Grohner Düne und Bahnhof Erstmals Böllerverbot im Bremer Norden

Für die Feuerwehr dürfte es an Silvester in Bremen-Nord ruhiger werden, als in den vergangenen Jahren. Der Senat hat für einige Teile Vegesacks ein Feuerwerksverbot verhängt.
17.12.2020, 06:00
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Erstmals Böllerverbot im Bremer Norden
Von Patricia Brandt

Private Feuerwerke an Silvester werden in der Region massiv eingedämmt. Jetzt hat der Senat erstmals auch eine Verbotszone für Bremen-Nord festgelegt. Sie umfasst den Vegesacker Bahnhofsplatz bis zur Alten Hafenstraße einschließlich der Grohner Düne sowie die Fußgängerzone. Das Land Niedersachsen hat ein komplettes Feuerwerksverbot ausgesprochen. In den Umlandgemeinden wie Schwanewede und Lemwerder wird es also ein leiserer Jahreswechsel, als bisher gewohnt.

Die Feuerwehrkräfte dürften angesichts dieser Entscheidung aufatmen, hatten sie doch vergangenes Silvester insbesondere in der Grohner Düne alle Hände voll zu tun. „Wir waren ab 21 Uhr bis morgens um vier Uhr nonstop unterwegs", sagt Thomas Böhland, Leiter der Feuerwache 6 in Aumund.

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Nach den Unterlagen des Sprechers der Bremer Feuerwehr, Michael Richartz, verteilten sich Brände über das ganze Stadtgebiet, doch wurden seine Kollegen in der Silvesternacht zu allein sieben Einsätzen zu dem Gebäudekomplex an der Hermann-Fortmann-Straße gerufen. „Es handelte sich um zwei Mülltonnenbrände und fünf Wohnungsbrände“, sagt Richartz. Bei dreien davon sei es zu keiner nennenswerten Brandausbreitung gekommen. Zwei Balkonbrände in der Grohner Düne jedoch hatten einen größeren Umfang.

„Wenn zwei Balkone gleichzeitig brennen, bekommen wir schnell Kapazitätsprobleme, weil man nicht weiß, wie sich die Brände entwickeln. Deswegen gehen wir immer mit großem Kräfteeinsatz heran. Aber wenn die Einsatzkräfte erst von der anderen Seite der Lesum kommen müssen, sind die relativ lang unterwegs. Das ist schlecht.“

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Wie schnell eine Rakete einen Wohnungsbrand auslösen kann, erklärt der Brandschutzabschnittsleiter aus Aumund. „Silvesterraketen werden sehr heiß“, sagt Thomas Böhland. Auf dem Balkon gelagerte Dinge fingen schnell Feuer. „Infolge der thermischen Überbelastung platzen die Fensterscheiben.“ Anders als hitzebeständiges Jenaer Glas könnte Thermoglas der Hitzeentwicklung nicht standhalten. „Und dann treten Flammen und Rauch ins Gebäude ein“, führt Böhland aus. In einigen Fällen käme es sogar ohne Fensterbruch zum Wohnungsbrand: „Die Wärme geht durch die Glasscheibe durch. Es reicht, wenn leicht entflammbare Materialien hinter der Scheibe liegen. Ein Blatt Papier würde sich entzünden.“

Lagerung auf Balkonen ein Problem

Balkonbrände können Menschenleben aber schon deshalb gefährden, weil es dauere, bis Hilfe da sei. Die Gebäude der Grohner Düne sind nach Angaben der Eigentümerin zwischen fünf und 15 Stockwerken hoch. Laut Feuerwehr reicht die Drehleiter, wenn sie schräg steht, nur bis zu einer Höhe von 23 Metern. Die Häuser der Grohner Düne seien höher. Es sei für die Einsatzkräfte mühsam, sich mit schwerem Atemschutzgerät, Schlauchpaket, Wärmebildkamera und nicht zuletzt einer Feuerwehraxt in die höheren Geschosse vor zu arbeiten. „Das ist körperlich sehr anstrengend und es dauert fünf Minuten, bis die Einsatzkräfte oben sind“, so Böhland.

Nach den Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr hatten Anwohner mit Blick auf den nahenden Jahreswechsel bereits beim Quartiersmanager angeregt, das Silvesterfeuerwerk in der Grohner Düne zu verbieten oder zumindest einzuschränken. Schon vor der Entscheidung des Senats, die Grohner Düne zu einer Feuerwerksverbotszone zu erklären, sind Behörden und Vermieterin tätig geworden. Wie der Abteilungsleiter der Polizei Nord-West, Michael Steines, sagte, sehen Feuerwehr und Polizei ein Problem darin, das einige Mieter Sachen auf ihren Balkonen lagern. Dies, glauben Einsatzkräfte, könne damit zu tun haben, dass die Eigentümerin aus Gründen der Kriminalitätsprävention sämtliche Kellerräume nicht mehr vermiete.

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Bereits seit 2015 werden GCP zufolge alle Wohnungen nur noch ohne Kellerabteil vermietet. „Ich sehe hier also keinen kausalen Zusammenhang mit letztem Silvester. Beinahe alle Wohnungen in der Grohner Düne haben Einbauschränke oder sogar separate Abstellkammern in den Wohnungen“, sagte GCP-Sprecherin Katrin Petersen. Sie weist zudem daraufhin, dass Balkone zur Mietsache gehören. "Wenn Mieter Brandlasten zum Beispiel im Treppenhaus abstellen, dann hat der Vermieter für die Entsorgung zu sorgen. Aber auf seinem Balkon hat der Mieter ein Besitzrecht. Da kann er sich im Grunde frei entfalten.“

Dennoch hat Grand City Property bereits Anfang des Monats versucht, Einfluss zu nehmen: „Wir haben an die Mieter geschrieben in Bezug auf Silvester, dass, wenn ein Brand auf dem Balkon auftritt, der entstehende Schaden durch den Mieter behoben werden muss.“ Wie hoch der im vergangenen Jahr entstandene Schaden war, sagte Petersen nicht.

Bitte um Rücksicht auf Tiere

Zudem seien Aushänge geplant gewesen, mit denen die Hausverwaltung um verstärkte Rücksicht auf junge und alte Bewohner und auch auf die Haustiere gebeten hätte. „Der Innenhof der Grohner Düne wirkt durch seine Architektur wie ein Schallverstärker“, sagt Katrin Petersen.

Außerdem hätte die Eigentümerin den eigenen Wachschutz über Silvester erhöht. „Es muss aber auch von anderer Stelle in den Stadtteil hinein kommuniziert werden, dass kein Böller-Tourismus zur Grohner Düne stattfinden darf. Wenn man schon Wochen vor Silvester darüber spricht, wie schön laut es im Innenhof der Düne knallt, kommen einige vielleicht erst auf die Idee, hierher zu kommen“, forderte die Unternehmenssprecherin. Mit der nun angekündigten Verbotszone für die Grohner Düne ist dieses Thema vom Tisch.

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