Recyclinghof Findorff Eine Institution im Stadtteil

Die Umstrukturierung der Findorffer Recyclingstation hätte erhebliche Folgen für den Recyclinghof. Für die Stadtteilpolitik ein weiteres Argument, im Widerstand gegen die Pläne nicht locker zu lassen.
17.12.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Anke Velten

Die Zukunft der Findorffer Recyclingstation beschäftigt den Stadtteil seit Wochen. Geplant ist – wie berichtet – die Einrichtung ab 2022 als Grünstation mit dem Schwerpunkt Gartenabfälle weiterzuführen. Die Öffnungszeiten sollen dann auf drei Tage reduziert werden, in den Wintermonaten November bis März würde die Station komplett geschlossen. Doch was bedeuten die Planungen eigentlich für den Recyclinghof und seinen Leute? Weil diese Frage im Rahmen der Bauausschusssitzung in der vergangenen Woche zu kurz gekommen war, lud der Findorffer Fachausschuss für Wirtschaft, Kultur, Inneres und Sport den Betriebsleiter des Recyclinghofs erneut zur Onlinekonferenz.

Bei Recyclingstation und Recyclinghof handelt es sich um zwei separate Unternehmen mit unterschiedlichen Aufgaben. Im betrieblichen Alltag ist diese Tatsache den meisten Nutzerinnen und Nutzern vermutlich nicht bewusst, und es spielt für sie auch keine große Rolle. Doch weil beide in der Praxis eine quasi symbiotische Beziehung pflegen, betreffen die DBS-Pläne auch den Recyclinghof, wie der Betriebsleiter erläuterte.

Die Historie ist kaum bekannt

Die Tatsache, dass sich beide Angebote das stadteigene Gebäude teilen, ist in der Historie begründet. Der Findorffer Recyclinghof geht auf eine ökologische Graswurzelbewegung und aktives Engagement im Stadtteil zurück. Lange bevor Mülltrennung selbstverständlich wurde, starteten die Jugendwerkstätten Bremen im Frühjahr 1985 einen Modellversuch auf einem städtischen Gelände an der Innsbrucker Straße. Dort konnten die Bewohner des Quartiers wiederverwertbare Abfälle wie Papier, Glas, Metalle, Textilien und Glas und Küchenabfälle abgeben. Drei Monate später beschäftigte der Trägerverein bereits 16 Langzeitarbeitslose, und betrieb zeitweise sogar eine „umweltfreundliche Müllabfuhr“ im Stadtteil.

Nachdem das Grundstück für den Bau von Reihenhäusern geräumt werden musste, konnte im Sommer 1997 ein Neubau an der Kissinger Straße bezogen werden. Im Jahr 1992 übernahm die Stadtgemeinde die kommunale Aufgabe der Wertstoffsammlung. Der Recyclinghof, seit 2004 unter dem Dach des Beschäftigungsträgers Gröpelinger Recycling-Initiative e.V. (GRI), kümmert sich seither um die Wiederverwertung und -verwendung gebrauchsfähiger Güter wie Textilien, Haushaltsgegenstände, Elektrogeräte, Möbel und Bauteile. Außerdem bietet das Recyclinghof-Team einen Quartiersservice und Nachbarschaftshilfen an.

50 Menschen arbeiten dort

Mit den Einnahmen werden laut Fritschen unter anderem Miete, Fahrzeuge, Werkzeuge und andere Unkosten finanziert. Aktuell wird der Recyclinghof mit zehn festen und rund 40 vom Jobcenter geförderten Kräften betrieben. Für den Betrieb der Recyclingstation setzt die Bremer Stadtreinigung einen ihrer Mitarbeiter ein. Fritschen berichtete von einer jahrelangen guten Zusammenarbeit, bei der sein Team die DBS aktiv unterstütze. „Von Außen sind die Unterschiede nicht erkennbar“, so Fritschen. Anders gesagt: Die meisten Mitarbeiter, die vor Ort Fragen beantworten, beim Entsorgen schwerer Abfallsäcke und beim Aufladen von Erd- und Kompostsäcken helfen, gehören zu seinem Team.

Zählungen während der „Corona-Monate“ hätten ergeben, dass die Recyclingstation täglich von bis zu 500 Nutzern auch aus den angrenzenden Stadtteilen aufgesucht werde – gerade weil sie als „Station der kurzen Wege“ gut erreichbar sei. „Wenn die Pläne umgesetzt werden, entsteht im Bremer Westen ein schwarzes Loch“, mahnte der Betriebsleiter.

Weniger Besucher – weniger Spenden

An die geplanten neuen Öffnungszeiten der DBS wäre der Recyclinghof zwar nicht gebunden, und dürfte auch weiterhin zu den üblichen Terminen Spenden annehmen und den Recycling-Shop öffnen, so Fritschen auf Nachfrage. Er gehe allerdings davon aus, dass bei eingeschränkten Zeiten und Angeboten der Station gleichzeitig auch die Kundenfrequenz am Recyclinghof massiv sinken werde.

„Ich glaube nicht, dass die Leute kommen, wenn sie Abfälle und Spenden an zwei unterschiedliche Orte bringen müssen“, prophezeite Fritschen. Damit verbunden seien deutliche Einnahmeverluste, vor allem während der Winterschließung. „Es ist daher auch in unserem eigenen Interesse, dass wir die Planungen zusammen abwenden können“.

Teilnehmer Günther Schminke fragte sich, wie viel die DBS durch die Einsparung eines einzigen Mitarbeiters gewinne. Der Bremer Westen dagegen würde durch die Umstrukturierung „enorm benachteiligt“. Beiratsmitglied August Kötter (CDU) hatte eine Idee, wie die Findorffer Institution erhalten werden könnte. Sein Vorschlag an den Recyclinghof-Betriebsleiter: „Sie können mit Ihren Leuten doch einfach den ganzen Laden übernehmen.”

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