Fragen und Antworten Wie Bremen für die Corona-Impfungen plant

Sobald die ersten Lieferungen des Impfstoffs eintreffen, soll es auch in Bremen losgehen. Das könnte sogar an den Weihnachtsfeiertagen passieren.
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Wie Bremen für die Corona-Impfungen plant
Von Timo Thalmann

In der kommenden Woche will die Europäische Union den Corona-Impfstoff von Biontech zulassen – unmittelbar danach könnten sogar noch vor Weihnachten die Impfungen beginnen, zumindest theoretisch. Praktisch gibt es eine Reihe noch offener Fragen.

Wann beginnen die Impfungen in Bremen?

Sobald der erste Impfstoff geliefert ist, werden die Impfungen starten. Es ist allerdings unklar, wann das sein wird. Laut Lukas Fuhrmann, Sprecher des Gesundheitsressorts, bereitet man sich auch auf einen Start an den Weihnachtsfeiertagen vor, sollte der Impfstoff bis zum 24. Dezember in Bremen angekommen sein.

Wie viele Impfstoffdosen stehen zum Start bereit?

Dazu gibt es bislang keine verbindlichen Informationen vom Bund oder der Europäischen Union als Käufer beziehungsweise von Biontech als Lieferant. Das Land Bremen wird nach seinem Bevölkerungsanteil mit knapp einem Prozent der an Deutschland gelieferten Menge bedacht. Das Gesundheitsressort schätzt, dass am Anfang nur sehr kleine Mengen mit wenigen Tausend Impfdosen bereitstehen. Aus Sicherheitsgründen wird nur die Hälfte der gelieferten Menge genutzt, denn um den Schutz herzustellen, bedarf es einer zweiten Impfung nach 21 Tagen. Sollten keine rechtzeitigen Nachlieferungen erfolgen, könnte die Impfung nicht abgeschlossen werden, wenn alle Impfdosen verbraucht wurden.

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Wer darf sich zuerst impfen lassen?

Die Impfungen starten mit der Gruppe der über 80-Jährigen, denn Senioren gelten als die größte Risikogruppe. Eine Auswertung der bis zum 15. November an das Robert Koch-Institut (RKI) übermittelten 12.485 Covid-19-Todesfälle ergab, dass 86 Prozent davon Menschen über 70 Jahre betraf. Der Median betrug 83 Jahre. Das heißt: 50 Prozent der Verstorbenen waren älter, die andere Hälfte jünger als 83 Jahre. Unter allen an das RKI übermittelten Corona-Infektionen betrug der Anteil der über 70-Jährigen zwölf Prozent. Die Sterberate ist demnach überproportional hoch, je älter die Erkrankten sind. Dagegen steigt das Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 bei Menschen unter 60 Jahren durch Vorerkrankungen nur geringfügig. Das Alter sei der entscheidende Faktor, stellt die Ständige Impfkommission in ihren Empfehlungen zur Corona-Impfung fest.

Wie erfahre ich, ob ich mich impfen lassen darf?

Alle über 80-Jährigen werden angeschrieben und vom Gesundheitsamt informiert, wann und wie die Möglichkeit einer Impfung im Impfzentrum an der Bürgerweide besteht. Es ist vorerst nicht möglich, sich dort aktiv anzumelden. In den ersten Wochen werden ohnehin ausschließlich Impfungen durch mobile Teams in Pflegeheimen und stationären Einrichtungen angeboten. Die Bewohner werden über die Möglichkeit der Impfung und ihren Zeitpunkt durch die Einrichtung informiert. Um einen möglichst hohen Schutzgrad zu erreichen, wird die Impfung in den Einrichtungen nicht nur den über 80-Jährigen angeboten, sondern allen Bewohnern sowie dem Personal – soweit es in direktem Patientenkontakt arbeitet. Abhängig von der Menge des verfügbaren Impfstoffs starten parallel oder unmittelbar danach die Impfungen für das Personal in den Kliniken; und die Anschreiben des Gesundheitsamts an die Privathaushalte werden verschickt.

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Muss jeder ins Impfzentrum?

Prinzipiell ja. Der Grund ist die Impfstofflogistik. Das Medikament wird bei minus 74 Grad in Fünf-Milliliter-Ampullen geliefert und aufbewahrt. Diese Ampullen können zwar auch einige Tage in normalen Kühlschränken bleiben, enthalten aber keine fertige Impflösung, sondern ein Konzentrat. Es muss mit einer Kochsalzlösung verdünnt werden. Jede Ampulle enthält fünf Impfdosen. Sobald sie unter nicht-sterilen Bedingungen angebrochen wurde, muss der Impfstoff angesetzt und innerhalb einer Stunde verbraucht werden. In dieser fertigen Form ist der Impfstoff nicht mehr transportfähig. Deshalb ist auch eine Impfung beim Hausarzt damit nicht möglich. Für mobil eingeschränkte Senioren werden Fahrdienste organisiert, auch eine Begleitung ins Impfzentrum ist möglich. Erst wenn im Laufe des Jahres 2021 weitere Impfstoffe zur Verfügung stehen, die auch von niedergelassenen Ärzten genutzt werden dürfen, wird das Impfzentrum nach und nach seine Arbeit einstellen.

Gibt es vor der Impfung ein Gespräch mit einem Arzt?

Die ärztliche Aufklärung ist verpflichtend, kann aber auch schriftlich erfolgen. Das Gesundheitsressort verspricht, dass bei jeder Impfung Ärzte für Fragen zur Verfügung stehen. Wer sich impfen lassen will, wird in jedem Fall zuvor durch eine Unterschrift dokumentieren, dass er über mögliche Risiken und Nebenwirkungen aufgeklärt wurde. Bei älteren Menschen, die einen Vormund oder einen Betreuer für gesundheitlichen Fragen haben, wird dieser bei der Aufklärung mitwirken.

Was passiert, wenn ich mich nicht impfen lassen will?

Nichts. Eine Impfpflicht besteht nicht. Der Betroffene behält das Risiko an Covid-19 zu erkranken.

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Zur Sache

Ständige Impfkommission

Alle Empfehlungen zu Impfungen in Deutschland stammen von der Ständigen Impfkommission (Stiko), ein Expertengremium mit derzeit 18 Mitgliedern. Sie werden vom Bundesministerium für Gesundheit in Absprache mit den obersten Landesgesundheitsbehörden berufen. Für Ärzte und Behörden sind die Empfehlungen der Stiko faktisch verbindlich, weil sie nur bei strikter Folge von einer eigenen Haftung für Impfschäden befreit sind. Die Stiko berücksichtigt bei ihren Überlegungen neben rein medizinischen auch ethische und gesellschaftliche Aspekte. So wurden für die Corona-Impfung Modelle berechnet, mit welcher Impfstrategie insgesamt die meisten Lebensjahre gewonnen werden.

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