Diskussion um Straßenbelag Asphaltstreit im Viertel beigelegt

Immer wenn neuer Asphalt altes Kopfsteinpflaster ersetzen soll, gibt es Konflikte. Nun soll ein Kompromiss Verkehrssicherheit, Radfahrer, Lärm und das historische Straßenbild unter einen Hut bringen.
05.12.2018, 22:48
Lesedauer: 3 Min
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Von Matthias Holthaus

Lange hat es gedauert, doch nun ist es soweit: Einstimmig haben die Mitglieder des Runden Tisches „Straßenbelag“ ein Papier unterschrieben, das dem lange schwelenden Streitthema „Asphalt gegen Pflaster“ ein Ende bereiten soll. Die Beteiligten, das sind Vertreter der Baubehörde, des Ortsamtes, des „Allgemeine Deutsche Fahrrad-Clubs“ (ADFC), der Parteien des Beirates Östliche Vorstadt, der Architektenkammer sowie der Landesbehindertenbeauftragte.

Zuvor kam es immer wieder zu Konflikten zwischen Anwohnern und dem Bauressort, „insbesondere im Bremer Fesenfeld sowie Ostertor- und Steintor-Quartier“, wie es in dem zum Teil veröffentlichten Kompromisspapier heißt. Grund hierfür war ein im Juni 2017 verabschiedeter Beschluss, wonach die Herstellung der Fahrbahndecke, etwa nach Kanalarbeiten, in der Asphalt-Ausführung Vorrang haben solle. Begründet wurde dies mit Kostengründen, aber auch mit Gründen der Barrierefreiheit, der Verkehrssicherheit und der Lärmminderung.

Angeblich drohte die „Asphaltierung es Viertels“

Eine Reihe von Anwohnerinnen und Anwohnern, insbesondere der Ritterstraße und der Hollerstraße, wehrten sich jedoch gegen die drohende Asphaltierung ihrer Straße. „Zwar sei Pflaster teurer, halte dafür auch länger“, lautete etwa im Juni 2017 die Argumentation Klaus Schlössers, Anwohner der Hollerstraße und Mitglied der Initiative „Stadtbild Bremen“, im Stadtteil-Kurier. Schlösser warnte damals auch vor einem Präzedenzfall: „Falls das Pflaster in der Hollerstraße nicht erhalten bleibe, drohe die Asphaltierung des gesamten Viertels.“ Und zusammen mit Robin Quaas von der Initiative Ritterstraße forderte er, dass die Anwohner in die Diskussion und die Entscheidungsfindung einbezogen werden sollten.

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Was dann auch geschah: Im Januar 2018 bildete sich der besagte Runde Tisch auch mit Anwohnervertretern, der verschiedene Fachleute zu Wort kommen ließ und sich mit Ortsbegehungen einen Einblick verschaffte. In der Einleitung der Abschlusserklärung heißt es weiter: „Gemeinsame Aufgabe des Runden Tisches war die Erarbeitung eines Gestaltungskonzeptes, das verschiedene Zielvorgaben in einem tragfähigen Konsens miteinander versöhnt und Handlungsleitlinien für künftige Straßensanierungsmaßnahmen im Viertel vorgibt.“

Darüber hinaus solle dieses Konzept auf Wunsch anderer Beiräte auch für andere historisch herausragende Quartiere Bremens anwendbar sein. „Zu berücksichtigen waren hierbei insbesondere Herstellung beziehungsweise Optimierung der Barrierefreiheit, Verbesserung der Fahrradfreundlichkeit, Erhalt des historisch geprägten und gewachsenen Stadtbildes“ sowie die Verbesserung von Bürgerinnen- und Bürgerdialogen und Anwohnerinnen- und Anwohnerbeteiligung.

Alle Details auf der kommenden Beiratssitzung

„Alle Beteiligten sagen, dass es ein ausgewogener Gesamtkompromiss ist“, sagt dazu Klaus Schlösser. Keiner könne mit dem Kopf durch die Wand, das sei die Herausforderung dieses Runden Tisches gewesen. „Doch nun sind wir alle Fachmänner in Sachen Steinsetzen und Verlegequalität.“ Ansonsten wolle er nicht vorpreschen: „Die Ergebnisse des Runden Tisches werden am Dienstag, 11. Dezember, im Rahmen einer Beiratssitzung bekannt gegeben.“

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Auch Kai-Ole Hausen, der diesen langwierigen Prozess moderierte, möchte der Beiratssitzung nicht vorgreifen. „Wunderbar, dass alles unterschrieben wurde“, sagt er. Albrecht Genzel vom ADFC sieht in der getroffenen Vereinbarung ebenfalls einen guten Kompromiss. „Es hatte jedes Mal ein hohes Konfliktpotenzial, wenn Hansewasser durch die Straßen ging und es anschließend ‚Pflaster oder Asphalt‘ hieß.“ Man habe gemeinsam überlegt und die verschiedenen Interessen berücksichtigt: „Fair und konstruktiv ist man ins Gespräch gekommen. Es ist kein Billigfrieden und ein Beweis, dass, wenn man darüber redet, man auch zu einem guten Ergebnis kommen kann. Der ADFC ist begeistert von diesem vorzeigbaren Ergebnis.“

Auch Ortsamtsleiterin Hellena Harttung findet lobende Worte für den ausgehandelten Kompromiss. „Ein guter Prozess und eine sehr differenzierte Lösung. Die gefundene Lösung setzt stark auf die Barrierefreiheit“, sagt Harttung. „Ich gehe davon aus, dass wir damit auch für spätere Prozesse eine Grundlage haben.“

Weitere Informationen

Die Ergebnisse des Runden Tisches „Straßenbelag“ werden auf der gemeinsamen Sitzung der Beiräte Mitte und Östliche Vorstadt am Dienstag, 11. Dezember, 19 Uhr im Bürgerhaus Weserterrassen, Osterdeich 70b, öffentlich präsentiert. Weiteres Thema: Ein Beschluss zum Budgetvorschlag für die Offene Jugendarbeit 2019.

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