Objekt am Brill

Libeskind-Pläne lassen auf sich warten

Das spektakuläre Projekt am Brill könnte sich verzögern, denn bislang ist der beauftragte Projektentwickler neue Details der spektakulären Bauentwürfe schuldig geblieben. Kritik kommt auch vom Bremer Denkmalpfleger.
18.05.2019, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Libeskind-Pläne lassen auf sich warten
Von Jürgen Hinrichs
Libeskind-Pläne lassen auf sich warten

Daniel Libeskind hat seine Entwürfe für das Sparkassenareal Anfang April in Bremen vorgestellt.

Frank Thomas Koch

Kurz vor der Bürgerschaftswahl ist noch unklar, wie es mit dem spektakulären Libeskind-Projekt weitergeht. Von den Plänen des Architekten für das Sparkassengelände am Brill gibt es bisher nur Skizzen. Trotz mehrmaliger Aufforderung der Baubehörde ist der vom Investor beauftragte Projektentwickler Assmann bis heute die Details der Entwürfe schuldig geblieben. Ein Gestaltungsbeirat, der eigentlich bereits arbeiten sollte, um eine Grundsatzentscheidung über das Megaprojekt am Brill vorzubereiten, hat sich noch nicht einmal konstituiert.

In der Verwaltung herrscht nach eigenem Bekunden Ratlosigkeit, zumal vorher vom Entwickler zur Eile gemahnt worden war und er bis zum Spätherbst wissen wollte, wie Bremen zu den Plänen steht. „Bisher handelt es sich nur um eine architektonische Anmutung“, erklärt Bau-Staatsrat Ronny Meyer (Grüne) zu den vier Türmen, die auf dem Areal entstehen sollen. Im Oktober 2020 zieht die Sparkasse Bremen dort aus und siedelt mit ihrer Zentrale an die Universität um.

Ein weiteres Gespräch Mitte Juni

Die Käufer des Geländes, die Brüder Pinchas und Samuel Schapira aus Israel, hatten angekündigt, sofort nach der Übernahme mit Abriss und Neubau beginnen zu wollen. Ein Zeitplan, der auch so schon ambitioniert genug ist, jetzt aber noch stärker in Frage steht. „Wir benötigen dreidimensionale Modelle, verschiedene Ansichten, Angaben zu den Laufwegen, zu Verkehrsfragen und vieles mehr“, erklärt Meyer. Ein verabredetes Treffen mit dem Entwickler kurz nach der Präsentation der Pläne sei geplatzt – nicht das erste Mal. Vor zwei Wochen habe seine Behörde die Unterlagen noch einmal angemahnt. Bisher ohne Erfolg. Im direkten Kontakt mit den Schapiras habe er immerhin feststellen können, dass der Wille weiterhin da ist, das Projekt anzugehen. Mitte Juni werde es ein weiteres Gespräch geben.

In Deutschland werden die Schapiras vom Planungs- und Beratungsunternehmen Assmann vertreten. Die Gruppe hat zehn Standorte in der Bundesrepublik und ist auch international tätig. Sie war mit einem ihrer Geschäftsführer dabei, als der New Yorker Architekt Daniel Libeskind in Bremen seine Entwürfe vorstellte, es gab auch eine Pressekonferenz. Schriftliche und telefonische Anfragen des WESER-KURIER blieben seitdem unbeantwortet. Assmann schweigt.

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Die vier Türme mit Höhen von knapp 60 bis zu 98 Metern waren auf ein geteiltes Echo gestoßen. Bei der Präsentation während einer nicht-öffentlichen Veranstaltung sind die Entwürfe von allen Teilnehmern, darunter Abgeordnete aller Fraktionen der Bremischen Bürgerschaft, mit Wohlwollen quittiert worden. Es gab zwar Bedenken und Einwände insbesondere wegen der Nutzung der Gebäude. So zogen die Diskussionsteilnehmer in Zweifel, ob es bei einer solchen Investition, die weit mehr als eine halbe Milliarde Euro betragen dürfte, gelingen kann, auf dem Areal Studentenwohnheime und öffentliche Einrichtungen unterzubringen. An der Architektur stieß sich aber niemand.

Harsche Worte von Architekturkritiker

Vehement gegen die Pläne ist Landesdenkmalpfleger Georg Skalecki. Er bezeichnet die Türme als „Horizontverschmutzung“. Man könne an der Stelle gerne spektakulär bauen, aber bestimmt nicht so hoch. Das Sparkassengelände liege wie ein großer Teil der Altstadt und sowieso der Dom auf der Bremer Düne. Ein Sakrileg, findet der Denkmalpfleger, im Dunstkreis des Weltkulturerbes Rathaus und Roland solche Hochhäuser zu bauen. Die Entwürfe erinnerten ihn an eine geschlossene Festung.

Ähnlich harsche Worte kommen von dem profilierten Architekturkritiker Eberhard Syring. Der Bremer Professor für Architekturtheorie und Baugeschichte und ehemaliger wissenschaftlicher Leiter des Bremer Zentrums für Baukultur kritisiert, dass der Entwurf von Libeskind „wenig bis nichts über das räumliche Gefüge und die Auswirkungen auf das Stadtbild aussagt, dafür aber auf emotionale Überwältigung durch Bilder setzt, unterlegt mit dem Nimbus des stararchitektonischen Geniestreichs“. Robert Bücking, baupolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion, stört sich an dem Verfahren und dem Druck, der vom Investor ausgeübt werde. „Mit Kurt Zech haben wir anderthalb Jahre um seine Innenstadtpläne gerungen, die Schapiras glauben jetzt offenbar, bei ihnen geht das mal eben so.“

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