Ex-Borgfelder Dominic Volkmer im Interview

„Ich kann alle meine Trainer aufzählen“

Der Ex-Borgfelder und heutige Duisburg-Profi Dominic Volkmer erinnert sich gerne an seine Zeit beim SC zurück und spricht im großen Interview auch über die Zeit bei und mit Florian Kohfeldt.
06.04.2021, 07:45
Lesedauer: 8 Min
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„Ich kann alle meine Trainer aufzählen“
Von Tobias Dohr
„Ich kann alle meine Trainer aufzählen“

Auf der großen Bühne durfte sich Dominic Volkmer (am Boden) mit dem MSV Duisburg in der 1. Runde des DFB-Pokals Mitte September mit Borussia Dortmund (hier mit Giovanni Reyna) messen.

Marius Becker

Herr Volkmer, was kommt Ihnen als erstes in den Sinn, wenn Sie an die Zeit beim SC Borgfeld zurückdenken?

Dominic Volkmer: Der Gothia-Cup! Das ist ein Turnier in Schweden. Das werde ich immer mit Borgfeld in Verbindung bringen.

Haben Sie denn noch Kontakt zu den ehemaligen Mitspielern aus der Borgfelder Zeit?

Ganz vage. In erster Linie über die sozialen Netzwerke, zwar nicht mehr ganz so viel, aber man hört schon noch was.

Wie oft sind Sie denn noch in der Bremer Heimat?

Durch die Corona-Situation ist es im Moment natürlich etwas schwer, aber generell versuche ich schon so oft wie es geht nach Bremen zu kommen. Ich bin in Bremen ja groß geworden und meine Eltern wohnen dort. Manchmal würde ich es gerne öfter schaffen, aber wenn die Zeit ist, fahre ich gerne hin.

Verfolgen Sie noch, was sich so bei Ihren ehemaligen Jugendclubs so tut?

Ja, das mache ich. Zu der Zeit, wo es noch möglich war, bin ich dann gerne in Bremen auch mal Fußball gucken gegangen, egal welche Liga, egal welches Alter. Alleine, um noch mal an den alten Plätzen von früher zu sein. Im Moment geht es ja leider nicht, aber wenn ich in Bremen bin, schaue ich schon, dass ich den einen oder anderen Fußballplatz abklappere.

Gab es zu Ihren Jugendzeiten einen Trainer oder Mitspieler, der Sie ganz besonders geprägt hat oder der Ihnen ganz besonders in Erinnerung geblieben ist?

Durch die Zeit in Borgfeld, die eine super Jugendzeit war, sind das Jens Ahlers und Jürgen Brandt, die meine Trainer waren. Das hat mit denen sehr viel Spaß gemacht. Ich kann aber auch alle meine Trainer beim SC Weyhe aufzählen, die auch alle super waren, mit Jürgen Damsch oder Hans Peters, der mich, als es nicht so gut lief, nach Weyhe geholt hat. Auch beim JFV Nordwest, wo ich den letzten Schritt vor dem bezahlten Fußball gemacht habe, da war Stephan Ehlers mein Trainer, und der hat mich auch geprägt und an den werde ich mich auch immer erinnern. Wenn ich so zurückblicke, hatte ich schon wirklich gute und auch coole Jugendtrainer, wo es immer Spaß gemacht hat, Fußball zu spielen.

SV Werder Bremen II - FC Rot-Weiß Erfurt (3. Liga, Herren)

Als gebürtiger Bremer träumte Dominic Volkmer von der Bundesliga-Karriere im Weserstadion – er spielte für die U23 und durfte immerhin wiederholt bei den Profis mittrainieren.

Foto: Oliver Baumgart (hansepixx.de)

Wenn man sich Ihren Verlauf im Jugendfußball anschaut, lief das ja nicht geradlinig. Sie sind von Werder Bremen zum SC Borgfeld gewechselt, dann wieder zu Werder und dann nach Weyhe gewechselt bevor es zum JFV Nordwest ging. Warum hat es nicht geklappt, dass Sie beispielsweise dauerhaft im Nachwuchsleistungszentrum bei Werder bleiben konnten?

Ich war einfach nicht gut genug für das Nachwuchsleistungszentrum. Wenn ich aber heute zurückblicke, weiß ich gar nicht, ob das so schlecht ist, wenn man diesen Weg nicht geht. Ich glaube, dass in diesen Nachwuchsleistungszentren viel Individualität verloren geht, da man nicht wirklich seinen eigenen Charakter so ausleben kann, wie es viele gerne würden. Nichtsdestotrotz ist es aber so, dass auch viele Jungs aus den Nachwuchsleistungszentren kommen, die jetzt Weltklasse-Fußballer sind. Und das darf man auch nicht vergessen. Trotzdem bin ich sehr, sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin, weil ich glaube, dass ich so geblieben bin, wie ich bin, und der Weg mich nicht verändert hat, und dass ich Profi geworden bin mit der Art, mit der mich die Leute kennen.

2016 sind Sie dann ja ein drittes Mal zu Werder gewechselt, nämlich in die U23 von Werder. Und da diese in der 3. Liga gespielt hat, waren Sie dann tatsächlich Fußballprofi. Wie groß war der Schritt von der Regionalliga Nord beim VfB Oldenburg in die 3. Liga?

Wir haben mit Oldenburg damals bis zum Ende um die Meisterschaft gespielt, die sich der VfL Wolfsburg II geholt hatte. Und dann habe ich gedacht, wenn du von einem Fast-Aufsteiger in die 3. Liga wechselst, dass das schon locker klappen wird. So war es aber nicht. Der Unterschied von der Regionalliga Nord zur 3. Liga war unfassbar groß. Es war ein riesengroßer Unterschied vom Spieltempo, von der Physis, vom Lauftempo, sodass ich mich da schon erschrocken und einige Zeit gebraucht habe, um mich daran zu gewöhnen. Mein erstes Profispiel hatte ich mit Werder bei Fortuna Köln, und das war eine Mannschaft, wo man vorher gesagt hatte, die spielen auch unten mit. In dem Spiel habe ich aber gemerkt, dass das Niveau was ganz anderes ist, wir haben 0:2 verloren. Da musste ich mich ein, zwei Mal schütteln und sehen, dass ich mich dem Niveau anpasse.

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Sie haben sich damals mit Spielern wie Johannes und Maximilian Eggestein oder Niklas Schmidt die Kabine geteilt, die im Profifußball Fuß gefasst haben, schon zur A-Nationalmannschaft eingeladen wurden oder international gespielt haben. Wie verfolgen Sie, was die ehemaligen Kollegen so machen?

Immer wenn ich jemanden sehe, mit dem ich zusammengespielt habe, und derjenige macht wieder einen Schritt nach vorne, dann freue ich mich natürlich. Mit Maximilian Eggestein bin ich ja sogar noch eine Zeit lang zusammen zur Schule gegangen, und der hat natürlich einen Wahnsinnsweg hingelegt, auch mit seiner Nominierung für die Nationalelf.

Sie hatten in Ihrer Zeit in der U23 bei Werder mit Alexander Nouri und Florian Kohfeldt auch zwei spätere Cheftrainer der Bundesligamannschaft als Übungsleiter. Was sind das für Trainertypen?

Beide sind enorm emotional was Fußball angeht, die sind mit Herz dabei. Alexander Nouri war ein Trainer, der gerne mit Vollprofis gearbeitet hat, was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht war. Das muss man so ehrlich sagen, und deswegen hatte ich unter ihm auch Probleme eine Zeit lang. Ich hatte aber das Glück, dass Alex zu den Profis hochgezogen wurde und mit Florian Kohfeldt jemand kam, der einen Tick anders war. Er hat mir beigebracht, wie Profifußball wirklich läuft. Das war die Zeit, in der ich auch gar nicht mehr im Kader der U23 war. Es war zwar noch früh in der Saison, Alex hatte mir aber zu dem Zeitpunkt nicht mehr vertraut, auch wegen disziplinarischer Dinge. Trotzdem hat Florian dafür gesorgt, dass ich wieder rankomme, und unter ihm habe ich fast alle Drittligaspiele für Werder gemacht. Bis zu der Zeit war Florian auf jeden Fall der Trainer, der mich am meisten geprägt hat. Jetzt würde natürlich noch Lukas Kwasniok aus meiner Zeit bei Jena dazukommen.

Eine E-Jugend, die ihren Weg gemacht hat: Unter dem Trainerduo Jens Ahlers (hinten links) und Jürgen Brandt schafften es drei Kicker des SC Borgfeld in den bezahlten Fußball. Neben Dominic Volkmer (hinten, Zweiter von links) sind dies auch Rico Sygo (vorne, ganz links) und natürlich Julian Brandt (hinten, Dritter von rechts).

Eine E-Jugend, die ihren Weg gemacht hat: Unter dem Trainerduo Jens Ahlers (hinten links) und Jürgen Brandt schafften es drei Kicker des SC Borgfeld in den bezahlten Fußball. Neben Dominic Volkmer (hinten, Zweiter von links) sind dies auch Rico Sygo (vorne, ganz links) und natürlich Julian Brandt (hinten, Dritter von rechts).

Foto: SC Borgfeld

Wie verrückt war es für Sie, als Bremer Junge dann auch bei den Profis mitzutrainieren?

Das hat natürlich Spaß gemacht. Ich stand ja schon als kleiner Junge im Stadion, auch wenn von den Jungs, die ich damals gesehen habe, keiner mehr da war. Aber trotzdem ist es immer schön, wenn man als U23-Spieler bei den Profis mittrainieren darf.

Wer hat Sie bei den Profis am meisten beeindruckt?

Ich fand immer Philipp Bargfrede beeindruckend! Ich fand, der hat eine unfassbare Ruhe und Erfahrung ausgestrahlt. Das hat mich immer beeindruckt.

Im September haben Sie mit dem MSV Duisburg im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund gespielt. Ihre Aufgabe war es, Erling Haaland zu stoppen – wie aufgeregt waren Sie da?

Das war was Besonderes, aber zu dem Zeitpunkt war ich dann auch schon fünf Jahre lang Profi, und wir hatten schon das Ziel, Dortmund im eigenem Stadion so lange wie möglich zu ärgern. Dass es dann halt so läuft mit vier Standardgegentore, das ist schon unglücklich. Die Rote Karte (Notbremse gegen Haaland, Anm. d. Red.) gegen mich war dann natürlich noch die Krönung für einen schlechten Abend.

Jetzt haben Sie mit Pavel Dotchev einen sehr erfahrenen Trainer. Was fordert der Trainer von Ihnen und von der Mannschaft?

Pavel Dotchev ist ein Trainer, der viel von uns fordert, der uns viel abverlangt, und der auf jeden Fall verstanden hat, in was für einer Situation wir stecken. In Duisburg hast du nicht nur Verantwortung für dich selber, sondern du hast auch Verantwortung für die Stadt und alle Mitarbeiter um den Verein herum. Das trichtert er uns ein. Er versucht immer wieder, uns ans Limit zu bringen, egal ob es im Training Einheiten mit oder ohne Ball sind. Dazu kommt, dass er Disziplin von uns verlangt. Aber ich glaube, er macht das alles in einem Maße, das sehr gut ist.

In was für einer Phase befinden Sie sich mit dem MSV Duisburg?

In einer ziemlich schweren, dass muss man schon so sagen. Wir hatten vor der Saison andere Ambitionen, andere Hoffnungen und auch andere Erwartungen an uns selbst. Dem sind wir nicht gerecht geworden. Nichtsdestotrotz muss es jetzt für uns abgehakt sein, denn wir werden nicht mehr oben mitspielen in dieser Saison, für uns ist es jetzt bitterer Abstiegskampf. Aber ich hatte in den letzten Wochen den Eindruck, dass wir das verstanden haben.

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Sie haben mittlerweile über 100 Profispiele absolviert, waren Kapitän in Jena und sind für ihr Alter schon ein gestandener Profifußballer. Wenn Sie wählen müssten: Welcher Moment in Ihrer bisherigen Karriere war ganz besonders emotional?

Das war definitiv der letzte Spieltag mit dem FC Carl Zeiss Jena in der Saison 2018/19 (4:0-Sieg gegen TSV 1860 München, Anm. d. Red.), als wir den Klassenerhalt klargemacht haben. Die ganze Situation mit Lukas Kwasniok als Trainer und der gesamten Mannschaft, da wurde der Fußball noch mal ein bisschen anders gelebt, auch hinsichtlich der Emotionalität. Damals war es so, dass wir aus den letzten sieben Spielen sechs Siege geholt haben, und es gerade so geschafft haben. Und dann standen wir dort mit den Jungs, die in den Wochen zuvor niedergemacht wurden, und gerade der Trainer hat in dieser Zeit viel abbekommen. Der hat immer zu uns gehalten, und das war schon besonders.

Sie haben jetzt immer wieder Lukas Kwasniok, Ihren Jenaer Trainer, angesprochen. Kwasniok hatte Sie ja in der Saison zum Kapitän gemacht. Was war das für ein Verhältnis zwischen Ihnen und Kwasniok?

Ich glaube, ich habe schon ein besonderes Verhältnis zu Lukas. Wenn mich nicht alles täuscht, war ich auch der erste Kapitän, den er im Profifußball ausgewählt hat. Das war aber eigentlich nebensächlich, weil wir schon vorher ein gutes Verhältnis hatten. Er ist ein besonderer Trainer, der auch nicht den normalen Weg genommen hat, den viele andere Trainer nehmen. Und in der Saison hat das halt zusammengeschweißt, wenn du auch immer wieder runtergedrückt wirst. Und Lukas ist immer grade geblieben, und das hat unsere Spieler ziemlich beeindruckt.

Ist die Bundesliga noch mal ein Traum von Ihnen?

Na klar! Für welchen Fußballer ist das kein Traum?

Können wir uns in zehn oder 15 Jahren den ehemaligen Profifußballer Dominic Volkmer im Bremer Amateurfußball vorstellen?

Das ist eine gute Frage! Ich will auf jeden Fall lange Fußball spielen. In der Ü32 aber auf jeden Fall!

Sie möchten aber nach der Karriere zurück in die Bremer Heimat?

Da habe ich noch nicht so drüber nachgedacht. Ich schaue, dass ich eine Karriere nach der Karriere starten kann, und würde auch sehr gerne weiterhin im Sport bleiben. Von daher ist das noch schwer zu sagen. Aber ein Jahr Ü32 in Bremen, ja, das wäre schon was! (lacht)

Das Gespräch führte Timo Flathmann

Info

Zur Person

Dominic Volkmer (24) spielte in der Jugend für den SC Borgfeld, den SC Weyhe, den JFV Nordwest sowie für Werder Bremen, ehe der Defensivspieler in der Regionalliga Nord für den VfB Oldenburg auflief. Zur Saison 2016/17 wechselte Volkmer zur U23 von Werder Bremen in die 3. Liga. Nach zwei Jahren bei den Bremern, die er größtenteils als Stammspieler verbrachte, wechselte Volkmer zum SSV Jahn Regensburg in die 2. Bundesliga, ehe es über den FC Carl Zeiss Jena, wo der Linksfuß zwischenzeitlich Kapitän war, im vergangenen Sommer zum MSV Duisburg ging. Der 1,94m-Hüne bestritt bisher 109 Spiele in der 3. Liga sowie jeweils zwei im DFB-Pokal sowie der 2. Bundesliga.

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