Ein Zeppelin für die City?

Bremen erfindet sich neu

In der Bremer Innenstadt werden gravierende bauliche Veränderungen geplant. In den kommenden Jahren sind Investitionen in Höhe von rund einer Milliarde Euro vorgesehen.
29.10.2018, 21:08
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Bremen erfindet sich neu
Von Jürgen Hinrichs
Bremen erfindet sich neu

Der Bremer Innenstadt zwischen Weser und Wallanlagen stehen große Veränderungen bevor.

Detmar Schmoll

Es ist ein regelrechtes Füllhorn, das in den kommenden Jahren für die Innenstadt ausgeschüttet wird. Investitionen von mehr als einer Milliarde Euro. Am Montag haben die vielen Projekte im Festsaal der Bürgerschaft einen gemeinsamen Rahmen bekommen. Als Grundlage dienten die Ergebnisse der sogenannten Ideenmeisterschaft, die private Investoren zusammen mit der Stadt im September veranstaltet haben.

„Die Stadt braucht mehr Drama!“, zitierte Bausenator Joachim Lohse (Grüne) eine der Aussagen von Fachleuten, die sich eine Woche lang den Kopf darüber zerbrochen haben, welchen Weg die City in den nächsten Jahrzehnten gehen sollte. Lohse nannte Attribute wie familiär und bürgerlich im Zusammenhang mit der sprichwörtlichen „guten Stube“ der Stadt. „Gleichzeitig ist das ästhetische Bild aber auch ein bisschen betulich und museal.“

Darauf bauen die Beiträge der Ideenmeister auf, die skizzenhaft vorgestellt wurde. Mehr Wohnen in der Innenstadt, mehr Genuss, Kultur und studentisches Leben. Gassen, Plätze, neue Freiräume. Spektakuläre Architektur. Ein Zeppelin, der dort startet, wo heute das Parkhaus Mitte steht. Kurzum: ein ganz neuer Mix, in einer weitgehend autofreien Innenstadt mit attraktiven Läden.

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Das ist die Folie, das Grundmuster. Doch wie steht es mit den aktuellen Projekten? Darüber sollte an dem Abend nicht gesprochen werden. Trotzdem steht und fällt mit diesen Vorhaben so manches, was die Fachleute sich ausgedacht haben. Der Überblick an dieser Stelle zeigt ein heterogenes Bild.

Nukleus der Innenstadtentwicklung und Mittelpunkt der Ideenmeisterschaft sind die Pläne des Bremer Unternehmers Kurt Zech für das Parkhaus Mitte, Karstadt, Kaufhof und die Lloyd-Passage. Zum Jahreswechsel hatte die Stadt entschieden, das Parkhaus direkt an Zech zu vergeben, seitdem laufen die Verhandlungen über die Kaufmodalitäten, zu denen nicht nur der Preis gehört.

Entscheidend vorangekommen sind Zech und die Stadt noch nicht. Zu tun hat das vor allem mit den Unwägbarkeiten im Zusammenhang mit der Kaufhof-Immobilie. Eigentümer ist die DIC Asset AG, ein börsennotiertes Unternehmen aus Frankfurt. Es hat früh Gesprächsbereitschaft signalisiert, doch solange nicht klar ist, ob es tatsächlich zu einer Fusion von Karstadt und Kaufhof kommt, die zurzeit kartellrechtlich geprüft wird, hängen die Pläne in der Luft.

Bauarbeiten laufen seit Monaten

Sollte das Haus von Kaufhof nicht für Veränderungen verfügbar sein, was bis zum Verkauf und Abriss alles bedeuten kann, darf das Parkhaus Mitte nicht wie geplant abgerissen werden. Der Grund: Kaufhof hat Parkplätze auf dem Dach, die allein über das Parkhaus Mitte erreichbar sind. Die Zuwegung ist rechtlich gesichert, man kann sie nicht einfach aufkündigen.

Zech plant eine City-Galerie mit neuen Wegen rund um die Llyod-Passage. Er würde dafür den Anbau des denkmalgeschützten Kar­stadtgebäudes abreißen, um die Lloyd-Passage an die Obernstraße anzubinden. Karstadt selbst würde innen vollkommen neu organisiert. Alles in allem entstünde ein neues Kraftzentrum, dem sich gleichsam als Satelliten zwei weitere Projekte angliedern würden. Sie werden so oder so kommen, auch ohne den Plan von Zech.

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Für das Bremer Carrée am Ansgarikirchhof laufen seit Monaten die Bauarbeiten. Der Geschäfts- und Bürokomplex wurde im vergangenen Jahr von der Allianz an den Hamburger Projektentwickler Quest Investment und einen Immobilienfonds verkauft. Der Fonds besitzt den Anteil, der bereits vermietet ist und wo unter anderem die Drogeriemarktkette Rossmann untergebracht ist. Quest lässt seine Hälfte sanieren. Als Hauptmieter einziehen werden im Laufe des kommenden Jahres der Modekonzern Appelrath-Cüpper auf einer Fläche von 2400 Quadratmetern und der Büroflächen-Anbieter Spaces, der fünf Etagen mit zusammen 3200 Quadratmetern belegen wird.

Schräg gegenüber und ebenfalls am Ansgarikirchhof sieht der Lloydhof einer neuen Entwicklung entgegen. Die Stadt hat den Komplex an das süddeutsche Unternehmen Denkmalneu verkauft, mit der Auflage, die Hülle des Gebäudes zu erhalten. Innen drin wird aber alles anders, der Investor will 33 Millionen Euro ausgeben und im kommenden Jahr mit den Arbeiten beginnen. Geplant ist eine Mischung aus Wohnen, Hotel, Gewerbe, Büro, Gastronomie und Sportangeboten. Denkmalneu hat einen Begriff dafür: Das Lebendige Haus. Realisiert ist dieses Konzept bereits in Dresden und seit Kurzem auch in der alten Hauptpost in Leipzig.

Die Vorhaben von Christian Jacobs

Nur ein paar Hundert Meter entfernt wartet das nächste Projekt auf seine Realisierung. Die Sparkasse zieht in zwei Jahren an die Uni und hat ihr Areal am Brill an die israelischen Schapira-Gruppe verkauft. Das Unternehmen will bis zu 300 Millionen Euro investieren. Stehen bleiben wird nur die historische Kassenhalle. Doch es gibt ein Problem: Schapira will mehr Bauvolumen schaffen, als bisher verabredet. Sollte es keine Einigung geben, kann der Investor vom Kaufvertrag zurücktreten.

Bleiben noch die Vorhaben von Christian Jacobs aus der Bremer Kaffeedynastie. Er hat das Stammhaus seiner Familie in der Obernstraße abreißen lassen und baut dort gerade ein neues Gebäude. In Verbindung mit der historischen Stadtwaage, dem benachbarten Essighaus und dem Kontorhaus in der Langenstraße will Jacobs das sogenannte Balgequartier schaffen.

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