Nichts als Stillstand Bremer Schwerbehindertenvertreter sucht weiter barrierefreien Raum

Seit Monaten will der Gesamtschwerbehindertenvertreter aus seinem Büro ausziehen, weil es nicht barrierefrei ist. Vor vier Wochen wandte es sich deshalb an den WESER-KURIER. Seitdem hat sich nichts getan.
20.06.2019, 06:00
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Bremer Schwerbehindertenvertreter sucht weiter barrierefreien Raum
Von Lisa-Maria Röhling

Marco Bockholt ist genervt. Eigentlich hat er als Gesamtschwerbehindertenvertreter genug zu tun, um die knapp 1700 Schwerbehinderten im Öffentlichen Dienst zu unterstützen. „Der Job ist anspruchsvoll“, sagt Bockholt, der ein knappes Jahr im Amt ist. Aber aktuell hält ihn etwas anderes auf: Raumplanungen. Für jedes Treffen mit Mitarbeitern, jede Konferenz, jede Versammlung muss er einen passenden Sitzungsraum buchen.

In seine Dienststelle in der Knochenhauerstraße 20-25 kann er nicht einladen, weil sie nicht barrierefrei ist. Sein Büro liegt im dritten Stock, erreichbar über eine Treppe und einen kleinen Fahrstuhl. Rollstuhlfahrer und Menschen mit Sehbehinderungen können Bockholt deshalb nicht erreichen.

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Die Situation hat Bockholt gegenüber dem Senat bemängelt, suchte das Gespräch mit der zuständigen Finanzbehörde. Dem WESER-KURIER hatte er vor vier Wochen von den Schwierigkeiten berichtet. Ohne Erfolg: Passiert sei im vergangenen Monat nichts. „Es nervt“, sagt Bockholt.

Für insgesamt 40 Dienststellen des Öffentlichen Dienstes ist er direkt zuständig, dortige Mitarbeiter in Rollstühlen haben keine Möglichkeit, Bockholt in der Knochenhauerstraße für vertrauliche Gespräche zu besuchen. Gleiches gilt für vier der 40 Schwerbehindertenvertreter aus unterschiedlichen Dienststellen, die auf Rollstühle angewiesen sind.

Seit vier Wochen herrsche Stillstand, sagt Bockholt. Umzugspläne? Gibt es nicht. Erst am Dienstag habe er zum ersten Mal wieder von der Finanzbehörde gehört mit der Bitte um ein persönliches Gespräch. So eins habe es zuletzt am 16. Mai gegeben, als ein Objekt in der Birkenstraße besichtigt wurde.

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„Das passte leider nicht“, sagt Bockholt. Zahlreiche Angebote der Behörde musste Bockholt schon ausschlagen, weil sie nicht barrierefrei waren oder nicht im von ihm anvisierten Gebiet zwischen Brill und Bahnhof lagen. Beides sei wichtig, damit Menschen mit Seh- oder Gehbeeinträchtigungen ihn gut erreichten.

„Ich bin sehr aktiv und will viel Beteiligung“, sagt Bockholt. „Da bin ich auf Barrierefreiheit ringsherum angewiesen.“ Verärgert ist er auch, weil es aus seiner Sicht ein adäquates Objekt gibt: Räume im City Gate, barrierefrei zugänglich, mit großem Sitzungsraum, zudem in Bahnhofsnähe.

Immobilien Bremen sei engagiert auf der Suche nach geeigneten Räumen für Bockholt, sagt die Finanzbehörde. Die Räume im City Gate seien allerdings zu groß und mit Mietkosten von knapp 450 000 Euro über zehn Jahre zu teuer, erklärt Ressortsprecherin Dagmar Bleiker. 13 Angebote seien seit Jahresbeginn in engem Austausch mit Marco Bockholt geprüft worden und wegen mangelnder Barrierefreiheit oder der Distanz zur Innenstadt ausgeschieden.

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Beim Ortstermin Mitte Mai sei Bockholt ein Büro im Haus des Reiches, in dem auch die Finanzbehörde ihren Sitz hat, angeboten worden, sagt Bleiker. Dort sei der Fahrstuhl allerdings zu klein. Deswegen wolle die Behörde nun Räume im Erdgeschoss räumen, damit Bockholt dort mit seinem Team einziehen könne, bis eine bessere Lösung gefunden sei.

Bockholt hält nicht viel von dem Angebot im Haus der Reiches, nicht nur wegen des nicht barrierefreien Fahrstuhl. Einen Einzug ins Erdgeschoss lehnt er ab: „Auf eine Übergangslösung lassen wir uns nicht ein“, sagt er, schon allein, weil das „Prozedere der vergangenen Wochen so instabil“ gewesen sei. Und: Als zentrales Organ der Bremischen Interessenvertretung im Haus der Finanzsenatorin untergebracht zu sein, bereite ihm und seinen Kollegen „leichte Bauchschmerzen“.

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