Vorwurf der Volksverhetzung Pastor Latzel gibt Erklärung ab

Pastor Olaf Latzel hat zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen wegen Volksverhetzung Stellung bezogen. Dabei betont er, dass Homosexualität eine Sünde sei, er Homosexuelle aber trotzdem willkommen heiße.
26.04.2020, 14:01
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Pastor Latzel gibt Erklärung ab
Von Ralf Michel

Die Bremer Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Volksverhetzung gegen Olaf Latzel, Pfarrer der evangelischen St.-Martini-Gemeinde in Bremen. Inhaltlich geht es dabei um Äußerungen des streitbaren Pfarrers zur Homosexualität. Im Gottesdienst am Sonntag bezog Latzel nun Stellung zu den Vorwürfen.

Dabei ging er zunächst auf die "zahlreichen Übergriffe, Straftaten bis hin zu Morddrohungen" gegen die Gemeinde, aber auch gegen ihn persönlich ein, die es in den vergangenen Wochen "in einer bisher nicht gekannten Häufung und Aggressivität" gegeben habe. Darauf habe sich das Wort "Verbrecher" in einem Vortrag bezogen, den er in einem Eheseminar im Oktober 2019 mit etwa 30 Ehepaaren aus der Gemeinde hielt. Als er von Verbrechern gesprochen habe, "bezog sich dies nicht auf homosexuell lebende Menschen, sondern auf militante Aggressoren, die uns als Gemeinde in den letzten Jahren immer wieder angegriffen und gotteslästerlich diffamiert haben".

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Als Beispiele dafür nannte Latzel „die gottesdienstlichen Störungen“ anlässlich einer Predigt mit einem sogenannten „Kiss in“ von etwa 50 gleichgeschlechtlichen Paaren und anschließenden Prügeleien mit Polizisten. Oder das wiederholte Beschmieren der Kirche mit Slogans wie „God is gay“.

Allein diese Gruppe von Straftätern seien von ihm mit dem Begriff „Verbrecher“ gemeint gewesen. „Wenn dadurch jedoch für einige Außenstehende der Eindruck entstanden sein sollte, dass ich generell alle Homosexuellen für Verbrecher hielte, so will ich mich dafür entschuldigen und klarstellen, dass dieses selbstverständlich nicht meine Meinung ist.“

Da er selbst und die Gemeinde schon häufiger als homophob diffamiert worden seien, wolle er die Gelegenheit nutzen, „um unsere biblische Position zur Homosexualität nochmals darzustellen“, heißt es weiter in Latzels Erklärung. Die Bibel benenne klar Dinge, die Sünde seien: Geldgier, Ehebruch, Neid, Lieblosigkeit, Jähzorn, Rache, Geiz, Trunkenheit, Unzucht... „Diese und zahlreiche andere Dinge werden von mir als Sünde benannt, weil die Bibel diese so deklariert.“ Und auch die Homosexualität werde in der Bibel eben „eindeutig als Sünde gekennzeichnet“.

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Auch in der Gemeinde St. Martini gebe es homosexuell empfindende Glaubensgeschwister, „die selbstverständlich Teil unserer Gemeinschaft sind“. Homosexuelle seien in St. Martini, wie jeder andere Mensch, willkommen. Allerdings werde in der Gemeinde klar zwischen dem eindeutigen „Ja“ zum Sünder und dem ebenso eindeutigen „Nein“ zur Sünde unterschieden. Also habe man auch zum Homosexuellen ein „Ja“, aber ein „Nein“ zur Homosexualität.

Dieses eindeutige Zeugnis der Bibel kann und werde die Gemeinde St. Martini und auch er als Pastor nicht anders verkündigen und lehren, „auch wenn man dadurch in weiten Teilen der verfassten Kirche, der Politik und der Presse zunehmend Ausgrenzung und Diffamierung erfährt“.

Schon vor dieser Erklärung hatte sich der Kirchenausschuss der Bremischen Evangelischen Kirche zu den Strafermittlungen gegen Pastor Latzel geäußert. Der Ausschuss distanzierte sich entschieden "von den abwertenden Äußerungen" Latzels in dem Eheseminar und verurteilte "auf das Schärfste die Äußerungen, in denen Menschen herabgesetzt, beleidigt und in ihrer Würde verletzt werden". Mit seinen Äußerungen schade Olaf Latzel der Bremischen Evangelischen Kirche. "Bereits in der Vergangenheit haben wir Äußerungen von Herrn Pastor Latzel erlebt, die bis an die Grenze des Erträglichen gingen, diese Grenze ist jetzt überschritten", erklärte die Präsidentin des Kirchenausschusses, Edda Bosse. Man werde sehr genau das eingeleitete Verfahren beobachten und davon ausgehend mögliche dienstrechtliche Schritte prüfen.

Kritik an Latzel gab es – ebenfalls schon vor seiner Erklärung am Sonntag – auch aus der Politik. CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp sprach von "hetzerischen, falschen und polemischen Aussagen", die die Menschenrechte verletzten und ihn an Mittelalter und Nationalsozialismus erinnerten. Doris Achelwilm, Bremer Bundestagsabgeordnete der Linken, bezeichnete Latzel als "untragbar wie nichts Gutes seit Jahren". Er sei immer vorne mit dabei, "wenn es darum geht, von der Kanzel gegen queere Menschen, Selbstbestimmung von Frauen, andere Religionsgemeinschaften etc. zu hetzen."

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