Fahrradmodellquartier

Fahrradzone noch ohne Schilder

Die Gestaltung des Fahrradmodellquartiers befinden sich im Endspurt: Nur noch wenige Arbeiten an der Beschilderung und dem Repair-Café stehen aus.
20.09.2019, 16:28
Lesedauer: 3 Min
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Von Karin Mörtel
Fahrradzone noch ohne Schilder

„Frauen fürs Fahrrad“ (von links): Meike Jäckel, Planerin beim Amt für Straßen und Verkehr, Bonnie Fenton, Landesvorsitzende des ADFC Bremen, Annemarie Czichon, Ortsamtsleiterin Neustadt, Ulrike Mansfeld, Dekanin School of Architecture/Hochschule Bremen (HSB), Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne), Projekt-Initiatorin Steffie Kollmann von der HSB und Christiane Claus, Kanzlerin der HSB.

Roland Scheitz

Das neue blau-weiße Schild mit dem Schriftzug „Fahrradzone“ dürfen die Macherinnen und Unterstützerinnen des Fahrradmodellquartiers zwar zeigen, doch an den betreffenden Straßen rings um die Hochschulgebäude in der Alten Neustadt aufhängen dürfen sie das neuartige Verkehrszeichen noch nicht. So ist das mit Pilotprojekten, sie sind ihrer Zeit eben meist ein Stück voraus.

Nun heißt es also abwarten, bis das neue Schild und die damit verbundenen Verkehrsregeln auch im Bundesgesetz verankert sind. Vor dem kommenden Jahr ist damit allerdings nicht zu rechnen, sagt Michel Glotz-Richter, der in der Verkehrsbehörde für nachhaltige Mobilität verantwortlich ist.

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„Während der Projektantrag unter dem Motto ‚von der Fahrradstraße zur Fahrradzone‘ damals noch vom Bundesverkehrsministerium kritische Kommentare erhielt, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer nun die Fahrradzone als Verkehrszeichen angekündigt – ein toller Erfolg des Modellquartiers in Bremen“, bewertete Verkehrssenatorin Maike Schaefer (Grüne) am Donnerstag das Umdenken beim Bund.

Zone mit Strahlkraft

Im Rahmen der Europäischen Mobilitätswoche hat Schaefer zusammen mit Vertreterinnen der Hochschule Bremen, des Neustädter Ortsamtes, des ADFC und Bewohnern aus dem Stadtteil an einem Infospaziergang durch das Modellquartier teilgenommen.

Aus Sicht der Senatorin entwickele die Fahrradzone bereits vor ihrer offiziellen Eröffnung eine derartige Strahlkraft, „dass ich möchte, dass das Projekt bremenweit, aber auch bundesweit Schule macht“, so die Senatorin. Wie sich die Fahrradzone in der Praxis bewähren wird, wusste allerdings noch niemand der Anwesenden vorherzusagen.

Denn offiziell gilt die neue Regelung „erst dann als scharfgeschaltet, wenn auch die Schilder an allen Zugängen hängen“, erklärt Martin Stellmann. Der Sprecher des Amtes für Straßen und Verkehr weist darauf hin, dass die Fahrrad-Piktogramme, die derzeit auf den Straßen aufgetragen werden, allein nicht verbindlich, sondern nur unterstützend auf die neuen Verkehrsregeln hinweisen. Ende des Monats sollen es 63 sein. Etwa zur gleichen Zeit werden dann auch Schilder mit der Aufschrift Fahrradstraße an allen Zugängen zum Modellquartier aufgehängt. Behelfsmäßig, bis Fahrradzonen auch offiziell im Bundesrecht verankert sind. Fast schon symbolisch für die gewollten Veränderungen im Modellquartier wirkte ein SUV, der sich einen neuen Weg suchen musste, weil die große Fußgängergruppe auf ihrem Rundgang seinen Weg blockierte.

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Autos sind zwar weiterhin erlaubt, doch müssen sie künftig auf einige Privilegien verzichten. So dürfen Fahrradfahrer beispielsweise in Zukunft auch legal nebeneinander fahren – auch wenn Autofahrer dadurch nicht überholen können. Eine neue Spielstraße von der Kita am Neustadtswall bis hin zur Langemarckstraße drosselt zusätzlich die Geschwindigkeit von Verkehrsteilnehmern. Hochgepflasterte Abschnitte wie beispielsweise vor der Diskothek Modernes sowie der neue Campus-Platz zwischen Mensa und Hochschulgebäuden geben der Straße ein völlig verändertes Gesicht.

„Hier ist ein zentraler Verknüpfungspunkt zwischen Hochschule und dem Stadtteil entstanden“ freute sich Christiane Claus, Kanzlerin der Hochschule Bremen, über den neu entstanden Platz mit Bänken und Bäumen, der offiziell immer noch eine Straße ist.

Sichere Querungen

Im April 2016 hatte der Beirat Neustadt nach einer gemeinsamen Initiative des ADFC und der Hochschule Bremen einstimmig ein Fahrradmodellquartier gefordert. Daraufhin haben sich das Bauressort und die Hochschule Bremen in einem Wettbewerbsverfahren erfolgreich um Fördermittel im „Bundeswettbewerb Klimaschutz im Radverkehr“ der Nationalen Klimaschutzinitiative beworben.
Insgesamt wurden für die Umsetzung des Fahrradmodellquartiers 2,4 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Weiteres Geld kam von der Stadt Bremen und der Hochschule hinzu.

Besonders die neuen und sicheren Querungen für den Fuß- und Radverkehr über die Langemarckstraße sowie die Westerstraße hob Glotz-Richter als Sahnehäubchen hervor. „Damit wird die Fahrradzone besser mit den umliegenden Quartieren verknüpft – gleichzeitig erfüllen wir einen lang gehegten Wunsch des Neustädter Beirates.“ „Damit, dass wir die ordentlichen Überwege endlich bekommen haben, können wir auch vereinzelte Kritiker des Modellquartiers überzeugen“, so Ortsamtleiterin Annemarie Czichon.

Beim Repair-Café sind die Handwerker noch im vollen Einsatz. Auch die technischen Geräte sind dort noch nicht eingebaut. „Bis Ende September sind wir aber fertig“, zeigte sich die Dekanin der School of Architecture an der HSB, Ulrike Mansfeld, zuversichtlich. Und danach könne auch endlich die Eröffnung der ersten Fahrradzone in Deutschland gefeiert werden.

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