Handelskammer kritisiert Senatorin

Wall wird zur Premiumroute mit Einbahnstraße

Eine Fahrrad-Premiumroute durch die Innenstadt. Für fünf Millionen Euro wird die Straße Am Wall zur Einbahnstraße mit rotem Radweg. Handelskammer und City-Initiative kritisieren das.
20.06.2020, 05:04
Lesedauer: 4 Min
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Wall wird zur Premiumroute mit Einbahnstraße
Von Pascal Faltermann
Wall wird zur Premiumroute mit Einbahnstraße

Am Wall soll es wesentlich mehr Platz für Fahrräder und weniger für Autos geben.

Verkehrsbehörde

Ein Luxus-Fahrradweg für die Innenstadt. Die Straße Am Wall wird umgestaltet und zu einer Premiumroute umgebaut. Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) stellte dazu am Freitag die Pläne vor. Aus dem bisher zweispurigen Wall-Ring soll für fünf Millionen Euro eine Einbahnstraße werden, der jetzige Fahrstreifen zu den Wallanlagen hin werde dann komplett als Spur für den Radverkehr genutzt. Ein dazugehöriges Beteiligungsverfahren wird ab sofort gestartet. Die Maßnahme sorgt bei ADFC, BUND, Grünen und auch der CDU für positive Reaktionen. Handelskammer und City-Initiative kritisieren den Plan scharf.

Von der AOK-Kreuzung bis zur Kunsthalle kurz vorm Ostertor soll der Autoverkehr künftig auf einer Einbahnstraße rollen. Die Spur, die an den Wallanlagen liegt, wird zu einem breiten, rot gekennzeichneten Fahrradweg umgebaut. Eine Betonschwelle soll die Straßen abgrenzen. Damit erhält Bremen laut Behörde seinen ersten geschützten Fahrradweg. „Wir machen keine Pop-up-Bike-Lane, sondern gehen es gleich richtig an“, sagt Senatorin Schaefer.

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Dadurch werde die Erreichbarkeit des örtlichen Handels und der Innenstadt für den klimaneutralen Fahrrad- und Fußverkehr verbessert. „Wir schaffen eine schnelle und komfortable Radverbindung, sichern den Fußweg, erleichtern die Querung des Walls, erhalten dabei die Bäume und erhöhen die Aufenthaltsqualität“, sagt Maike Schaefer. Der Wall-Umbau habe in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit einer gesamten Investitionssumme von etwa fünf Millionen Euro zudem eine „konjunkturelle Wirkung“.

Laut Verkehrsressort werde das Bundesumweltministerium den Ausbau der Fahrradroute fördern, die als Ring um die Innenstadt herum verläuft. Die Förderung des Modellprojekts kommt aus dem Bundeswettbewerb „Klimaschutz durch Radverkehr“ im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative, bis zu 90 Prozent der förderfähigen Baukosten werden übernommen. Insgesamt seien so 3,8 Millionen Euro Bundesmittel eingeworben worden, die Gesamtkosten liegen bei etwa fünf Millionen Euro. Die Bremer Eigenmittel wurden bereits Anfang Mai von der Verkehrsdeputation freigegeben. Mit dem Umbau soll im Sommer 2021 begonnen werden, sodass das Projekt im Herbst 2022 fertiggestellt ist.

Verkehrsplaner sehen klare Vorteile

In der Behörde seien mehrere Varianten geprüft worden. Durch die Einbahnstraße in Richtung Altenwall sehen die Verkehrsplaner aber klare Vorteile. Dadurch komme es zu weniger Störungen an der AOK-Kreuzung und am Herdentor. Die Parkplätze der Geschäfte Am Wall sollen erhalten bleiben. Die Fahrrad-Premiumroute D 15 soll über die Innenstadt hinaus weiter bis nach Blumenthal führen. Die Strecke – auch der Wall – wurde im Jahr 2015 als eine von neun Radrouten im Verkehrsentwicklungsplan festgelegt.

Die Handelskammer Bremen lehnt die Einbahnstraße trotzdem entschieden ab. „Von einer derartigen Einschränkung des Verkehrs – gerade auch für Kunden aus dem Umland – war bei der bisherigen Diskussion über die Premium-Fahrradrouten nicht die Rede“, sagt Hauptgeschäftsführer Matthias Fonger. Als inakzeptabel wertet die Handelskammer, dass derart weitreichende Planungen im Vorfeld nicht mit der Wirtschaft besprochen wurden. „Wir werden nun in den Handelskammer-Gremien am kommenden Montag darüber diskutieren, ob angesichts dieser Vorgehensweise die Zusammenarbeit mit dem Bauressort in der bisherigen Form fortgesetzt werden soll“, so Fonger.

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„Der Plan ist nicht neu, aber es ist ein unglücklicher Zeitpunkt“, sagt Stefan Storch, stellvertretender Vorsitzender der City-Initiative und Geschäftsführer des Traditionsgeschäftes Rabe am Wall. Der Einzelhandel in der Innenstadt und besonders Am Wall sei durch die Corona-Krise wirtschaftlich erheblich belastet. Die Einbahnstraße und der „luxuriöse Fahrradweg“ führen seiner Meinung nach zu weiteren Nachteilen und seien nicht in ein Gesamtkonzept eingebettet. „Wir brauchen erst ein Ersatzangebot, bevor wir das Bestehende zurückbauen“, so Storch. Kunden aus dem Umland würden unter diesen Umständen nicht kommen.

Straßenzug wichtig für Pendlerströme

Der ADAC Weser-Ems hoffe laut Pressesprecher Nils Linge, dass man sich in der Verkehrsbehörde Gedanken über ein ganzheitliches Verkehrskonzept gemacht habe. „Es ist wichtig, zu schauen, wie sich die Verkehre von Fußgängern und Radfahrern bis hin zu Autofahrern bewegen“, so Linge. Mit der Einbahnstraße werde ein kompletter Straßenzug lahmgelegt, der für Pendlerströme wichtig sei. „Es ist gut, dass am Wall endlich etwas passieren soll, die Rückführung in die Einspurigkeit für Autofahrer ist der richtige Schritt in Richtung autofreie Innenstadt“, sagt CDU-Verkehrspolitiker Heiko Strohmann. Enttäuscht sei er darüber, dass nicht an die Fußgänger und Einzelhändler gedacht wurde.

„Der Wall und die Wallanlagen wären prädestiniert für eine wunderschöne Flaniermeile“, so Strohmann. „Jetzt blicken wir auf eine vertane Chance.“ „Wichtig ist nun, dass die bereits vorhandene Fahrrad-Premiumroute zur Universität sinnvoll mit der Wallring-Route verbunden wird“, sagt Ralph Saxe, Verkehrspolitiker der Grünen. Dabei gelte es insbesondere, die Engstelle an der Bischofsnadel für Radfah­rende und Fußgänger zu entschärfen.

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