Stadtmitte in Bremen

Neues Konzept für den Domshof

Das neue Konzept für den größten Platz in der Stadtmitte sieht unter anderem den Bau fester Buden vor, die ihre Lager im Bunker unter dem Domshof haben sollen.
06.05.2019, 05:45
Lesedauer: 4 Min
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Neues Konzept für den Domshof
Von Jürgen Hinrichs
Neues Konzept für den Domshof

In den vergangenen Jahren sind etliche Anläufe unternommen worden, um den Domshof attraktiver zu gestalten.

Frank Thomas Koch

Der Domshof, Bremens zentraler Platz, bekommt ein neues Gesicht. Geplant sind unter anderem feste Stände, ähnlich wie auf dem Viktualienmarkt in München. Versorgt werden sollen sie aus dem Bunker, der unter dem Domshof liegt. Das Vorhaben ist Teil eines umfangreichen Gesamtkonzepts, das die Wirtschaftsbehörde vorgelegt hat. Die Rede ist von einer „Neuprogrammierung“ des Platzes. Eine entsprechende Initiative der Anrainer war vor einem Jahr ins Leere gelaufen. In der Folge tagte beim Wirtschaftssenator regelmäßig eine Arbeitsgruppe. Jetzt liegen die Ergebnisse der Beratungen vor.

Der Domshof führt seit Jahrzehnten ein Schattendasein. Belebt ist er in der Regel nur an den Vormittagen, wenn der Markt stattfindet. Das soll sich nach dem Willen des Senats ändern. „Es gibt heute noch zu wenig Gründe für Besucher, auf dem Platz oder an seinen Rändern zu verweilen“, heißt es in dem Behördenpapier.

Ausgefranster Markt

Die Fassaden der Gebäude rund um den Platz seien teilweise zwar sehr ansprechend, gleichzeitig aber „introvertiert“. Sie orientierten sich nicht zum Domshof hin und böten kaum Möglichkeiten für eine Außengastronomie. Exemplarisch gilt das für das neue Gebäude der Bremer Landesbank, heute NordLB. Der in der internationalen Architekturwelt hochgelobte und bereits preisgekrönte Bau schottet sich förmlich ab. Die Chance, an der Stelle Arkaden und Platz für Cafés entstehen zu lassen, wurde vertan.

Ein Problem ist auch der Markt selbst. Wie der Viktualienmarkt findet er das ganze Jahr über an sechs Tagen in der Woche statt. Nach Darstellung der Wirtschaftsbehörde gibt es diesen Modus nur in wenigen Städten in Deutschland. Wochenmärkte stehen wegen des veränderten Konsumverhaltens der Kunden und des Schwunds bei den Anbietern unter Druck.

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Auf dem Domshof präsentiert sich der Markt sehr unterschiedlich. Die Dichte der Beschicker schwankt je nach Jahreszeit und Wochenverlauf. Vor allem im Winter und an den ersten Tagen der Woche gibt es nur wenige Stände, der Markt macht dann einen ausgefransten Eindruck. „Die vor drei Jahren festgelegte Art der Aufstellung und das Aufrücken der Stände, um Lücken zu vermeiden, funktioniert nicht immer“, stellt die Verwaltung fest. Sie strebt eine Neuausrichtung an. Ziel ist, so wörtlich, „der Erlebniseinkauf unter freiem Himmel in einer quirligen, lebendigen Atmosphäre“.

Dafür will der zuständige Großmarkt gleich an mehreren Stellschrauben drehen. Unter anderem wird überlegt, die Öffnungszeiten des Wochenmarktes, der künftig Domshofmarkt heißt, auszuweiten. In Gesprächen mit den Marktbeschickern soll über eine Verlängerung insbesondere an den besucherstarken Wochenenden verhandelt werden. Geprüft wird außerdem, beispielsweise für den Freitag ein zusätzliches Angebot zu schaffen. Das wäre ein Spät- oder Abendmarkt mit einer stärkeren gastronomischen Ausrichtung. Auch an der Qualität der Ware und des Angebots an Speisen und Getränken soll gefeilt werden. Das Stichwort lautet Regionalität – typische Bremer Produkte wie Tee, Kaffee, Reis, Senats-Marmelade, Bier und Wein.

Neue Verkehrsführung

Zum Konzept gehören ferner ein Reigen von Veranstaltungen, neue Möblierung, effektvolle Beleuchtung und eine veränderte Verkehrsführung. „Der stark befahrene Fahrradweg zur Bischofsnadel und die Zufahrt zur Tiefgarage der NordLB wirken als Barriere zwischen Platz und umgehender Bebauung“, erklären die Planer. Dies gelte grundsätzlich auch für die Anknüpfung an die Domshofpassage und an die Markthalle Acht auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes. Markt und Markthalle gehören eigentlich zusammen, werden aber vom steten Strom der Radfahrer getrennt.

Der Clou bei den Vorschlägen der Verwaltung sind die Buden. In München werden die festen Stände auf dem Viktualienmarkt „Markt-Häusl“ genannt. In dem Maße wie dort soll der Bremer Domshof zwar nicht bebaut werden – einzelne Stände, die dauerhaft stehen bleiben, könnte es aber geben. „Als Nukleus des Wochenmarktes wird aktuell in enger Abstimmung mit der Stadtplanung und der Denkmalpflege ein fester, jedoch reversibler Aufbau als Marktstände für Dauermieter in hoher Gestaltqualität geprüft“, heißt es ein wenig umständlich in der Vorlage der Behörde. Im riesigen Bunker unter der Erde könnten die Lebensmittel kühl gelagert werden, um sie bei Bedarf mit einem Lastenaufzug ans Tageslicht zu befördern.

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In den vergangenen Jahren sind etliche Anläufe unternommen worden, um den Domshof attraktiver zu gestalten. Der Großmarkt hat viel investiert, ist mit allen seinen Ideen aber erfolglos geblieben. Aus dieser Enttäuschung heraus hatten sich unter der Federführung des kürzlich verstorbenen Bürgerschaftspräsidenten Christian Weber (SPD) die Anrainer des Platzes zusammengetan, darunter die damalige Bremer Landesbank, die Domgemeinde, die Markthalle Acht und das Maklerunternehmen Robert C. Spies. Sie beauftragten einen Landschaftsarchitekten und präsentierten einen Plan zur Umgestaltung des Domshofes. Vorgesehen waren unter anderem am unteren Ende ein groß angelegtes Wasserspiel, lauter Sitzbänke rund um den Platz und am oberen Ende ein Buchenhain. Zum Verdruss der Akteure verschwanden die Vorschläge in der Versenkung. Bewegung gibt es erst jetzt wieder.

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