Unterwegs mit einem Pilzsachverständigen

Welche Pilze in Bremen und umzu wachsen

Simon Makhali weiß, was er tut, wenn er Pilze sucht: Er ist Pilzsachverständiger in Bremen. Pilze sammeln, sagt er, sei eine feine Sache. Aber nur, wenn man Ahnung hat.
27.09.2020, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Welche Pilze in Bremen und umzu wachsen
Von Silke Hellwig

Man könnte meinen, der Kinderbuch-Autor Michael Ende wäre konsultiert worden, als es darum ging, Pilze zu benennen: Rotbrauner Scheidenstreifling, Flockenstieliger Hexenröhrling, Spitzgebuckelter Raukopf, Violettgrüner Frauentäubling, Grauer Wulstling. Was nach blühender Fantasie klingt, ist tatsächlich eine präzise Beschreibung und damit eine Unterscheidungshilfe. Was flockenstielig heißt, ist am Stiel mit rötlichen Flocken überzogen. Der Raukopf-Hut hat eine feinschuppige, faserige Oberfläche.

Wenn Simon Makhali in die Pilze geht – manchmal allein, mal zu zweit, oft als Referent mit einer Gruppe Interessierter – hat er es meist auf Speisepilze abgesehen. An diesem sonnigen Frühherbstmorgen ist er nicht der einzige Sucher. Schon bei der Ankunft am Rande des kleinen Waldgebiets nahe Bremen spaziert ein Mann aus dem Wald, einen Beutel mit Pilzen in der Hand.

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Weitere Autos parken in der Nähe: alles Pilzsammler, vermutet Makhali. Er soll recht behalten: Gruppen und Paare durchstreifen den Wald rechts und links der Wege, den Blick fest auf den Boden geheftet. „Es gibt im Umland keine Stelle, die unter Sammlern nicht bekannt wäre“, sagt Makhali. Und wenn es sie gibt, behält man sich meist für sich.

Simon Makhali kennt sich mit Pilzen ausnehmend gut aus, anerkanntermaßen. Er ist Pilzsachverständiger. Er schaut sich in Zweifelsfällen Funde an, er wird zurate gezogen, wenn der Verdacht auf eine Vergiftung besteht. Makhali wirft Reste eines Pantherpilzes (giftig) in den Graben, die er von zu Hause mitgebracht hat. Er hatte sie begutachtet, weil die Eltern vermuteten, ihr Kind habe davon gegessen. Ein Fehlalarm.

Bereits Geringe Mengen können tödlich sein

Schon am Parkplatz wächst ein Pilz, von dem man tunlichst die Finger lassen sollte, sagt der Fachmann: ein Grüner Knollenblätterpilz. Der Verzehr geringer Mengen kann bereits tödlich enden. Entsprechend lautet die Faustformel fürs Pilzesammeln: Wenn man keine Ahnung hat, sollte man es sein lassen. Am besten man sammele einige Zeit mit einer erfahrenen Begleitung und eigene sich so nach und nach die nötigen Kenntnisse an, sagt Makhali. Selbstüberschätzung kann böse enden, mit Magenschmerzen, Leberschäden, auch auf der Intensivstation.

In diesem Jahr, stellt er fest, wachsen „viele Knollis, so viele habe ich lange nicht auf einmal gesehen“. Während diese Pilze unangetastet sind, wie es sich gehört, zeigt sich bald deutlich, dass schon andere Pilzsammler in diesem Revier unterwegs waren. Manche Pilze sind gepflückt und zurückgelassen worden, weil sie von Würmern befallen sind. Hier und da sieht man Schnittstellen von Steinpilzen oder Maronen.

Der Blick des Pilzsammlers ist konzentriert. Er streift unentwegt rechts und links am Wegesrand entlang, er scannt gewissermaßen die Umgebung. Makhalis Augen sind geübt. Immer und immer wieder hüpft er über den Graben, verschwindet ein, zwei Meter im Wald, um den Pilz zu begutachten, der ihm ins Auge gesprungen ist. Nicht jedes Exemplar ist es wert, in den Korb gelegt zu werden. Die einen sind „schon drüber“, zu alt, zu „aufgeschirmt“ und damit nicht mehr schmackhaft, andere von Würmern zerfressen.

Wie im Märchenwald

Auf seinem Weg durch den Forst trifft Simon Makhali auf Pfirsichtäublinge und Birkenporlinge, auf Kartoffelboviste und Hallimasche, auf Perl- und Birkenpilze, auf Hohlfuß- und Gallenröhrlinge, Stinkmorcheln, Fälblinge und Gelbe Graustieltäublinge. Die Fliegenpilze, so schön und so giftig, wachsen wie im Märchenwald. Obgleich man sie links liegen lassen muss, sei es gut, auf sie zu stoßen. Es sind, wie auch Mehlräslinge, „Steinpilzanzeiger“ – wo sie wachsen, gedeihen auch Steinpilze.

Obwohl der Sommer in diesem Jahr recht trocken war, lohne es sich, in die Pilze zu gehen, sagt der Fachmann. Der Tau, der sich dieser Tage über den Boden lege, fördere das Wachstum. Im Grunde könne man fast das gesamte Jahr über sammeln, selbst im Winter. Doch das ist Simon Makhalis Sache nicht. Zwar gehe er um des Sammelns, nicht um des Essens willen in die Pilze. Aber bei Kälte gehe er eher auf den Markt, um Zuchtpilze zu finden.

Weitere Informationen

Kontakt zum Pilzsachverständigen Simon Makhali, auch zur Vereinbarung von Terminen: simonmakhali@web.de, 0421 / 7926949

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