Parkmöglichkeiten an Nordbremer Bahnhöfen Ziel: Mit dem Fahrrad zum Bahnhof

Ob mit dem Bus, dem Rag, per Auto oder zu Fuß: Es gibt mehrere Möglichkeiten die Regio-S-Bahn-Linie 1 zu erreichen. Doch wenn es nach dem Senat geht, sollen künftig weniger Pendler auf das Pkw zurückgreifen.
12.01.2021, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald

Vegesack. Mehr Abstellflächen für Autos in Bahnhofsnähe: Diese Forderung ist von Nordbremer Kommunalpolitikern wiederholt gestellt worden. Sie dürfte beim Senat zwar nicht auf taube Ohren, wohl aber auf Ablehnung stoßen. Das jedenfalls lassen die Antworten der Landesregierung auf einen Fragenkatalog der FDP-Bürgerschaftsfraktion vermuten.

Nicht die Zahl der Parkplätze für Pkw, wohl aber die für Fahrräder soll erhöht werden, heißt es in der Mitteilung der Landesregierung. Diese Maßnahme reduziert nach Ansicht des Bremer Senats im Zusammenspiel mit einem wohnungsnahen öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) die CO2-Belastung der Luft und diene damit dem Klimaschutz.

Die rot-grün-rote Koalition im kleinsten Bundesland macht in der Antwort auf das 21 Einzelfragen umfassende Ersuchen der FDP-Bürgerschaftsfraktion deutlich, dass sie nicht das Park-and-ride-Angebot für Automobilisten im Stadtgebiet fördern, sondern den ÖPNV in Kombination mit dem Fahrradverkehr (Bike-and-ride) weiter entwickeln will. Deshalb müssten mehr Abstellflächen für Zweiräder geschaffen werden. Auch um gut ausgelastete Autoparkplätze wie beim Burger Bahnhof zu entlasten.

Als Beleg für diese Zielsetzung dient dem Senat unter anderem eine Untersuchung der Erasmus-Universität Rotterdam. Danach verstärken Park-and-ride-Anlagen den motorisierten Individualverkehr. Ohne sie, so die Verfasser der Studie, würden die meisten Befragten den Weg zum Bahnhof mit dem Bus oder dem Fahrrad zurücklegen. Zu ähnlichen Ergebnissen kommen nach Aussage der Landesregierung auch andere Studien. Deshalb sei die Reduzierung von Kohlenstoffdioxid, das einen Anteil von rund 60 Prozent am zunehmenden Treibhauseffekt hat, insbesondere durch die Verbesserung der Bike-and-ride-Angebote zu erreichen.

Knapp 1000 Park-and-ride-Plätze

Auf dem gerade mal 17 Kilometer langen Schienenstrang zwischen Farge und Burg gibt es insgesamt zwölf Haltepunkte mit knapp 1000 Park-and-ride-Plätzen. Die Verkehrsmanagement-Zentrale Bremen (VZB) listet sie für folgende Stationen auf: Farge (26), Blumenthal (29), Vegesack (103), Schönebeck (190), St. Magnus (75), Lesum (168) und Burg (260). Hinzu kommen 38 Parkplätze beim Bahnhof Beckedorf/Klinikum Bremen-Nord sowie etwa 50 am Aumunder Bahnhof. Darüber hinaus sind einige Plätze für Bürger mit Behinderung ausgewiesen. Keine Stellflächen werden an den Haltepunkten Turnerstraße, Kreinsloger und Mühlenstraße in Blumenthal vorgehalten. Dort lassen Pendler ihre Fahrzeuge am Straßenrand stehen.

Keine konkrete Antwort hat der Senat auf die Frage, wie stark die Park-and-ride-Stationen im kleinsten Bundesland und darüber hinaus im niedersächsischen Umland frequentiert werden. Grund: Es gibt keine automatischen Erfassungsgeräte. Im Mai vergangenen Jahres hatte Jens Tittmann, Sprecher der Senatorin für Klimaschutz, Umwelt, Mobilität, Stadtentwicklung und Wohnungsbau, Maike Schaefer (Grüne), gegenüber unserer Zeitung von einer unterschiedlichen Auslastung gesprochen. So würden die Stellflächen in Farge und Blumenthal gut, in Beckedorf und beim Bahnhof Aumund dagegen nur mäßig angenommen.

Als mäßig bis gut stuft die Verkehrsabteilung der senatorischen Behörde auch das Interesse der Autofahrer am Parkplatz beim Bahnhof Vegesack ein. Er wird privat betrieben und ist deshalb als Einziger zwischen Farge und Burg gebührenpflichtig. Für eine Tageskarte sind 2,20 Euro zu entrichten, die Monatskarte kostet 28 Euro. Im Vegesacker Beirat gibt es Überlegungen, die Kapazitäten am Bahnhof durch den Bau eines Parkhauses zu erweitern, das allerdings umstritten ist. Die Diskussion dürfte erneut aufflammen, wenn das Thema „Umgestaltung des Vegesacker Bahnhofsplatzes“ wieder auf der Tagesordnung steht.

Gut angenommen wird laut Tittmann das Parkangebot am Haltepunkt Schönebeck und sehr gut sogar beim Bahnhof Lesum. Dagegen sei der Parkplatz am Bahnhof St. Magnus nur mäßig ausgelastet. Burglesums Ortsamtsleiter Florian Boehlke erinnert in diesem Zusammenhang an einen Beiratsbeschluss aus dem Jahr 2018, die Abstellfläche um 31 Plätze zu erweitern und besser zu beleuchten.

Die meisten Parkplätze an den Haltepunkten der Bahnstrecke in Bremen-Nord hält der Bahnhof Burg vor. Und sie sind bei den Pendlern begehrt. Nach einer Befragung reisen rund 60 Prozent von ihnen aus dem Stadtgebiet an. Das Verkehrsressort verweist auf eine Auslastung der Abstellfläche von rund 90 Prozent. Oft finden die Autofahrer vor allem in den Morgenstunden keinen freien Platz mehr. Burglesums Kommunalpolitiker haben deshalb wiederholt auf die Möglichkeit hingewiesen, das Parkhaus um eine weitere Etage auszubauen. In dem Fall, so Ortsamtsleiter Florian Boehlke, könnten im Untergeschoss auch zusätzliche Abstellplätze für Fahrräder geschaffen werden.

Behörde dämpft Hoffnungen

Die Bremer Verkehrsbehörde dämpfte allerdings im Mai vergangenen Jahres die Hoffnungen auf zusätzliche Autoparkplätze am Bahnhof Burg. Und diese Haltung schlägt sich auch in der aktuellen Mitteilung auf die FDP-Anfrage nieder. Darin heißt es wörtlich: Ziel ist es nicht, den P+R (Park and ride) auf Bremer Stadtgebiet zu fördern, sondern den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und Radverkehr in der Kombination B+R (Bike and ride) zu entwickeln.

Entlang des Schienenstrangs zwischen Farge und Burg können Radfahrer ihre Räder auf rund 800 überdachten beziehungsweise frei stehenden Plätzen abstellen, bevor sie in den Zug steigen. Fahrradständer und -boxen bieten die Bahnhöfe Farge (40), Kreinsloger (40), Blumenthal (72), Klinikum Bremen-Nord (56), Aumund (40), Vegesack (148), Schönebeck (56), St. Magnus (48), Lesum (140) und Burg (154) an. Zusätzliche Bike-and-ride-Plätze hält die Landesregierung zwar für erforderlich, nicht aber aktuell. Diesem Thema, so heißt es in der Senatsmitteilung, werde man sich verstärkt widmen, wenn der Nahverkehrsplan 2023-2027 auf der Tagesordnung steht.

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