Bürgerbeteiligung Das weiße Blatt wird gemeinsam bemalt

Was passiert am Torfkanal? Wie soll es dort in Zukunft aussehen? Diese Fragen möchten Bremens Stadtplaner ab Februar mit Interessierten diskutieren.
01.12.2021, 12:37
Lesedauer: 4 Min
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Das weiße Blatt wird gemeinsam bemalt
Von Anne Gerling

Was soll mit den Uferflächen Am Weidedamm auf der westlichen Torfkanal-Seite passieren? Verstärkt beschäftigt diese Frage aktuell wieder die Nachbarschaft und aufmerksame Beobachter, nachdem kürzlich das Grundstück Am Weidedamm 117 komplett gerodet worden ist.

Die Bäume dort seien nicht mehr verkehrssicher gewesen, hatten Anwohner auf ihre Nachfragen hin von der städtischen Grundstücksverwalterin Immobilien Bremen (IB) erfahren. Dies wundert sie: „Das Grundstück war bis vor Kurzem gar nicht begehbar. Ist da eventuell eine Zwischennutzung geplant?“

Aktuell sei keine Zwischennutzung geplant, hat dazu kürzlich Stadtplanerin Diana Spanier aus dem Bauressort in einer Videokonferenz des Findorffer Beirats mitgeteilt, in der es um die weitere Entwicklung des knapp 10.000 Quadratmeter großen Gebietes ging. Tatsächlich seien ihrem Haus verschiedene Projekte vorgetragen worden: „Wir haben so viele Anfragen, die wir gleich behandeln müssen. Das ist aber schwierig, weil einige Flächen noch in Pacht gebunden sind.“

Was Spanier außerdem wichtig ist: „Ich möchte betonen, dass wir überhaupt noch keinen Plan haben, das Areal ist ein weißes Blatt Papier.“ Wirklich klar sei eigentlich nur: „Wir stellen uns nicht vor, dass dort eine intensive Bebauung herauskommt. Niemand muss Angst haben, dass hier der Gewinn im Vordergrund steht.“

Von einem weißen Blatt Papier hatte vor gut einem Jahr auch Bau-Staatsrätin Gabriele Nießen gesprochen, die damals dem Findorffer Beirat den Start eines Beteiligungsverfahrens zur Zukunft des Gebietes womöglich noch im Jahr 2021 in Aussicht gestellt hatte. Daraus wurde nichts, aber Spanier zufolge sind die Vorbereitungen für das Verfahren im Umweltressort mittlerweile so gut wie abgeschlossen.

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Demnach hatte die Behörde fünf Büros kontaktiert, die das Verfahren organisieren könnten. Zwei haben der Stadt Angebote gemacht, bis Januar soll die Entscheidung über den Zuschlag fallen. Im Februar könnte der Beteiligungsprozess mit geführten Spaziergängen starten und im März mit einer Ideenwerkstatt fortgesetzt werden. Spätestens im Mai sollen die Ergebnisse im Beirat präsentiert werden. Mitmachen können alle Interessierten, so Spanier: „Anwohner, Jugendliche – wir möchten alle auffordern, mitzumachen und sich einzubringen.“

Ein Stichwort brachte die Stadtplanerin bei ihrer Präsentation dann aber doch ins Spiel: Bei Kitaplätzen gebe es in Findorff einen großen Bedarf, während gleichzeitig Flächen knapp seien, sagt sie: „Eine Kita unter Bäumen wäre etwas, was dem Stadtteil zugutekommen könnte. Das ist aber nur eine Idee.“ Und zwar eine, die auch Gönül Bredehorst, Findorffer Bürgerschaftsgeordnete und bildungspolitische Sprecherin der SPD, unterstützt. Sie begrüßt das angestrebte Beteiligungsverfahren ausdrücklich und betont dazu: „Findorff ist ein sehr beliebter Stadtteil, der auch Kitaplätze braucht. Das Notwendige muss mitgedacht werden.“

Es gibt auch schon andere Ideen. So hatte wie berichtet Mitte Mai eine Grünen-Arbeitsgruppe angeregt, das Areal nach und nach in eine „Grüne Insel Weidedamm“ zu verwandeln, die zur Entspannung, Erholung und zum gemeinsamen Gärtnern einlädt. Dort könnte es dann zum Beispiel Sitzstufen mit Blick aufs Wasser geben, einen kleinen Bewegungsparcours, naturnahe Blumenwiesen und einen Gemeinschaftsgarten sowie einen Anleger und ein Bootshaus für Kajaks, Kanus und Stehpaddler.

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Dieser Vorschlag habe ihm gut gefallen, meldete sich nun in der Videokonferenz Anwohner Christian Stührmann zu Wort, der vor 16 Jahren zu den Gegnern des Bebauungsplans 2127 zählte und zum weiteren Prozedere anmerkte: „Ich hätte mir gewünscht, dass wir dieses Konzept der Grünen Insel in den Mittelpunkt der weiteren Gestaltung stellen.“

„Eine Idee von einer Gruppe – das ist nicht die Idee von Gestaltungspartizipation“, hielt dem Diana Spanier entgegen. Zwar gebe es bestimmte Rahmenbedingungen wie Bodenkontamination oder Wasserrechte, ansonsten aber solle ergebnisoffen, möglichst breit und transparent über das Gebiet gesprochen werden. Die Anregung von Beiratsmitglied Kevin Helms (Grüne), Jugendliche aus dem Stadtteil möglichst jugendgerecht – etwa über eine Online-Plattform – zum Beteiligungsverfahren einzuladen, nahm Spanier mit. Wer sich am weiteren Gestaltungsprozess beteiligen, eigene Vorschläge einbringen und über die nächsten Schritte informiert werden möchte, kann sich per E-Mail an office@oawest.bremen.de im Ortsamt auf eine entsprechende Liste setzen lassen.

Zur Sache

Bebauungsplanverfahren ruht seit 16 Jahren

Seit er 2005 eingefroren wurde, ruht der Bebauungsplan 2127. Er umfasst eine größere öffentliche Fläche sowie ein Privatgrundstück am westlichen Torfkanalufer. Die städtischen Flächen, die zu dem im Umweltressort angesiedelten „Sondervermögen Infrastruktur“ der Freien Hansestadt Bremen gehören, sind aktuell zu zwei Dritteln verpachtet, ein Drittel wird laut Stadtplanerin Diana Spanier derzeit nicht genutzt: „Das heißt, die Fläche steht nicht insgesamt, sondern nur in Teilen zur Verfügung.“ In den vergangenen Jahren sind in dem Areal mehrere Garagen und zwei Bootswerften abgerissen worden, die entsprechenden Flächen liegen brach. Mehrere Parzellen werden noch bewirtschaftet. Mit dem Vorschlag, das Torfkanalufer als „Sondergebiet Wassersport“ auszuweisen, war die Stadtplanung seinerzeit am erheblichen Widerstand der Anwohner gescheitert, die vor ihrer Haustür unzumutbaren Trubel, Lärm und Verkehr befürchteten. Mit der nun geplanten breiten Beteiligung der Öffentlichkeit hofft die Stadt, zu einer tragfähigen Lösung zu kommen.

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