Emissionen Mercedes baut neues Testzentrum für Abgase in Bremen

Nicht erst seit den Skandalen vieler Autobauer spielen Abgastests eine wichtige Rolle. Beim Bremer Mercedes-Werk entsteht nun eine ganz besondere Anlage.
08.07.2021, 18:01
Lesedauer: 3 Min
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Mercedes baut neues Testzentrum für Abgase in Bremen
Von Stefan Lakeband

Bescheiden ging es los, als 1985 das Abgastestzentrum (AGZ) beim Bremer Mercedes-Werk die Arbeit aufnahm: Zehn Prüfstandfahrer, vier Instandhalter und fünf Angestellte hatten drei Rollenprüfstände zur Verfügung. Dimensionen, die den Anforderungen schnell nicht mehr gewachsen waren. Zunächst wurde in einer Schicht geprüft, dann in zwei, „mittlerweile reichen die Kapazitäten mit drei Schichten nicht mehr aus“, heißt es in einer Info des Bremer Daimler-Betriebsrates aus dem vergangenen Jahr.

Da die Anforderungen an Abgastests immer weiter stiegen, ist es im AGZ mittlerweile zu eng. Daher baut der Konzern nun eine neue Einrichtung, die er „Umwelttechnologiezentrum“ (UTZ) nennt. An diesem Donnerstag war die Grundsteinlegung auf dem Gelände der ehemaligen Daimler-Nutzfahrzeuge-Niederlassung in der Nähe des Weserparks. Auf rund 13.000 Quadratmetern Geschossfläche sollen moderne Prüfstände entstehen; es wird eine der „modernsten Anlagen der Welt“ sein, wie der Leiter des Qualitätsmanagements bei Mercedes-Benz, Jason Hoff, sagte.

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Dass der Neubau des Testzentrums in Bremen entsteht, war nicht von vornherein klar. Der Standort musste sich konzernintern bewerben. Umso glücklicher ist Werksleiter Michael Frieß, dass die Teststände in der Hansestadt bleiben. „Die Grundsteinlegung des neuen Umwelttechnologiezentrums ist für uns als Standort von besonderer Bedeutung – unterstreicht sie doch die wichtige Rolle des Werks Bremen im globalen Produktionsnetzwerk von Mercedes-Benz Cars. Das neue Zentrum ist eine Investition in die Zukunftsfähigkeit des Mercedes-Benz-Werks Bremen.“

Rund 100 Beschäftige sollen hier arbeiten, wenn das Testzentrum Ende 2022 den Regelbetrieb aufnimmt. Sie wechseln vom jetzigen Standort in das neue Umwelttechnologiezentrum. Was aus dem alten AGZ wird, sei noch nicht klar, sagte eine Daimler-Sprecherin auf Nachfrage.

Denkbar wäre, dass der Standort für die Produktion genutzt wird. „Eingezwängt in Halle 9 weckt die Fläche immer wieder Begehrlichkeiten der Produktion, es war kaum Platz für die ständig steigenden Anforderungen an die Emissionsprüfungen“, heißt es im Betriebsratsinfo aus dem vergangenen Jahr. Laut Arbeitnehmervertretung wurden 2019 wurde bei 2300 Fahrzeugen 3525 Tests durchgeführt – „bei grenzwertigem Platz und überalterter Ausstattung“, wie Betriebsrätin Renate Witte im März 2020 den Beschäftigten mitteilte.

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Konkret sollen im neuen Zentrum die Emissionswerte untersucht und die Verbrauchsmessungen für alle europäischen Automodelle von Mercedes für den Weltmarkt durchgeführt werden. Für die speziellen Anforderungen des amerikanischen und chinesischen Markts gibt es Laborkapazitäten an den Standorten Tuscaloosa in Alabama und Peking. In Untertürkheim und Sindelfingen gibt es Testzentren für die Bereiche Entwicklung und Zertifizierung. „Ein Testzentrum für Kundenfahrzeuge nach der Auslieferung befindet sich in Immendingen“, teilte die Sprecherin mit.

Wie wichtig Abgastests sind, ist nicht erst seit den Skandalen um diverse deutsche Autobauer bekannt. Auch Daimler wurde zu mehreren Rückrufaktionen verpflichtet. Mit Blick auf die Mobilitätswende spielt das Zentrum in Bremen ebenfalls eine wichtige Rolle. Hier sollen nicht nur Verbrenner, sondern auch die Hybrid- und vollelektrischen Modelle getestet werde. „Solche Labore stehen im Vordergrund, wenn es darum geht, die behördlichen Anforderungen zu erfüllen“, sagte Qualitätschef Hoff. Neben den klassischen Abgastests soll es hier auch Klima-Teststände geben, mit denen untersucht werden kann, wie extreme Hitze und Kälte auf die Fahrzeuge wirken.

Wie viel sich Daimler das neue Zentrum konkret kosten lässt, wollte die Konzernsprecherin nicht sagen. Die Rede war von einem zweistelligen Millionenbetrag. In der Mitteilung des Betriebsrats an die Beschäftigten heißt es, der Konzern investiere 70 Millionen Euro.

Auch Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) nahm am Donnerstag an der Grundsteinlegung teil. Er erinnerte an die Anfänge. Als Mercedes die Autoproduktion in den 70er-Jahren in Bremen begonnen habe, habe niemand ahnen können, dass hier einmal einer der größten Standorte des Konzerns entstehen wird. „Ich bin stolz auf unser Mercedes-Werk“, sagte er. Es sorge dafür, dass 12.000 Menschen in Lohn und Brot stünden, und er lobte die „strategische Partnerschaft“ zwischen dem Konzern und Bremen. Das neue UTZ sei ein Meilenstein – „für Mercedes-Benz und für Bremen“.

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