Kritik bleibt bestehen Bürgerinitiative enttäuscht von Kommunikation über Oslebshauser Bahnwerkstatt

In einer Videokonferenz haben die Senatsressorts für Häfen und Verkehr Fragen zum Planungsstand für eine Bahnwerkstatt in Oslebshausen beantwortet. Die Kritik bleibt indes.
14.04.2021, 05:00
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Bürgerinitiative enttäuscht von Kommunikation über Oslebshauser Bahnwerkstatt
Von Anne Gerling

„Warum wurde aus dem Thema so ein Geheimnis gemacht?“ „Wie sollen die Anwohner in Wohlers Eichen geschützt werden?“ „Was wird aus den Bahn-Mitarbeitern an der Parkallee?“ Im Sekundentakt ploppten während der von den Senatsressorts für Häfen und Verkehr anberaumten Online-Informationsveranstaltung zum Planungsstand der Bahnwerkstatt am Dienstag im Chatfenster Fragen und Kommentare auf.

Währenddessen bemühten sich Thomas Nawrocki, Bereichsleiter Fahrzeugmanagement bei der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG), Jochen Slabon, Bereichsleiter Nahverkehr beim Zughersteller Alstom, und sein Kollege Frank Werther, verantwortlich für das Servicegeschäft in Deutschland, den rund 100 zugeschalteten Zuhörern die Vorteile der an der Reitbrake geplanten Werkstatt und der 33 neuen Doppelstockzüge zu vermitteln, die ab Ende 2024 auf dem Expresskreuz Bremen/Niedersachsen fahren und in Oslebshausen gewartet werden sollen: leise, barrierefrei, umweltfreundlich.

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Die Anwohner, Ortspolitiker und Gewerbetreibende hatten aber deutlich mehr Redebedarf, wie die Anmerkungen und Nachfragen im Chat zeigten. Dementsprechend viel zu tun hatte Dirk Schneider von der Firma Consult Team, der in den Fragen aus dem Publikum mehrere Themenfelder ausmachte: Zum einen war dies die Veranstaltung selbst, die zwar bereits vor einem Monat angekündigt worden war – Uhrzeit und Details aber sind erst auf mehrfaches Nachhaken des Ortsamts bekannt geworden. Christian van der Velde, Geschäftsführer Consult Team, entschuldigte sich hierfür: „Das soll beim nächsten Mal besser laufen.“

Zum anderen das Thema Lärm beziehungsweise Lärmschutz, zu dem aus dem Publikum etliche Bedenken geäußert wurden. Viele Nachfragen bezogen sich außerdem darauf, wie es zur Wahl des Standortes Reitbrake für die Bahnwerkstatt kam und ob in Bremen noch andere Standorte untersucht worden seien. Ein geeignetes Gelände zu finden, sei durchaus schwierig, sagte dazu Frank Werther: „Es muss angeschlossen und verfügbar sein.“ Alle Bieter, die sich auf die Ausschreibung der LNVG beworben hatten, seien am Ende auf dasselbe Grundstück gekommen: „Von den untersuchten Standorten ist das der wirtschaftlichste.“

Andere Zuhörer wiederum beschäftigt vor allem die Frage, wie angesichts seiner schrecklichen Vergangenheit mit dem Areal umgegangen werden sollte. Hierzu war Neues von Staatsarchiv-Leiter Konrad Elmshäuser und Landesarchäologin Uta Halle zu erfahren, die seit einiger Zeit die Geschichte des Russenfriedhofs an der Reitbrake wissenschaftlich aufarbeitet.

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Auf der Grundlage von Schriftquellen und historischen Luftbildern gehen die beiden davon aus, dass sich auf dem Areal noch immer die sterblichen Überreste von 280 russischen Zwangsarbeitern befinden. Und, so Halle: „Wir wissen jetzt, wo wir graben müssen und wie tief wir graben müssen.“ Demnach werde man in einem bestimmten Bereich mit einem Bagger eine Schicht von etwa zwei Metern abtragen, um an das ehemalige Friedhofsgelände zu gelangen. Noch in diesem Jahr könnte Halle zufolge mit den Arbeiten begonnen werden, allerdings müsse das Gelände zuvor geräumt werden. „Wir haben nächste Woche einen Termin mit den Mietern, um auf der Fläche zu zeigen, wo der Friedhof lag und wer betroffen ist“, so Halle. Bei etwaigen Exhumierungen und Umbettungen werde der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge hinzugezogen, kündigte die Landesarchäologin außerdem an.

Dieter Winge, Sprecher der Bürgerinitiative Oslebshausen und umzu, zeigte sich nach der eineinhalbstündigen Videokonferenz enttäuscht: „Die Veranstaltung war eine Farce. Kein Dialog möglich, viele wichtige Fragen sind nicht oder unbefriedigend beantwortet worden.“ Ab 14. April will Alstom montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr unter der Telefon-Hotline 030-28 87 58 70 Fragen zu dem Vorhaben beantworten.

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