Festival Maritim in Vegesack Der Dreimaster dient als Band-Unterkunft

Das „Schulschiff Deutschland“ wird von knapp 60 Musikern während des Festivals Maritim als stilechte Herberge genutzt. Nach den Auftritten geht es an Bord mitunter munter weiter.
01.08.2019, 10:21
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum

Vegesack. Das Schulschiff Deutschland dient während des Internationalen Festivals Maritim von Freitag bis Sonntag, 2. bis 4. August, nicht nur als Bühne, sondern auch als Herberge. „Das Vegesack Marketing bucht jedes Jahr das ganze Schiff. In diesem Jahr sind die 30 Doppelkabinen mit 56 Gästen belegt“, sagt Claus Jäger, Vorsitzender des Deutschen Schulschiffvereins. „Die Leute kriegen bei uns Übernachtung und Frühstück. Wir haben inzwischen sogar einen ausgebildeten Koch, der für all unsere Übernachtungsgäste sorgt, sofern mehr als zehn an Bord sind oder die Kapitäns-Suite vermietet ist.“

Bei einigen Musikern ist der 92 Jahre alte Dreimaster im Herzen Vegesacks trotz der eher spartanischen Ausstattung als zünftige Unterkunft durchaus begehrt. Die Kosten für die Beherbergung der Solokünstler und Bands übernimmt das Vegesack Marketing. "Der Schulschiffverein erhält für die Übernachtungsgäste jeweils einen Pauschalpreis. Das ist ein spezielles Arrangement mit einem Festival-Abschlag“, erklärt Jäger.

Wer an Bord nächtigt, bestimmt das Vegesack Marketing. „Das wird von uns frei entschieden, wie es gerade kommt.“ Normalerweise würden aber eher die jüngeren Künstler auf dem Schulschiff untergebracht, sagt Fritz Rapp, Projektleiter vom Vegesack Marketing. Es gebe aber auch Musiker, die wiederholt an Bord seien, weil sie Fans sind.

Nur die Kapitänssuite bleibt stets frei. „Die ist für andere Gäste als Unterkunft noch zu haben. Wer also die Wohltat eines vollen Schiffes mit Musik bis spät in die Nacht haben will, kann kommen“, sagt Jäger verschmitzt. Es herrsche mitunter Remmidemmi „bis in die Morgenstunden“. Zuweilen gebe es auch Anlieger, die sich über die nächtliche Ruhestörung beschweren.

Tatsächlich herrscht während des Festivals Ausnahmezustand an Bord. Generell erhalten Übernachtungsgäste einen Schlüssel und können zurückkommen, wann sie wollen. "Beim Festival Maritim sitzen die Chöre und Bands aber danach oft noch zusammen und feiern eine Runde“, erzählt Jäger. Viele Musiker seien schon mehrfach auf dem Rahsegler zu Gast gewesen. „Wir haben Bands, die immer wieder da sind. Ich erinnere mich besonders gern an eine holländische Gruppe. Das war eine bunte, lustige Gesellschaft.“

Andere Gäste hätten beim Feiern auch mal über die Stränge geschlagen, räumt Jäger ein. „Die haben dem Alkohol mehr zugesprochen, als den Leuten zuträglich war und dann über die Bordwand...“ In der Regel seien die Gäste aber vernünftig. Im Übrigen habe der Wachgänger – in diesem Jahr ist das Herbert Küster – ein Auge auf das Geschehen und sorge bei Bedarf für Ordnung. Der Wachhabende wisse auch, wer tatsächlich auf dem Schiff logiere. Jäger: „Da kann sich keiner an Bord schummeln. Das ist zwar während des Festivals eine besondere Herausforderung, aber wir vertrauen der Kompetenz unseres Wachgängers.“

Nach einem langen Abend die Treppen unter Deck zu meistern und die Schlafkoje zu erklimmen, sei natürlich nicht so einfach, weiß Jäger. Kompliziert gestalte sich nach all der Feierei auch ein nächtlicher Gang zur Toilette. Und zwangsläufig werde manchen Gästen nach einem feucht-fröhlichen Fest auch ohne Seegang übel. „Aber das Risiko muss man eingehen. Dafür ist das Schiff voll belegt, und es herrscht eine positive Stimmung“, betont der 75-Jährige.

Während einige Gäste noch mit dem Vorabend zu kämpfen haben oder schlicht erschöpft sind, kommt morgens um sechs Uhr ein Team an Bord, um das Frühstück vorzubereiten. Die beiden Frühaufsteher decken die Tische in der Messe, die für 60 Gäste Platz bietet. Normalerweise sei das Frühstückszeit auf einen Zeitraum zwischen 8 und 10 Uhr befristet, „aber auch in diesem Punkt wird während des Festivals Nachsicht geübt“, sagt Jäger und lacht.

Die Langschläfer haben am Sonnabend gut Chancen: Auf dem Schulschiff startet das Programm an diesem Tag erst um 15 Uhr mit der Formation „Alpcologne“. Am Sonntag singt der Seemanns-Chor Vegesack dagegen schon ab 11 Uhr auf dem Rahsegler. Dann werden alle Gäste früher wach. Insgesamt gastieren in diesem Jahr zwölf Gruppen an Bord.

„Ich bin immer beim Festival Maritim“, sagt Claus Jäger und ergänzt: „Ich mag am liebsten irische und britische Shantys, die tatsächlich während der harten Arbeit an Bord gesungen wurden.“ In diesem Jahr möchte der Vereinsvorsitzende vielleicht mal mit den Übernachtungsgästen anstoßen. „Einen Absacker an Bord zu trinken, das wäre mal was Neues.“

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