Bürgerschaftswahl Die Reaktionen der Nordbremer Politiker nach der Wahl

Während die Nordbremer CDU-Politiker am Wahlabend jubelten, machte sich bei der SPD Enttäuschung breit.
27.05.2019, 07:57
Lesedauer: 3 Min
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Von Patricia Brandt und Michael Brandt

Die Nordbremer CDU wird am Wahlabend von einer Welle der Euphorie getragen. Rainer Bensch, Bettina Hornhues und Silvia Neumeyer haben sich wie rund 400 weitere CDU-Politiker in der Markthalle 8 am Domshof versammelt. Auch zahlreiche Beiratspolitiker sind hier. Als die erste Prognose über den Bildschirm flimmert, gelten die ersten Worte des Nordbremer Kreisvorsitzenden Rainer Bensch dem bisherigen Landesvorsitzenden, der vor wenigen Tagen verstorben ist: „Jörg Kastendiek hat die Grundlage dafür gelegt, dass wir eine Siegchance haben.“

Bensch schlägt gleich Pflöcke ein. „Wir haben einen klipp und klaren Regierungsauftrag für Jamaica.“ Kurz nach 18 Uhr ist also für ihn klar, dass CDU, Grüne und FDP an einen Tisch gehören und ihre Möglichkeiten ausloten sollten. Der Nordbremer Kreisvorsitzende ist auch überzeugt: „Wir kriegen das hin.“

Wie viele Nordbremer Abgeordnete die CDU stellen wird, ist noch offen. Bettina Hornhues und Silvia Neumeyer setzen darauf, dass es wenigstens vier sein werden. Die Burglesumerin Bettina Hornhues, die bereits Bundestagsabgeordnete war, kündigt an: „Wir müssen mit einer Stimme für Bremen-Nord einstehen.“ Dazu müsse zählen, die Anbindung des Nordens zu verbessen, die Schulen nicht abzuhängen und das Arbeitsplatzdefizit zu beheben. Die Stimmung jedenfalls ist am Abend auch bei Silvia Neumeyer prächtig: „Ich bin seit 40 Jahren Parteimitglied, diese Situation ist einmalig. Ich bin überglücklich.“

In der Ständigen Vertretung, wo die SPD den Wahlabend verbringt, ist kein Durchkommen. Schulter an Schulter stehen die Sozialdemokraten zusammen und sehen der ersten Prognose entgegen. Es ist heiß und stickig, Bierhumpen werden herumgereicht. Die Nordbremer Bürgerschaftsabgeordnete Heike Sprehe (Listenplatz 22) verfolgt das Geschehen auf dem Monitor.

Ganz in der Nähe stehen die Lesumer Genossen Kevin Lenkeit (Listenplatz 15) und Ortsamtsleiter Florian Boelke und warten auf Ergebnisse. Lenkeit ist fest überzeugt, dass seine Partei das Thema Innere Sicherheit zu sehr hat links liegen lassen: „Das sind die Themen, wegen der die Menschen auch zu uns ins Bundestagsbüro kommen.“ Rot-Rot-Grün sei das, was die Partei anstreben müsse, sagt er bereits vor der 18-Uhr-Prognose.

Mit unbewegter Miene steht Bildungssenatorin Claudia Bogedan wenig später, flankiert von Ehemann und Sprecherin, vor der Tür der Gaststätte. „Wie soll die Stimmung sein? Nicht gut“, sagt die Bildungssenatorin, die ihren Wohnsitz vor einiger Zeit nach Bremen-Nord verlegt hat. Die Umfrageergebnisse der letzten Wochen hätten es schon vermuten lassen, dass es knapp für die SPD werden könne.

„Schade“, sagt drinnen Heike Sprehe. „Aber noch ist alles offen.“ Die Nordbremer wollen sich nicht geschlagen geben. Besonders gute Miene macht der Blumenthaler Elombo Bolayela, Listenplatz 45. Man sieht ihm nicht an, dass er noch bis nachts um drei für die Partei in den Bremer Diskotheken geworben hat: „Ich habe in Bremen-Nord so viel Wahlkampf gemacht, ich bin überzeugt, das eine Rot-Rot-Grüne Koalition kommt. Ich kann mir Bremen nicht anders vorstellen.“

Applaus brandet auf, als Noch-Bürgermeister Carsten Sieling das Lokal betritt. Er beschwört die Genossen abzuwarten. „Wir hoffen, dass es noch Verbesserungen gibt.“ Noch mehr Applaus für Sieling.

„Die SPD hat die Quittung dafür bekommen, dass sie die soziale Infrastruktur vernachlässigt hat. Wenn man sich die Jugendfreizeitheime anguckt, wenn man sich die Kita-Situation anguckt – würde ich sagen, das gilt auch für Bremen-Nord“, sagt die Nordbremer Linkspolitikerin Maja Tegeler, die mit Listenplatz 9 gute Chancen hat, erstmals in die Bremische Bürgerschaft einzuziehen.

Bei den Grünen ist der Jubel so laut, dass die Nordbremer Grüne Ilona Osterkamp-Weber (Listenplatz 12) das Lokal mit ihrem Telefon verlassen muss, um etwas zu verstehen. „Ich bin total glücklich über das Ergebnis. 18 Prozent. Wir hoffen, dass es noch nach oben geht“, so die Leiterin eines Altenpflegeheims. Ob sie erstmals ins Parlament gewählt werde, kann das Mitglied des Nordbremer Kreisvorstands am Sonntagabend dennoch noch nicht sagen. Rainer W. Buchholz ist Kreisvorsitzender der Nordbremer FDP und freut sich am frühen Sonntagabend zunächst, dass seine Partei wieder in Fraktionsstärke in die Bürgerschaft einzieht. „Die Prognosen um fünf Prozent haben uns zuletzt verunsichert. Aber unsere solide Arbeit ist belohnt worden.“ Rainer W. Buchholz war von seiner Partei nur auf Platz acht gesetzt – er geht deshalb am Sonntag davon aus, dass er zwar in einer Deputation vertreten sein wird, nicht aber im Parlament. Die Rückmeldungen an den Wahlkampfständen lassen Buchholz allerdings hoffen, dass die Liberalen in allen drei Nordbremer Beiräten vertreten sein werden.

Darauf setzt auch Heike Boll von den „Bürgern in Wut“. Sie ist am Wahlabend zunächst enttäuscht, dass die Wählervereinigung mit einer Prognose von 2,8 Prozent das Ziel klar verfehlt hat. Für eine Analyse ist es ihr noch zu früh, am Einsatz könne es aber nicht liegen: „Wir haben gekämpft wie die Löwen.“ Und: „Ich bin mir sicher, dass wir in die Beiräte gewählt werden.“

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