Christopher Street Day

Bremer Rathaus will die Regenbogenfahne hissen

Zum Christopher Street Day am 31. August soll die Regenbogenfahne am vorübergehenden Sitz des Landtags gehisst werden. Dafür sprach sich Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) aus.
21.08.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Bremer Rathaus will die Regenbogenfahne hissen
Von Carolin Henkenberens
Bremer Rathaus will die Regenbogenfahne hissen

Mehr als nur ein buntes Stück Stoff: Die Regenbogenflagge ist das weltweite Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Christina Kuhaupt

Die bunten Farben des Regenbogens werden zum Christopher Street Day (CSD) am Sonnabend, 31. August, am Rathaus wehen. „Am CSD Ende August wird die Regenbogenflagge in diesem Jahr am Rathaus gehisst“, das sagte Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) auf Nachfrage des WESER-KURIER. Weil das Haus der Bürgerschaft umgebaut wird, finden die monatlichen Parlamentssitzungen derzeit im Rathaus statt. Da sei es doch nur sinnvoll, sagte Bovenschulte, dass in diesem Jahr die Flagge hier wehe. Die Regenbogenfahne ist das weltweite Symbol der Lesben- und Schwulenbewegung und gilt als Zeichen für Vielfalt.

Vergangenes Jahr hatte das Rathaus noch argumentiert, dass man als Regierungssitz nur Hoheitssymbole hissen dürfe und die Regenbogenflagge sei kein solches Hoheitssymbol. An der Bremischen Bürgerschaft hing indes 2018 am Tag der CSD-Demonstration die Regenbogenflagge, 2017 war das Hissen der Fahne zunächst aufgrund einer Panne versäumt und später, zum Coming-Out-Day im Oktober, nachgeholt worden.

Bürgerschaft und Rathaus werden Flagge zeigen

Es sieht sogar danach aus, dass in diesem Jahr gleich zwei Regenbogenfahnen rund um Bremens gute Stube wehen werden: am Rathaus und am Haus der Bürgerschaft. Denn die Fraktionen von SPD, Grünen, Linken und FDP haben einen Bürgerschaftsantrag vorbereitet, wonach das Parlament das Hissen der Regenbogenflagge am Haus der Bürgerschaft beschließen möge. Die Flagge am Rathaus kann dafür kein Ersatz sein. Die Fahnenmasten seien trotz der Umbauarbeiten weiter in Betrieb, erklärte Sprecherin Dorothee Krumpipe. Auch die CDU-Fraktion wird dem Antrag wie in den Vorjahren voraussichtlich zustimmen. Die AfD-Fraktion lehnt den Vorschlag ab.

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Die Organisatoren des Bremer Christopher Street Days äußerten schon länger den Wunsch, dass auch das Rathaus die Regenbogenflagge anbringt. „Ich kenne kein Rathaus, das es nicht tut“, sagte Robert Dadanski, Sprecher des CSD-Vereins, der die Demonstration organisiert. In Oldenburg gebe es sogar einen Empfang im Rathaus, zu dem die CSD-Organisatoren und andere Organisationen eingeladen würden. „Auch in Hamburg wurde am Rathaus die Flagge gehisst“, berichtete Dadanski. „Das ist Symbolpolitik, ganz klar, aber ohne Symbole kriegt man das Denken nicht weg.“ Noch immer würden Menschen wegen ihrer sexuellen Identität diskriminiert.

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„Wir rufen dazu auf, dass die ganze Stadt an diesem Tag Regenbogenflaggen aufhängt“, sagte Dadanski. Er freut sich über jeden Ort, an dem eine solche Flagge weht. „Das ist total klasse.“ Das Rathaus sei besonders wichtig, weil es das Land Bremen repräsentiere und bei der Bevölkerung einen hohen Stellenwert habe. Der CSD Bremen findet nach einer Unterbrechung zwischen 2004 und 2017 in diesem Jahr zum dritten Mal in Folge statt. Der Bremer CSD-Verein betont, dass die Veranstaltung unkommerziell und politisch ist.

Verschiedene Institutionen, Unternehmen und Parteien zeigen am 31. August ihre Unterstützung für die Parade in Bremen. Werder Bremen plant wie schon in den Vorjahren eine Aktion. „Was genau wir machen, steht noch nicht fest“, sagte Fanbetreuer Till Schüssler am Dienstag. 2018 hingen am Tag des CSD, an dem Werder gegen Hannover spielte, vor und im Stadion Regenbogenflaggen. Der CSD hat Schüssler zufolge bewirkt, dass seither an allen Spieltagen Regenbogen-Eckfahnen im Stadion zum Einsatz kommen.

AfD sieht Sexualität als Privatsache an

Der AfD-Fraktionsvorsitzende Thomas Jürgewitz hält den CSD für einen „unnötigen bizarren Zirkus“. Sexualität sei Privatsache und gehöre nicht „auf einen Basar der Beliebigkeiten oder sexuellen Provokationen“.

Die CDU Bremen wird ihre Geschäftsstelle am Wall mit einer Regenbogenflagge schmücken. Zu einer Regenbogenflagge am Rathaus sagte der Landesvorsitzende und Abgeordnete Carsten Meyer-Heder: „Ich persönlich hätte damit kein Problem“. Die FDP-Fraktion sieht das nach Auskunft eines Sprechers genauso. Der Landesverband und die Jungen Liberalen nähmen mit einem Lastwagen am Demonstrationszug durch die Bremer Innenstadt teil.

Die Regenbogenflagge stellt für die queerpolitische Sprecherin der Linken-Fraktion, Maja Tegeler, dar, „dass der Kampf um Gleichstellung noch lange nicht zu Ende ist“. Ihre Partei sei ebenso mit einem Wagen beim CSD dabei. Kai Wargalla, für die Grünen-Fraktion für Queerpolitik zuständig, sagte: „Bei aller Party und Buntheit ist der Christopher Street Day ein ernstes Thema und ein politischer Kampf.“ Die Regenbogenflagge an Bürgerschaft und Rathaus sei ein wichtiges Zeichen für Offenheit und Toleranz und „dass wir gleiche Rechte haben, egal, wen wir lieben.“

Die Parade für die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Transgendern, Intersexuellen und Queeren (LGBTIQ) zieht am 31. August ab 12 Uhr durch die Innenstadt. Die Demonstration steht im Zeichen von 40 Jahre CSD in Deutschland. Vor 50 Jahren brachte eine Razzia in einer New Yorker Schwulenbar in der Christopher Street die Homosexuellenbewegung in Gang.

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