Traditionsveranstaltung in Bremen Warum Senator Mäurer der Eiswette fern blieb

Innensenator Ulrich Mäurer hat am Sonnabend entschieden, nicht an der Eiswette teilzunehmen. Nach einem Gespräch mit Bürgermeisterin Karoline Linnert hat Mäurer seine Teilnahme abgesagt.
19.01.2019, 16:55
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Warum Senator Mäurer der Eiswette fern blieb
Von Marcel Auermann

Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) hat Sonnabendmorgen kurzfristig entschieden, nicht an der Eiswette teilzunehmen. Wie seine Pressesprecherin Rose Gerdts-Schiffler mitteilte, habe Mäurer am Morgen mit Bürgermeisterin Karoline Linnert (Grüne) gesprochen. Sie habe ihm versichert, dass sie sehr wohl als Vertretung für Bürgermeister Carsten Sieling (SPD), der zur Beerdigung des Danziger Bürgermeisters gereist war, an der Eiswette teilgenommen hätte. Daraufhin habe der Senator aus Protest seine Teilnahme an der Veranstaltung abgesagt. Wer den Senat vertrete, das schreibe nicht die Eiswette vor, sondern der Senat, sagte Gerdts-Schiffler. Die Veranstalter hatten entschieden, dass der Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) Carsten Sieling bei der Traditionsveranstaltung vertritt, weil er ein Mann ist.

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Die Senatoren Martin Günthner (SPD) und Joachim Lohse (Grüne) nahmen trotz der Kritik teil. "Es wird völlig zu Recht protestiert, diese Veranstaltung ist ein Anachronismus. Aber ich bin auch hier, um diese Diskussion in das Eiswettfest zu tragen. Auf Dauer wird es sich nicht als reine Männerveranstaltung halten", sagte Lohse dem WESER-KURIER.

Via Facebook schrieb Linnert: „Die Herren der Eiswette legen allergrößten Wert auf Etikette. Das Protokoll spielt dann aber plötzlich keine Rolle mehr, wenn – oh Schreck – die offizielle Vertretung des Bremer Bürgermeisters nun mal die Bremer Bürgermeisterin ist.“ Deutschland feiere 100 Jahre Frauenwahlrecht, die Eiswette halte es unter „dem Deckmäntelchen der Tradition“ noch immer für richtig, Frauen auszuschließen, ist auf dem Onlineportal zu lesen. „Dessen ungeachtet wünsche ich den Herren einen schönen Abend“, so die Bürgermeisterin weiter.

„Eine solche Tradition sollte im Jahr 2019 nur dann Platz haben, wenn auch Frauen daran teilnehmen. Dass unter den 800 geladenen Gästen keine einzige Frau dabei ist, geht gar nicht. Das ist ein Unding", findet Katharina Sonntag, Sprecherin der Grünen Landesarbeitsgemeinschaft Frauenpolitik. Durch den bewussten Ausschluss von Frauen verfestige sich die hohe Unterrepräsentanz von Frauen in diesen Bereichen. "Was für ein altertümliches Signal", sagte Sonntag.

Die Frauenbeauftragte Bettina Wilhelm hatte am Sonnabend im WESER-KURIER gesagt, dass als Vertretung von Sieling nicht Linnert eingeladen wurde, sei für sie ein Affront. Damit werde nicht nur Linnert als Frau, sondern auch ihr Amt missachtet. „Das ist schon demokratiefeindlich.“ Wilhelm war am Sonnabendnachmittag auch neben der SPD-Landesvorsitzenden Sascha Aulepp und weiteren Frauen vor das Kongresszentrum gekommen, um gegen den traditionellen Ausschluss von Frauen beim Eiswettfest zu protestieren.

„Der Senat hätte die Bürgermeisterin Karoline Linnert schicken sollen und ausprobieren, ob man sich traut, ihr den Zugang zu verweigern", meinte Claudia Bernhard, gleichstellungspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Bremischen Bürgerschaft. Bremens Ausstrahlung leide unter dieser offen zur Schau getragenen Frauendiskriminierung.

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