Stadtteil-Check Schwachhausen "Hier gibt es wirklich alles vor der Haustür"

Im Wachmannstraßen-Quartier in Schwachhausen lebt Christoph Blöcher seit 2006. Vieles liebt er an seinem "Kiez". Doch beim Thema Verkehr wünscht er sich große Veränderungen.
10.09.2022, 05:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Maren Brandstätter

Einen der prägenden Orte seines Stadtteils hat Christoph Blöcher in den vergangenen Wochen noch einmal ganz neu schätzen gelernt: den Bürgerpark. Angesichts der anhaltenden Hitze sei er mit seiner Frau überdurchschnittlich häufig zum Unisee geradelt. „Da war es eine Wohltat, im Schutz der Bäume durch den Park zu fahren“, erzählt er. Und bei diesen Gelegenheiten habe er erst so richtig wahrgenommen, wie schön, vielseitig und gut besucht der Bürgerpark eigentlich sei.

Dass Blöcher mit seiner Familie 2006 aus dem benachbarten Horn-Lehe nach Schwachhausen gezogen ist, hat der gebürtige Hesse bis heute nicht bereut. „Wir wollten etwas näher an der Innenstadt wohnen“, erklärt er. Doch so weit müsse er gar nicht fahren, um die Dinge des täglichen Lebens zu bekommen – schließlich wohne er im Wachmannstraßen-Quartier. „Bis auf einen Baumarkt und einen Fischhändler gibt es hier wirklich alles vor der Haustür“, sagt er. Und frischen Fisch, den bekomme man ja zumindest mittwochs und sonnabends auf dem Wochenmarkt am Benqueplatz.

Mehrere kleine Zentren

Außerhalb der Marktzeiten gibt der Benqueplatz zu Blöchers Bedauern bislang ein weit weniger attraktives Bild ab. „Genaugenommen wird er hauptsächlich als Parkplatz genutzt“, sagt der 71-Jährige. Dabei habe er eigentlich das Potenzial, ein Ort zum Verweilen und für Begegnung zu sein. Der Verein Die Wachmannstraße, dessen Vorstand Blöcher angehört, habe zu diesem Zweck seinerzeit eine Bank auf dem Platz aufgestellt, aber der gewünschte Effekt habe sich bislang nicht eingestellt. Der Verein sei nach wie vor an dem Thema Aufwertung dran, sagt Blöcher. Möglicherweise ändere sich der Charakter des Platzes, wenn er häufiger als Kulisse für kleine Veranstaltungen diene. Man werde sehen.

Wenn er nach dem Zentrum Schwachhausens gefragt wird, fällt Blöcher freilich als erstes „sein Kiez“ – die Wachmannstraße – ein. Aber nicht nur sie. „Unser Stadtteil hat mehrere kleine Zentren, und das ist auch völlig in Ordnung so“, findet der pensionierte Personalchef. Der Emmaplatz gehöre unbedingt dazu, ebenso wie die Schwachhauser Heerstraße in Höhe der Kirchbachstraße. Was der Wachmannstraße als Flaniermeile besonders gut tue, seien die Linien 6 und 8. „Die haben den Durchgangsverkehr stark ausgebremst“, sagt er. „Deshalb haben wir eine vergleichsweise lebendige Außengastronomie.“

Hoher Parkdruck im Quartier

Beim Thema Schwachhausen und der Verkehr hofft Blöcher perspektivisch auf eine große Lösung – ein bisschen klingt er dabei allerdings, als hoffe er auf ein großes Wunder. „Der Parkdruck im Stadtteil ist irre“, sagt er. „Es gibt einfach zu viele Autos für den vorhandenen Parkraum.“ Ob das geplante Bewohnerparken die ersehnte Entspannung bringe, daran zweifle er noch etwas  – „aber ich hoffe es natürlich sehr“. Seiner Wahrnehmung nach sind der ÖPNV und Carsharing-Angebote bei vielen Schwachhausern nicht als Alternative zum eigenen Auto akzeptiert. „Wenn man etwas zu transportieren hat, ist es auch sicherlich umständlicher als mit dem eigenen Auto“, sagt er. Andererseits habe man ohnehin selten die Gelegenheit, den Wagen unmittelbar in Wohnungsnähe abstellen zu können. „Wer abends einen Parkplatz findet, der unter 100 Metern entfernt ist, kann sich wirklich glücklich schätzen.“

Was Blöcher in Schwachhausen ein wenig fehlt, sind Grünflächen mit Aufenthaltsqualität. „Wir haben zwar viele Bäume, aber nur wenige Parkanlagen“, sagt er. „Daran lässt sich leider auch nicht viel ändern, weil schlicht die Flächen fehlen.“ Auch die soziale Durchmischung funktioniere im Stadtteil nicht überall gleichermaßen gut. Das liege an den Mietpreisen, die in einigen Quartieren – die Wachmannstraße inbegriffen – unwahrscheinlich hoch seien. „Trotzdem sind die Wohnungen heiß begehrt und in der Regel schon wieder vergeben, bevor sie überhaupt inseriert wurden.“

Engagiert für die Wachmannstraße

Als Christoph Blöcher vor rund zehn Jahren in den Ruhestand ging, stand für ihn fest, dass er sich ehrenamtlich im Stadtteil einbringt. Weil er die Wachmannstraße so schön fand, fiel seine Wahl einige Zeit später auf den gleichnamigen Verein. Das Geheimnis des gedeihlichen Miteinanders sei, dass dort Anwohner und Gewerbetreibende gleichermaßen vertreten seien. „So werden bei Entscheidungen immer beide Seiten mit ihren Bedürfnissen berücksichtigt“, betont er. Aktuell zähle der Verein rund 110 Mitglieder, zehn davon bildeten den Vorstand. Ein Großteil der ehrenamtlichen Arbeit fließe in die Vorbereitung des Candlelight-Shoppings und des Wachmannstraßen-Festes. Darüber hinaus investiere der Verein seinen überschaubaren Jahresetat von rund 10.000 Euro in Anschaffungen wie Bänke, eine Geschwindigkeitsmesstafel und einen zusätzlichen Reinigungsdienst. In absehbarer Zeit müsse sich der Vorstand zudem möglicherweise dem Thema Werbung widmen, sagt Blöcher. „Wie alle Vereine brauchen wir Nachwuchs – und den müssen wir auf uns aufmerksam machen.“

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