anschieben und Angebote im Stadtteil schaffen wollen, die für Kindergartenkinder oder Schüler interessant wären.

Das Konzept: Die Präsentation, die den Ausschussmitgliedern gezeigt wurde, kommt auf sechs Seiten. Auf ihnen steht nicht nur, was die Gruppenmitglieder wollen, sondern auch, was sie nicht wollen. Zum Beispiel einen eigenständigen Beirat bilden, quasi als Pendant zum bestehenden. Ihre Ablehnung begründen sie damit, dass sich ihrer Erfahrung nach immer weniger Kinder und Jugendliche für Treffen mit festen Terminen gewinnen lassen. Die Initiatoren wollen stattdessen eine offene Arbeitsgruppe gründen, die für vieles stehen soll: für eine Denkfabrik, die Impulse gibt. Für eine Kontaktstelle, die zwischen Politik, Vereinen, Einrichtungen und den Kindern sowie Jugendlichen in den Quartieren vermittelt. Für eine Art Feedback-Zentrale, die beispielsweise Umfragen unter Schülern auswertet. Für eine Informationsplattform, die einen Überblick gibt, welche Angebote vorhanden sind und welche noch fehlen.

Lesen Sie auch

Die To-do-Liste: Die Hälfte des Konzeptes ist eigentlich ein Fahrplan, der aufzeigt, was die Mitstreiter der Gruppe als Nächstes vorhaben. Sie wollen in die Schulen, Freizeittreffs und Vereine gehen, um Kinder und Jugendliche für sich und ihr Beteiligungsprojekt zu gewinnen. Und sie wollen multimedial unterwegs sein, um Sieben- bis 21-Jährige dort abzuholen, wo die meisten von ihnen immer wieder sind: eben im Internet und in den sozialen Netzwerken. Die fünf Schüler planen eine Homepage und einen Instagram-Account. Beide Angebote sollen die Treffen der Arbeitsgruppe ergänzen. Die Besuche in den Schulen, Jugendtreffs und Sportvereinen sollen in den nächsten Wochen beginnen, genauso wie die Arbeit an einem Online- und Instagram-Auftritt. Ein Teil des Teams kennt sich mit Mediengestaltung aus. Hilfe, um die Plattformen realisieren zu können, soll es trotzdem geben.

Das Ziel: Das Planungsquintett will auf den Auftakt im Ausschuss so schnell wie möglich eine zweite Startveranstaltung folgen lassen: ein Treffen mit so vielen Kindern und Jugendlichen wie möglich. Und es will zügig mit ihnen ein Vorhaben planen und umsetzen, das mehr als bloß gut werden soll. Dass aus dem ersten Projekt quasi ein Top-Projekt werden muss, erklären die Mitstreiter mit dem Motivationsschub, der von ihm ausgehen soll – und ihr Tempo bei dem Beteiligungsprozess damit, dass manche von ihnen nicht mehr lange in Blumenthal sein werden. Einige haben sich bereits um einen Studienplatz beworben. Zum Beispiel Ruben Wiesner, der ab dem Wintersemester in Berlin studieren will. Und vorher noch jemanden finden möchte, der ihn dann in der Arbeitsgruppe ersetzt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Zur Newsletter-Übersicht