Omas gegen rechts Altsein heißt nicht, stumm zu sein

„Omas gegen rechts“ - so nennt sich eine zivilgesellschaftliche, überparteiliche Initiative, die von Frauen jenseits der 50 getragen wird. Die „Omas“ wollen Position beziehen für die Demokratie.
24.05.2019, 22:05
Lesedauer: 2 Min
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Von Petra Scheller

Borgfeld. Johanna Zeuner war in Bremen von Anfang an dabei. „Ich bin eine Oma im Geiste“, sagt die 53-jährige Theologin vor dem Gemeindehaus in Borgfeld. Gemeinsam mit ihren Mitstreiterinnen Barbara Schütt und Renate Witzel-Diekmann besucht Zeuner an diesem Nachmittag den Borgfelder Seniorenkreis, um von ihrem Engagement bei der Initiative „Omas gegen rechts“ zu erzählen. Pastorin Almut Wichmann hatte die drei Frauen eingeladen. „Wir sind eine zivilgesellschaftliche, überparteiliche Initiative“, erklärt Theologin Zeuner zum Hintergrund der Gruppe. Seit einem Jahr gibt es die Organisation „Omas gegen rechts“ auch in Bremen. Einmal im Monat treffen sich die Frauen – und auch ein paar Männer – im Bürgerhaus Weserterrassen. „Wir wollen uns in den öffentlichen Diskurs einmischen“, sagen die Aktivistinnen einhellig. Politische Diskussionen wollen sie nicht länger Populisten überlassen. Es gehe ihnen einerseits um die Erhaltung der parlamentarischen Demokratie in einem gemeinsamen Europa, andererseits um Respekt und Achtung gegenüber anderen, „unabhängig von ihrer Religion und ihrer ethnischen Zugehörigkeit“, unterstreicht Witzel-Diekmann.

Barbara Schütt schloss sich der Gruppe erst vor ein paar Monaten an. „Ich wollte einen Ansatzpunkt gegen die Hilflosigkeit bekommen, die sich momentan breitmacht“, sagt die achtfache Großmutter. Die Aktivistin beobachtet schon seit Längerem eine rückwärtsgewandte politische Strömung in der Gesellschaft. „Ich will das nicht so einfach hinnehmen“, sagt sie. Auf Demonstrationen hat Schütt mit ihrem Schild mit der Aufschrift „Omas gegen rechts“ schon viel Zuspruch bekommen. „Das stärkt“, sagt die Sozialpädagogin.

„Omas gegen rechts“ ist eine Plattform für gesellschaftlichen Protest. Erstmals in der Geschichte Europas erheben ältere Frauen in der Öffentlichkeit ihre Stimmen. „Wehret den Änfangen“, sagt die ehemalige Förderschullehrerin Witzel-Diekmann. Das sei zunächst ihre Motivation gewesen. Inzwischen sei sie gar nicht mehr so sicher, ob rechte politische Strömungen nicht schon salonfähig geworden sein. Sie selbst habe die Auswirkungen mitbekommen, die die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg mit sich zog. Deshalb wolle sie zu rechtspopulistischen Äußerungen Stellung nehmen. „Wir feiern gerade 70 Jahre Grundgesetz, das ist eine der tollsten Verfassungen, die ich kenne“, sagt Witzel-Diekmann. Sie fürchte den Verlust des sozialen Friedens in der Gesellschaft. Der Umgangston sei rauer geworden. Im niedersächsischen Landtag sei die Protestbewegung der Omas öffentlich von einem Abgeordneten beleidigt worden. Es würden wieder Privathäuser mit der Aufschrift „Juden“ beschmiert, wie jüngst in Hannover. Das alles sei nicht hinnehmbar. An diesem Sonnabend treffen sich die Frauen in der Bremer Innenstadt, um gegen Rassismus und Rechtspopulismus zu demonstrieren.

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