Herbstserie

Bürgerpark Bremen: eine immergrüne Einladung

Ob stundenlange Spaziergänge oder eine kurze Stippvisite, ob zum Joggen oder Ausruhen: Der Bürgerpark ist ein Sinnbild für Naherholung. Er gehört bundesweit zu den größten innerstädtischen Parks.
25.09.2018, 20:25
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Bürgerpark Bremen: eine immergrüne Einladung
Von Silke Hellwig
Bürgerpark Bremen: eine immergrüne Einladung

Der Bürgerpark samt angrenzendem Stadtwald ist ein Läuferparadies, an jedem Tag der Woche und zu so gut wie jeder Uhrzeit begegnet man Sportlern.

Frank Thomas Koch

Mitten im Trubel des 21. Jahrhunderts Atem holen, allen Sinnen eine Pause vom Alltag gönnen, abseits von Beton und Stein, Steckdosen und WLAN-Verbindungen – der Bürgerpark ist eine immergrüne Einladung für Großstädter und ihre Besucher, die sich danach sehnen. Er ist der Inbegriff der Nah- und, wenn man es genau nimmt, der Näher- und Nächsterholung. Er gehört zu den größten innerstädtischen Parks bundesweit, mit Betonung auf innerstädtisch.

Selbst Kurzentschlossenen mit knappem Zeitbudget bietet er sich in seiner ganzen Fülle dar. Von der Innenstadt ist man zu Fuß in gut 20 Minuten, mit dem Rad in rund zehn Minuten am Stern und damit wenige Schritte vom Park entfernt. Dort hält auch die Straßenbahn, die vom Ausgangspunkt Domsheide ebenfalls zehn Minuten braucht. Busse fahren die Findorffer Seite an oder halten in Höhe des Meiereisees in Schwachhausen. Wer von außerhalb mit dem Zug kommt, braucht nur die Bürgerweide queren, dann ist er schon fast am Entree Parkhotel.

Nebelschwaden auf den Wiesen

Wer sich auf den Weg in den Bürgerpark macht, ob mal eben auf die Schnelle oder von langer Hand für mehrere Stunden geplant, wird üppig belohnt, Mal für Mal. Mit den Jahreszeiten kleidet sich der Park in neue Gewänder. Gerade bereitet er sich auf einen Höhepunkt des Garten- und Parkjahrs vor: Die Anlage mit ihrem großen Anteil an Laubbäumen lehrt, wie golden der Oktober sein kann.

Thema - Auszeit - Auszeit im Bürgerpark und Stadtwald

Die Anlage bietet sich als sogenannter außerschulischer Lernort an.

Foto: Frank Thomas Koch

Wer durch den Park wandelt oder radelt, sieht und riecht und spürt den Herbst. Kastanien, Eicheln und Bucheckern liegen auf den Wegen, sofern Kindergarten- oder Schülergruppen nicht kurz zuvor vorbeigekommen sind. Der Wind fährt rauschend in die Baumkronen und fegt das Laub über die Anlage. Am Morgen liegen Nebelschwaden auf den Wiesen.

York Golinski und Familie wohnen unweit des Bürgerparks. Er nehme dort regelmäßig eine Auszeit, sagt York Golinski. „Der Bürgerpark hat so viele Momente und Plätze, wo Ruhe ist und man die Natur genießen kann.“ Für ihn sei der Bürgerpark ebenfalls Ziel für „eine aktive Auszeit“, ob beim Laufen, auf dem Rad oder auch beim Yoga. Seine Kinder, sagt der Bremer, hätten den Bürgerpark in ihrer Vorschulzeit noch intensiver „für vielfältige Unternehmungen“ genutzt. Ihr Kindergarten lag eine Straße vom Park entfernt.

Lesen Sie auch

Ganz still ist es im Park im Grunde nie, die Natur spielt nach ihrer eigenen Partitur, an- und abschwellend, unregelmäßig, im Herbst bei tüchtigem Wind auch schon mal furchterregend. Bei Sturm ist der Park zu meiden, manche Bäume sind 150 Jahre alt und anfällig. Wer vollkommene Einsamkeit sucht, ist eher falsch im eigentlichen Bürgerpark, dazu wird er zu sehr geliebt und frequentiert. Ganz für sich ist man selten, trotz der rund 31,5 Kilometer langen Fußwege, vor allem an seinem südwestlichen, der Innenstadt zugewandtem Teil. Es sei denn, es regnet in Strömen. Der angrenzende Stadtwald ist weniger belebt, insbesondere an Wochen- und Vormittagen.

Bei der Anlage des Parks hat der Gartenarchitekt Wilhelm Benque (1814 - 1895) ganze Arbeit geleistet. Die Natur wird seit gut 150 Jahren nach seinen Plänen von Menschenhand gezähmt. Der Volksgarten wurde bewusst vielfältig angelegt, am Hollersee dominiert abgezirkelte Ordnung, weiter im Inneren gibt es verschlungene Wege und malerisch gebogene Wasserläufe, über die sich Weiden beugen. Der Park wird von Straßen und der Bahnlinie gerahmt, die zentralen Wege von architektonischen Kleinoden, meist aus dem 19. Jahrhundert – ob in Form von Bänken, Denkmälern, Brücken oder Gebäuden.

Kurze Pause im Bürgerpark

Der Blick aufs Wasser und über die Sichtachsen von Parkhotel bis Meierei, sagt Parkdirektor Tim Großmann, böten sich an, um Augen und Gedanken wandern zu lassen. Aber auch eine Fahrt mit der „Marie“ könne er nur empfehlen. Das nach historischem Vorbild gebaute Fahrgastschiff dreht gemächlich seine Runden – im nächsten Jahr wieder. In dieser Saison wird es laut Großmann nicht mehr in den Meiereisee stechen, wegen der anhaltenden Dürre ist der Wasserstand zu niedrig.

„Wenn man nicht die ganze Zeit mit seinem Handy herumhantiert und die Marie nicht komplett ausgebucht ist, ist die Fahrt eine besondere Form der Entschleunigung. Man muss die Selbstbestimmung abgeben, man kann weder Route noch Tempo beeinflussen.“ Die eigene Aktivität beschränke sich darauf, den Park von der Wasserseite aus in sich aufzunehmen. „Das ist ein ganz anderes Erleben des Bürgerparks.“

Lesen Sie auch

Auch in den Spätsommer- und Frühherbsttagen sind viele der unzähligen Bänke besetzt. Oft steht das Fahrrad direkt daneben, wie das von Khan Wahidullah. Er verbringe so gut wie täglich seine kurze Pause im Bürgerpark, auf dem Weg vom Sprachkurs zur Arbeit. Die Bremer sind hart im Nehmen", sagt Großmann.

Sofern auf die Sitzplätze die Sonne fällt, seien sie auch im Herbst und Winter von warm eingepackten Parkbesuchern besetzt. Manche kämen ganz offensichtlich in der Mittagspause, "die packen dann ihre Brotdosen aus", andere setzen sich, um in Ruhe zu schnacken oder zu lesen. Dazu zählten beispielsweise auch Polizeibeamte des sogenannten Eichhörnchen-Reviers an der Parkallee.

Thema - Auszeit - Auszeit im Bürgerpark und Stadtwald

Khan Wahidullah macht auf dem Weg von der Sprachschule zur Arbeit eine kurze Pause im Park.

Foto: Frank Thomas Koch

Schüler der Wilhelm-Kaisen-Oberschule trödeln mit Rucksäcken bepackt einen Weg entlang. In der prächtigen Lindenallee im Stadtwald sind Läufer unterwegs, viele auf dem Weg von und zur Finnbahn. Der Bürgerpark ist ein Paradies für Läufer. Man trifft sie an jedem Tag in der Woche, zu fast jeder Uhrzeit. Es sind Frauen und Männer, Alte und Junge, Langsame und Schnelle.

Bremens Hauptattraktion

Wer Kinder hat, trifft andere Familien auf den Spielplätzen, auf dem Minigolfplatz, am Tiergehege oder beim Rudern auf dem Emmasee. Wer Zeit hat, kommt zum Mittagessen oder zu Kaffee und Kuchen im Emma am See zusammen, in der Meierei, im Waldschlösschen oder auch im Parkhotel. Während der Park sommers, im Besonderen am Wochenende, wie ein Bienenkorb brummt, kommt er im Oktober zur Ruhe. Die Läufer bleiben, die Spaziergänger, die Radfahrer, die Gassigeher.

Wird es knackig kalt, fällt einmal so lange und so viel Schnee, dass er länger bleibt, wirkt der Bürgerpark, als habe jemand dort Winter-Werbewochen angeordnet. Bei klirrender Kälte sind Bäume, Gräser und Sträucher mit Raureif überzogen, reihen sich Eiszapfen an den Dächern der Gebäude auf, in denen sich die Sonne bricht. Es ist, als ginge man in einem üppigen Bildband spazieren.

Es gibt diese Tage, vor allem in einem bitterkalten Winter, da kann der Park – Rathaus, Marktplatz, Weser, Stadtmusikanten hin oder her – selbstbewusst in Anspruch nehmen, Bremens Hauptattraktion zu sein. Dann ist er von unwirklicher Schönheit, ganz so, als hätte Hollywood einen Roman von Jane Austen verfilmt und aus Versehen die Kulissen in Bremen vergessen. Nur der Schnee, der ist echt.

Info

Zur Sache

Mehr als 150 Jahre Tradition

Als Ort der Entspannung hat der Bürgerpark eine Tradition, die bereits länger als 150 Jahre währt. Er erstreckt sich (mit Stadtwald) über eine Fläche von mehr als 200 Hektar. Anders als andere Parks ähnlicher Größe finanziert er sich allein aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen, Stiftungserträgen und der Tombola. Geöffnet ist er an 365 Tagen im Jahr, ab 22.30 Uhr soll er nur noch durchquert werden. Die Hauptverbindungsachsen sind beleuchtet. Ein Teil der Aktivitäten – wie Bootfahren und Minigolfspielen – ist auf die Frühjahrs- und Sommermonate beschränkt. Tiergehege und Gastronomie sind ganzjährig geöffnet, der Veranstaltungskalender erstreckt sich ebenfalls über Herbst und Winter (mehr unter www.buergerpark.de)

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+