Coronavirus

Sommer ohne Sause

Bis zum 31. August dürfen bundesweit keine Großveranstaltungen stattfinden, darauf haben sich Bund und Länder verständigt. Dennoch schöpfen manche Organisatoren Hoffnung für ihre Events 2020 im Bremer Norden.
17.04.2020, 06:09
Lesedauer: 3 Min
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Sommer ohne Sause
Von Aljoscha-Marcello Dohme
Sommer ohne Sause

In diesem Jahr fällt das Festival Maritim wegen der Corona-Krise aus.

Christian Kosak

Bremen-Nord. Die Entscheidung von Bund und Ländern, grundsätzlich alle Großveranstaltungen zum Schutz vor dem Coronavirus bis zum 31. August zu untersagen, hat auch weitreichende Folgen für Konzerte und Feste im Bremer Norden. Allerdings legen die Organisatoren die Vorgaben unterschiedlich aus.

Daniela Woosmann, Geschäftsführerin des Braunschweiger Veranstaltungsbüros Paulis, erwartet bei der Open-Air-Oper Nabucco am 30. August am Vegesacker Hafen zwischen 800 und 900 Zuschauer und hofft, dass die Veranstaltung trotz der Corona-Krise stattfinden kann. „Die Aufführung ist eine kleinere Veranstaltung und nicht mit den großen Musikfestivals zu vergleichen“, sagt Woosmann. Sollte der Senat entscheiden, dass auch Veranstaltungen dieser Größenordnung abgesagt werden müssen, habe sie Verständnis dafür. „Die Gesundheit geht vor. Falls es in diesem Jahr mit dem Open Air am Vegesacker Hafen nicht klappt, kommen wir eben im nächsten Jahr“, sagt die Geschäftsführerin. Bereits gekaufte Eintrittskarten würden in diesem Fall ihre Gültigkeit behalten und könnten 2021 eingesetzt werden.

Welche Veranstaltungen als Großveranstaltungen gelten und welche nicht, steht aktuell noch nicht fest. „Eine genaue Grenze zwischen Veranstaltungen und Großveranstaltungen haben die Ministerpräsidenten am Mittwoch nicht gezogen“, sagt Christian Dohle, Sprecher des Senats. „Das wird jetzt in der Umsetzung der Beschlüsse geschehen.“

Die genaue Anzahl, ab wie vielen Besuchern eine Veranstaltung als Großveranstaltung gewertet wird, bestimme der Senat. „Es kann aber sehr gut sein, dass es auf Fachebene dazu noch eine Verständigung der Bundesländer gibt. Unterschiedliche Regelungen in den einzelnen Bundesländern sollen wenn irgendwie möglich vermieden werden“, sagt Dohle.

In jedem Fall seien Konzerte, egal mit vielen Zuschauern, bis zum 4. Mai untersagt. „Ob sie danach erlaubt werden, wenn sie keine Großveranstaltung sind, wird innerhalb der kommenden zwei Wochen entschieden. Das hängt maßgeblich vom Infektionsgeschehen bis dahin ab“, so der Senatssprecher.

Genau auf diese Entscheidung wartet die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen als Veranstalter des Sommers in Lesmona. „Wir müssen abwarten, wie der Bremer Senat die Richtlinien und Maßnahmen für das Bundesland Bremen gestaltet, erst dann lässt sich prüfen, ob und wie der diesjährige Sommer in Lesmona realisiert werden kann“, sagt Andrea Katzmarczyk, Sprecherin der Kammerphilharmonie. Deshalb würden die Vorbereitungen nach wie vor weiterlaufen.

Anders ist die Lage beim Vegesack Marketing. Dort wurden sofort alle Veranstaltungen bis zum 31. August abgesagt. Das betrifft den Vegesacker Kindertag, das Vegesacker Matjesfest und das Festival Maritim. „Unsere Events ziehen viele Menschen an und sind damit definitiv Großveranstaltungen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Helms. Die Termine auf einen späteren Zeitpunkt in diesem Jahr zu verschieben sei keine Option. „Wir schauen nach einer Perspektive für das Jahr 2021“, sagt Helms.

Dass die Veranstaltungen in diesem Jahr nicht stattfinden können, bezeichnet er dennoch als schade für die Menschen. „Das Festival Maritim hat eine große Fan-Gemeinde, nicht nur in Bremen und dem Umland, sondern in ganz Deutschland. Aber jeder wird für diese Entscheidung Verständnis haben. Die Gesundheit geht vor“, sagt Geschäftsführer Helms. „Wenn es das Virus zulässt, freuen wir uns auf das erste Augustwochenende 2021 und ein Festival Maritim, wie wir es seit mehr als 20 Jahren kennen.“

Die Organisatoren des Vegesacker Hafenfestes haben genauso entschieden und die Veranstaltung noch am Mittwochabend abgesagt. „Da zurzeit überhaupt noch nicht absehbar ist, wie die Entwicklung sein wird, kann auch kein alternativer Termin geplant werden. Ab Herbst werden wir am Vegesacker Hafenfest 2021 arbeiten, das hoffentlich unter einem besseren Stern steht“, schreiben die Veranstalter in den Sozialen Medien.

Ob der Loggermarkt im Mai und im September stattfinden kann, steht hingegen noch nicht fest. „Wir müssen erst die Verordnung vom Land Bremen für Flohmärkte und größere Märkte abwarten“, heißt es vom Großmarkt, der den Loggermarkt organisiert.

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Verkaufsoffener Sonntag

Eigentlich sollte parallel zum Vegesacker Kindertag am 3. Mai ein verkaufsoffener Sonntag stattfinden. Auch wenn Geschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern ab nächster Woche wieder öffnen dürfen, werden die Türen der Vegesacker Geschäfte am 3. Mai trotzdem geschlossen bleiben. „Verkaufsoffene Sonntage werden anlassgebunden genehmigt. Da der Vegesacker Kindertag als Anlass nun wegfällt, müssen wir auch den verkaufsoffenen Sonntag absagen“, sagt Wolfgang Helms, Geschäftsführer des Vegesack Marketing. Ihm schwebt deshalb vor, den Termin zum Weihnachtsgeschäft nachzuholen. „Das wäre für den Handel sehr wichtig. Eventuell könnten auch mehrere verkaufsoffene Sonntage ohne konkreten Anlass genehmigt werden. Das wäre dann eine Art Wirtschaftsförderung wie damals bei der Abwrackprämie“, sagt Helms. Damit es keinen Einkaufstourismus gibt, müsse eine bundesweite Lösung gefunden werden. Deshalb habe er bereits mit verschiedenen regionalen und überregionalen Verbänden Gespräche geführt, um die Idee umzusetzen.

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