Sieben Bäume gefällt Investor schafft Platz für Neubau im Ostertor

Der Abbruch des ehemaligen Bundesbankgebäudes rückt näher. Der Investor hat auf dem Areal sieben Bäume gefällt, um Platz zu schaffen. Kritiker der Bürgerinitiative sagen es hätte Alternativen gegeben.
22.02.2021, 05:00
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Von Matthias Holthaus

Mit der Fällung von sieben Bäumen auf dem Grundstück des Bundesbankgebäudes rückt der Abriss des markanten Baus näher. „Die Fällgenehmigung betreffen Bäume, die unter die Baumschutzverordnung fallen: drei Platanen, eine Robinie, eine Eiche und eine Linde“, sagt Reiner Belitz von Evoreal – der Investor, der das Bundesbankgebäude abreißen und anschließend das Gelände neu bebauen möchte.

Ebenso betroffen sei eine weitere Platane, die nicht unter die Baumschutzverordnung fällt. „Laut der Fällgenehmigung sind wir verpflichtet, neun Bäume neu zu pflanzen“, fügt Susanne Gräff, Geschäftsführerin von Evoreal, hinzu. Die Platanen stehen im Eingangsbereich der Bank bei dem Kunstwerk des Künstlers Bernd Uiberall, jedoch bereits auf dem Bankgelände, ebenso die restlichen Bäume. Eine Abrissgenehmigung sei noch nicht erteilt, lediglich eine Fällgenehmigung. Es gehe zunächst um Bäume, die im Rahmen des Abrisses gefällt werden müssten.

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Zuvor stellten Anwohner Aktivitäten auf dem Gelände der Bundesbank fest und befürchteten, dass noch vor dem Beginn der Schonzeit von Gehölzen ab dem 1. März Bäume, die eine Fällgenehmigung benötigen, gefällt werden würden. Die Arbeiten auf dem Gelände der Bundesbank erklärt Susanne Gräff so: „Nicht unter die Baumschutzverordnung fallende Bäume und Büsche werden ausgedünnt.“ Es passiere allerdings nichts ohne Rücksprache mit den Behörden, außerdem gebe es von Evoreal eigens einen Sachverständigen, damit nichts Schützenswertes abgeholzt wird. „Das, was wir jetzt hier machen, also ungeschützte Bäume fällen, müssen wir zu diesem Zeitpunkt machen, also vor dem 1. März.“

Susanne Kopp-Jäger von der Bürgerinitiative „Kein Hochhaus im Viertel“ wohnt in unmittelbarer Nähe des Gebäudes und sorgte sich bereits vor der Erteilung der Fällgenehmigung um die Bäume, insbesondere um eine Eiche zwischen dem Grundstück Salvador-Allende-Straße 6 und dem Bundesbankgebäude. Zugunsten von Containern, die als Baustelleneinrichtung fungieren, solle sie diese Eiche nun auch gefällt werden.

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Bereits in einem Beschluss vom 18. November 2020 hatte sich der Beirat Mitte gegen die Fällung der Eiche ausgesprochen: „Unter Umständen ist die Baustelleneinrichtung umzuplanen“, heißt es in dem Beschluss, doch Kopp-Jäger meint, dem Investor sei das egal. „Der Charakter der Straße, das Erscheinungsbild gehen verloren, zuungunsten der Einwohner und zugunsten des Investors und der Politik.“ Zudem meine der Beirat, es gebe nach dem Neubau weniger Versiegelung, „doch das ist nicht so“, sagt sie. Denn: Die Tiefgarage des Gebäudes bleibe erhalten. Deshalb sollen Regenauffangbecken gebaut werden und diese Becken, so Kopp-Jäger, „sollen dann da sein, wo die Bäume sind.“ Das liege daran, dass das Projekt überdimensioniert sei: „Nur die Hälfte der Bausubstanz, dann wären die Becken nicht nötig.“

Es gebe eine weitere Lösung, ein zweites Treppenhaus. Derzeit müssten Bäume für Feuerwehraufstellflächen weg. „Sowohl an der Kohlhökerstraße als auch am Imre-Nagy-Weg soll es Zufahrten geben.“ Zwar würden dort auch Bäume stehen, aber nicht viele. „Damit die Bäume erhalten werden können, müssten in den neuen Gebäuden zweite Rettungswege durch zweite Treppenhäuser gebaut werden. Dadurch würde aber Wohnfläche verloren gehen“, sagt Susanne Kopp-Jäger. Um ihre Unzufriedenheit auszudrücken, veranstalteten Mitglieder der Bürgerinitiative am Freitag eine spontane Demonstration vor dem Gelände.

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Birgit Olbrich sitzt für die SPD im Beirat Mitte und ist Sprecherin des Fachausschusses für Stadtentwicklung und Klima. „Das ist ein politisches Thema“, meint sie und sagt, dass zum Beispiel in Berlin keine öffentlichen Bäume mehr gefällt werden dürften, um den Rettungsweg zu ermöglichen. Es gebe zwei Möglichkeiten eines zweiten Rettungsweges – die eine Möglichkeit sei mit einer intensiven Baumpflege ein Anleitern der Feuerwehr – und eben: „man kann einen zweiten Rettungsweg durch ein zweites Treppenhaus schaffen.“

In Bezug auf die nun zu fällenden Bäume und der Eiche, die der Baustelleneinrichtung zum Opfer gefallen ist, sagte sie vor der nun erteilten Fällgenehmigung, dass das anders hätte gemacht werden müssen. Zudem habe Evoreal gesagt, dass nur die Platanen bei den Kugeln gefällt werden müssten, doch nun seien weitere Bäume im Fällantrag: „Es geht darum, dass Straßenbäume in der Kohlhökerstraße gefällt werden sollen.“ Susanne Gräff sagt dazu: „Straßenbäume können erst zum Bauantrag gefällt werden.“

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