Blick ins Gehege Affenexperimente an der Uni Bremen: Etappen einer langen Recherche

Die Affenversuche an der Bremer Universität sind ein hochsensibles Thema. Entsprechend schwierig ist es, ganze nahe heranzukommen – dieses Mal bis ans Gehege der Makaken.
09.01.2020, 16:59
Lesedauer: 2 Min
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Affenexperimente an der Uni Bremen: Etappen einer langen Recherche
Von Jürgen Hinrichs

Als vor drei Monaten Bilder aus einem Versuchslabor auftauchten und Affen zu sehen waren, die offenkundig schlecht gehalten und gequält wurden, trieb das Tausende von Tierschützern auf die Straße. Sie protestierten gegen die Zustände in dem Labor in Neu Wulmstorf bei Hamburg-Haburg und forderten die Schließung. Die Demonstranten wandten sich genauso gegen jede andere Art von Tierversuchen, egal mit welcher Methode und welchem Schwerpunkt. Der WESER-KURIER erkundigte sich aus diesem Anlass beim Zentrum für Kognitionsforschung an der Bremer Universität. Dort wird seit 22 Jahren an Affen geforscht. Die Anfrage war der Anfang einer Recherche, die erst jetzt zu einem Ende kommt. Sie zeigt, wie heikel, emotionsbeladen und kompliziert das Thema ist.

Zunächst gab es eine Antwort aus der Pressestelle der Universität, in der darauf hingewiesen wurde, dass die Arbeit im Bremer Versuchslabor völlig anders gelagert sei und dass die Tiere, ihre Gesundheit und das Wohlbefinden, höchste Priorität hätten. So stand es am nächsten Tag in der Zeitung. Vier Wochen später wurde der Redaktion auf eigenen Wunsch die Gelegenheit gegeben, das Labor zu besichtigen und einen Tierversuch zu beobachten. Das erste Mal durfte der WESER-KURIER auch direkt vor das Gehege, ein Bereich, der wegen der Ansteckungsgefahr für die Tiere besonders streng geschützt ist. Die Besucher mussten sich mit Schutzkleidung vermummen, nur so war der Blick in die Käfige erlaubt.

Eine Woche darauf fand ein weiteres Treffen im Labor statt. Wieder stand für zwei Stunden der Chef des Labors für ein Gespräch zur Verfügung. Bei diesem Termin erklärte Andreas Kreiter Technik und Zielsetzung seiner Arbeit. Erörtert wurden auch ethische und rechtliche Fragen. Ein Problem war dann die Bebilderung. Die Universität hatte Fotos von Makaken zur Verfügung gestellt, die noch nicht operiert worden waren und keine Messzylinder auf dem Kopf hatten.

Für die Redaktion kam das nicht infrage, weil die Tiere in der Wirklichkeit des Labors anders aussehen. Kreiter und die Universität beteuerten, nichts beschönigen zu wollen, es sei aber nun mal so, dass Bilder von den operierten Affen in der Öffentlichkeit sofort wieder einen negativen Impuls auslösen würden. Außerdem müsste sich ein Fotograf der Zeitung aufwändigen gesundheitlichen Untersuchungen unterziehen, bevor man ihn in das Gehege lassen könne.

Das harte Ringen endete mit einem Kompromiss: Die Makaken werden so fotografiert wie sie sind. Allerdings nicht von der Zeitung, sondern vom Labor selbst. Eine Pflegerin sollte zur Kamera greifen und die Affen sowohl im Gehege als auch im Stuhl ablichten, in dem sie während des Transports zum Labor und der Versuche sitzen. Dann waren die Bilder da – viele aus dem Gehege, keines von den Makaken, wie sie im Stuhl sitzen. Das habe leider nicht geklappt, teilte die Universität mit.

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