190. Bremer Eiswette

Ein Fest unter Freunden

2019 wird die Eiswette 190 Jahre alt. Dieses Fest unter Freunden wird an diesem Samstag von rund 350 Eiswett-Genossen und ihren auswärtigen Gästen gefeiert, also von rund 800 Herren.
19.01.2019, 13:30
Lesedauer: 2 Min
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Ein Fest unter Freunden
Von Sigrid Schuer

Schon gut eine Stunde vor dem offiziellen Beginn der 190. Eiswette um 14.45 Uhr war das Foyer vor dem Hansesaal im Congress Centrum Bremen sehr belebt. Nach und nach trudelten die rund 800 Teilnehmer zu einer der hochkarätigsten Traditionsveranstaltungen, die Bremen zu bieten hat, ein. Es ist im Selbstverständnis der Eiswett-Genossen ein Fest unter Freunden, das hier gefeiert wird. Und genauso gingen die rund 350 Eiswett-Genossen und ihre auswärtigen Gäste auch aufeinander zu. Viele kennen sich bereits und bei der Begrüßung gab es ein großes Hallo.

Bereits um 13.30 Uhr war in der Küche des Maritim Hotels das traditionelle Bremer Nationalgericht, Grünkohl mit Pinkel, von Mitgliedern des Präsidiums und ihren Damen abgeschmeckt worden: Küchenchef Marcel Thomas hat mit seiner 15-köpfige Küchenbrigade 400 Kilo Grünkohl gekocht, der von Zeremonienmeister Stefan Bellinger für exzellent befunden wird.

Um 14.15 empfing Eiswett-Präsident Patrick Wendisch die diesjährigen Ehrengäste, den Generalinspekteur der Bundeswehr a.D. Volker Wieker und den Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Börse Theodor Weimer sowie den Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz auf der Empore des Hansesaals. Theodor Weimer gab seiner Freude darüber Ausdruck, die Gästerede halten zu dürfen. Die Eiswette sei eine "wunderbare, heitere Tradition, die lebt". Es sei eine Ehre, eingeladen zu sein und eine große Freude, die Gästerede halten zu können.

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Eine Viertelstunde später, um 14.30 Uhr, öffneten sich die Türen zu dem festlich eingedeckten Saal. Zu Marschklängen zogen die Gäste ein. Die Herren, allesamt im Smoking, nahmen an den großen weißen Tischen Platz, den sogenannten „Eisschollen“. Der Tischälteste trägt jeweils Frack.

Gänsehautgefühl pur kam auf, als Eiswett-Präsident Patrick Wendisch gegen 15 Uhr zwei Glasen auf einer alten Schiffsglocke anschlug, für jeden im vergangenen Jahr verstorbenen Eiswett-Genossen ein Mal. Die Gäste im abgedunkelten Saal erhoben sich dann zu den Klängen des Marsches „Ich hatt' ein Kameraden“, um den Verstorbenen ihre Reverenz zu erweisen. „Sic transit gloria mundi“ - „Aller Glanz auf Erden ist vergänglich“ - kam ihnen in den Sinn.

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Anschließend wurde zur Fröhlichkeit des Festes unter Freunden mit dem Lied „Freut euch des Lebens“ zurückgekehrt und die Suppe wird serviert. Um 15.30 Uhr begann die Rede von Eiswett-Präsident Patrick Wendisch. Er nimmt Stellung gegen ein weit verbreitetes Wirtschaftsbashing und die aus seiner Sicht fatale Schwarze-Null-Politik der Finanzminister als Wirtschaftshemmnis.

Der neue Schatzmeister der Eiswette, IT-Experte Stefan Messerknecht, kritisiert, die Bundesregierung habe den flächendeckenden Ausbau des Internets verschlafen. "Wir befinden uns weltweit auf Platz 32." Das sei fatal und beflügele die anhaltende Landflucht.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung bracht der Generalinspekteur der Bundeswehr a.D. Volker Wieker in seiner Rede eine Lanze für die freie Presse als "einzig integere Instanz" im Zeitalter von Fake News. Wieker warnte vor dem "Herrschaftswissen" digitaler Konzerne. Dies sei eine zunehmende Bedrohung.

Im Anschluss werden die Eiswettgenossen und ihre Gäste die Nationalhymne anstimmen, bevor der Hauptgang, das Bremer Nationalgericht Kohl und Pinkel, serviert wird.

++ Dieser Artikel wurde um 18.20 Uhr aktualisiert ++

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