Bremer Schokoladenhersteller

Hachez-Gelände wird verkauft

Im April hatte es der Hachez-Geschäftsführer Christian Strasoldo schon angedeutet. Nun wird es konkret: Das Gelände des Schokoladenhersterstellers soll verkauft werden. Wer als möglicher Käufer gehandelt wird.
04.07.2019, 18:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Florian Schwiegershausen und Ulrike Troue

In diesen Tagen startet bei Hachez in der Neustadt die letzte Weihnachtsproduktion aus Bremen. Denn Anfang 2020 soll Schluss sein. Das könnte für den traditionsreichen Schokoladenhersteller auch das Ende in der Neustadt bedeuten. Denn der dänische Mutterkonzern Toms will das Gelände verkaufen. Hachez bestätigte dem WESER-KURIER, dass entsprechende Gespräche mit Interessenten geführt werden. Als heißer Kandidat für die mehr als 10.000 Quadratmeter große Fläche wird dabei Kurt Zech gehandelt. Das wollte bisher keine der beiden Seiten bestätigen.

Bei der konstituierenden Sitzung des Beirats Neustadt am Mittwochabend machte das Gerücht die Runde, dass das Gelände bereits längst an Kurt Zech verkauft sei. Auch ging es darum, inwiefern die Stadt ein Vorkaufsrecht hat. Das habe sie auf alle Fälle nicht, sagte Jens Tittmann, Sprecher des Bauressorts. Ebenso wenig habe es konkrete Gespräche seitens der Wirtschaftsförderung Bremen (WFB) über den Kauf des Geländes gegeben, wie WFB-Sprecherin Juliane Scholz sagte: „Dazu hat die WFB von der Stadt keinen konkreten Auftrag erhalten. Im Zuge des Produktionsendes von Hachez hat die WFB aber in engem Kontakt mit dem Unternehmen gestanden.“ Zumindest befindet sich das Gelände in einer Lage, die die verschiedensten Nutzungen zulassen würde.

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Bereits Anfang des Jahres hatte die Linke in der Bürgerschaft nach Möglichkeiten der künftigen Nutzung erkundigt – und wie der Senat „die Option“ bewerte, dass die Stadt das Grundstück kaufe. Außerdem wollten die Linken wissen, was baurechtlich zulässig sei. Damals hieß es von Bausenator Joachim Lohse (Grüne), dass die Stadt eine einvernehmliche Lösung anstrebe. Laut dem „Stadtbild- und Gewerbeplan“ aus dem Jahr 1954 sei auf dem Gelände Gewerbe erlaubt, von dem „keine erhebliche Belästigung“ ausgehe. Doch natürlich ist es auch für den Bau von Wohnungen geeignet. Außerdem könnte das Gelände der Hochschule Bremen neue Möglichkeiten eröffnen, wie sich deren Rektorin Karin Luckey bereits in der Vergangenheit geäußert hatte.

Nun ist die Linke mit in der Regierungsverantwortung. Der Linken-Fraktionssprecher Tim Ruland sagte: „Die Fraktion teilt weiterhin die Position, dass die Stadt das Hachez-Gelände ankaufen soll und unterstützt den dahingehenden Beschluss des Beirats Neustadt.“ Wenn das Gelände bereits verkauft sei, dann müsse ein Nutzungsplan im Einvernehmen mit Beirat und Initiativen entwickelt werden – wegen der zentralen Bedeutung für die Stadtentwicklung. Der Sprecher für Stadtentwicklung der Grünen-Fraktion, Robert Bücking, sagte: „Zuerst einmal arbeiten dort noch die Hachez-Mitarbeiter. Jedoch hat sich ein Verkauf des Geländes abgezeichnet. Nun sind wir selbst als diejenigen in der Regierungsverantwortung gefordert, um zu schauen, wie man diesen Prozess intensiv begleiten kann.“

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Hachez-Geschäftsführer Christian Strasoldo ließ bereits im April beim Gespräch mit dem WESER-KURIER durchblicken, dass für die verbleibenden 80 Mitarbeiter aus Vertrieb und Marketing der bisherige Standort nicht in Stein gemeißelt sei. Die CDU-Fraktion sieht in dem Verkauf eine Chance, die Neustadt weiter zu entwickeln. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Silvia Neumeyer sagte, was man sich wünschen würde: "Wir können uns dort eine Mischung aus Wohnbau und lärmarmen Gewerbe, zum Beispiel Handwerkerhöfe, sehr gut vorstellen. Für die Entwicklung und Diskussion konkreter Ideen sollten in jedem Fall die Menschen vor Ort frühzeitig informiert werden und zu Wort kommen, was sie sich für ihren Stadtteil wünschen.“

Sicher ist, dass nach derzeitigem Plan im Februar 2020 Schluss sein soll mit der Produktion in der Bremer Neustadt. Das bedeutet das Aus für mehr als 150 Mitarbeiter, die zum Teil seit mehr als 30 Jahren für das Unternehmen arbeiten. Hier verhandeln Geschäftsführung und Gewerkschaft bereits seit mehr als drei Monaten über Abfindungen und, inwiefern es zu einer Transfergesellschaft kommen soll, in der die betroffenen Mitarbeiter unterkommen und sich qualifizieren können. Nachdem man sich im April nicht einigen konnte, gingen die Verhandlungen in einer sogenannten Einigungsstelle weiter. Für diese Zeit hatten beide Verhandlungsparteien Stillschweigen vereinbart. Voraussichtlich im August soll die entsprechende Einigung unterschrieben werden.

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