Fahrradpläne nehmen Fahrt auf

Bremen strampelt sich ab

Beiräte, der ADFC und der BUND fordern eine rasche Umsetzung der Premium-Fahrradroute. Die Stadtbürgerschaft entscheidet Dienstag über künftige Planung von Protected Bike Lanes – geschützten Radspuren.
26.01.2020, 21:22
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Bremen strampelt sich ab
Von Justus Randt

Nur wenig bewegt Bremer so sehr wie die Verkehrspolitik. Wann kommt die angekündigte Wende, wie sieht sie aus? Tempo-30-Strecken zählen zu den Vorboten. Der Ausbau von Fahrradtrassen soll möglichst auf dem Fuße ­folgen. Mit einer entsprechenden Forderung an den Senat stehen die Beiräte Mitte, Öst­liche Vorstadt und Hemelingen hinter der ­Regierungskoalition – und machen nun Druck.

Bis Ende Mai soll die grüne Verkehrssenatorin Maike Schaefer einen Plan vorlegen, wann und wie welcher Abschnitt der lange geplanten Fahrradpremiumroute D.15 geschaffen wird, und den Bau des Teilstücks Innenstadt-Mahndorf in dieser Legislaturperiode umsetzen. Das Bauressort hat angekündigt, für seine Planpräsentation bis zur Sommerpause zu brauchen.

Route von Farge bis Achim geplant

Die Route soll zwischen Farge, der Innenstadt, Hemelingen und schließlich Achim auf niedersächsischem Gebiet verlaufen. Nach der Verbindung Universität-Innenstadt wäre diese die zweite von neun Premiumrouten. Längst ist klar, wie die Trasse auf dem ­Teilstück verlaufen und dass sie an der Karl-­Carstens-Brücke unter der Habenhauser Brückenstraße hindurchgeführt werden soll. Die Verkehrsdeputation hat 35.000 Euro für eine entsprechende Machbarkeitsstudie in diesem und im kommenden Jahr beschlossen. Ebenso ist Geld angefordert für die Planung neuer Fahrradbrücken in Mitte und Hemelingen.

Der Nachdruck, mit dem Fortschritte wenigstens im Bereich Osterdeich bis Hemelingen eingefordert werden, speist sich aus dem kürzlich gefassten Beschluss der drei Beiräte: Die Tempo-30-Regelung, die bisher nur Abschnitte des Osterdeichs betrifft, wird demnach auf die gesamte Strecke ausgeweitet. Eine Gelegenheit, auch die Premiumroute anzupacken. Das Geschwindigkeitslimit gälte dann freilich auch für Radler.

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„Das gibt uns Rückenwind”, sagt Ralph Saxe, der Verkehrsexperte der Grünen-Fraktion in der Bürgerschaft. „Wir hätten weiter sein können, aber das hängt vom Geld ab, und in der vergangenen Legislaturperiode sind wir mit unseren Plänen nicht immer auf Zustimmung gestoßen.“ Jeder Premiumrouten-Kilometer koste zwischen 300.000 und 500.000 Euro, schätzt er.

Dafür bietet der Ausbau konzeptgemäß weitgehende Kreuzungsfreiheit, was Wartezeiten verringert, und eine Mindestbreite von zwei Metern. Mit Blick auf Pedelecfahrer soll in der Stadt Tempo 25 möglich sein. Einschränkungen, das ist seit 2017 klar, sollen die Ausnahme bleiben. Das bedeutet laut Saxe, dass Engstellen am Osterdeich aufgeweitet werden müssen – auf Kosten der Autofahrbahnen, beispielsweise zwischen Altenwall und Theater-Parkhaus.

Mit dem rot-grün-roten Regierungsbündnis, das ist Programm, soll einiges einfacher sein in Sachen Radverkehrsausbau. Während die Premiumroute noch in der Warteschlange steckt, legen SPD, Grüne und Linke nach. Am Dienstag stimmt die Stadtbürgerschaft über diesen gemeinsamen Antrag ab: „Geschützte Fahrradwege in Bremen für mehr Komfort und Sicherheit schaffen.“

Trennung der Verkehrsteilnehmer

Auch abseits von Premiumstrecken sollen sicherheitshalber unterschiedliche Gruppen von Verkehrsteilnehmern räumlich voneinander getrennt werden. Das Ziel, weiß Saxe, verfolgten die Beiräte auch an der Weserpromenade, wo sich bisweilen Radfahrer mit Fußgängern und manchmal auch Hunden in die Quere kämen.

Andernorts könnten beispielsweise Poller Autofahrbahnen und sogenannte Protected Bike Lanes, geschützte Fahrradspuren, trennen. Zu den Favoriten der Antragsteller zählen dabei Martinistraße, Friedrich-Ebert-Straße, Parkallee und Neuenlander Straße. Der Senat, heißt es in der Beschlussempfehlung, möge Standorte ermitteln und „ein Konzept zur Durchführung und Finanzierung eines Probelaufs“ vorlegen.

An diesem Montagmorgen wollen der Allgemeine Deutsche Fahrradclub und der Umweltverband BUND die Fahrradfahne für die bremisch-niedersächsische Premiumroute gemeinsam hochhalten: Mit Vertretern des Bremer Amtes für Straßen und Verkehr und der Stadt Achim wollen sie sich zum „symbolischen Händeschütteln als Startschuss für einen länderübergreifenden Fahrradschnellweg“ an der Grenze zu Niedersachsen treffen und gemeinsam einen zügigen Baubeginn fordern.

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