Grundschule Baumschulenweg Die Mauern brechen ein

Die Abrissarbeiten an der Grundschule am Baumschulenweg sind in vollem Gang. Noch ein paar Wochen werden die Bagger rollen. Dann wird neu gebaut. Unterrichtet wird derweil in Containern – und mit neuem Konzept.
17.02.2020, 06:04
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Maren Brandstätter

Es wurde allerhöchste Zeit – das hat Lars Beulke gemerkt, als er mit seinen Kollegen die Klassenzimmer der Grundschule am Baumschulenweg für den bevorstehenden Abriss leergeräumt hat. Hinter einer abmontierten Tafel sei ein rund zehn Zentimeter breiter Riss zum Vorschein gekommen, erzählt der Schulleiter. Dass die Mauern der Schule an diversen Stellen Risse gebildet haben, sei in den vergangenen Jahren zwar keine Seltenheit gewesen. „Aber der breite Riss hinter der Tafel hat uns doch ziemlich erschreckt“, sagt Beulke. „Da hat sich das ganze Ausmaß der Schäden erst richtig gezeigt.“

Inzwischen sind die Abrissarbeiten in vollem Gange. Noch etwa drei bis vier Wochen lang werden die Bagger auf dem Schulgelände im Einsatz sein. Am Ende wird nur noch etwa ein Viertel des Schulgebäudes stehen. Besagter Trakt lasse sich noch sanieren, hatten Sachverständige seinerzeit festgestellt. Der übrige Teil der Schule muss neu gebaut werden. Derzeit rechnet man im Bildungsressort damit, dass die Schule im November 2021 wieder bezugsfertig ist, teilt Sprecherin Annette Kemp mit. Veranschlagt ist das Bauprojekt insgesamt mit 13,8 Millionen Euro.

Für die Grundschüler bedeutet die Baustelle vor allem eines: „Spannung“, erzählt Beulke. „Die Kinder finden das toll – es ist für sie wie Kino.“ Auch der Umzug in die Container-Klassenräume habe gut geklappt. Den Begriff Container hätten die Schüler dabei nicht als Makel wahrgenommen, sagt der Schulleiter. „Für die Kinder sind es einfach nur neue, helle Räume.“ Und auch das Kollegium sei schnell zu der Erkenntnis gelangt, dass sich hinter der nüchternen Fassade durchaus passable Räumlichkeiten befinden, erzählt Beulke. Der zweiwöchige Umzug allerdings sei für die Lehrerschaft eine ziemliche Belastung gewesen, schließlich habe er viele Stunden zusätzliche Arbeit bedeutet. „Andererseits gab uns der Umzug auch Gelegenheit, mal richtig auszumisten und uns neu zu strukturieren“, sagt der Schulleiter. Denn auch im Unterrichtskonzept der Schule stünden Veränderungen an. Um den Schülern der insgesamt 16 Klassen eine gewisse Überschaubarkeit zu erhalten, wollen die Lehrer sogenannte Cluster-Einheiten schaffen. Gemeint sind Kooperationen von jeweils zwei ersten und dritten Klassen sowie zwei zweiten und vierten Jahrgängen. Geplant ist im Zuge dessen auch eine direkte räumliche Nähe der jeweiligen Cluster-Klassen zueinander, um die Vernetzung der Kollegen und das Arbeiten mit Schüler-Paten zu ermöglichen. Und genau diese räumliche Nähe haben Beulke und seine Kollegen in den Containern jetzt schon hergestellt. „Die künftigen Cluster-Klassen sind seit dem Umzug gemeinsam auf demselben Gang untergebracht“, erklärt er.

Der einzige Nachteil, den die Abrissarbeiten laut Beulke bislang mit sich gebracht haben, ist weniger Platz auf dem Schulhof – und mehr Matsch. „Es mussten im Vorfeld mehrere Flächen entsiegelt werden“, erklärt der Schulleiter die Schlammbildung. Inwieweit Gegenmaßnahmen getroffen werden können, müsse in der kommenden Woche geklärt werden. Fürs erste haben die Lehrer Umziehzonen an den Eingangstüren eingerichtet, in denen sich die Kinder ihrer dreckigen Schuhe entledigen. Um das reduzierte Platzangebot auf dem Pausenhof wieder wettzumachen, wollen die Lehrer während der Bauphase häufiger mit den Kindern in die Sporthalle gehen, stellt Beulke in Aussicht.

Nicht nur die Schüler, auch Hühner, Bienen und das Gemüse haben zurzeit weniger Platz als vorher auf dem Schulgelände. „Der Schulgarten ist im Grunde platt gemacht worden“, erzählt der Schulleiter. Ein kleiner Teil für die „Gartenklasse“ sei deshalb notdürftig neben dem Übergangsgehege für die Hühner abgesteckt worden. Die Bienen indes sind laut Beulke für die komplette Dauer der Bauzeit ausquartiert worden – sie stehen jetzt beim Verein Kinder Wald und Wiese im nahegelegenen Kleingartengebiet. Für die Schulküche, in der täglich 400 Mahlzeiten gekocht werden, ist die reduzierte Gemüseproduktion kein Problem, sagt der Schulleiter. Das meiste Gemüse werde ohnehin am schuleigenen Stand auf dem Wochenmarkt verkauft und lande nicht in den Töpfen der Schulküche – dafür reiche die Ernte nicht aus. Auch das vierköpfige Küchenteam arbeitet bis zur Neubaueinweihung in einem Container. „Dieser Umzug war eine unserer größten Herausforderungen“, erzählt Beulke. Inzwischen habe sich allerdings gezeigt, dass alle damit verbundenen Sorgen unnötig gewesen seien. „Die Essensversorgung klappt sogar deutlich besser als gedacht.“

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+