Energie sparen Duschen wird bei Nordbremer Sportvereinen zum Luxus

Duschen kalt stellen oder gar nicht in Betrieb nehmen, Saunen schließen und Hallennutzung beschränken? Nordbremer Sportvereine müssen sich auf verschiedene Szenarien zur Energieeinsparung einstellen.
11.08.2022, 18:00
Lesedauer: 4 Min
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Von Klaus Grunewald/gru

Erst Corona, jetzt die Energiekrise: Auch auf die Sportvereine und ihre Aktiven im Norden der Hansestadt kommen einmal mehr schwere Zeiten zu. Vor allem auf diejenigen, die auf die Nutzung von Hallen und Innenräumen sowie sanitäre Einrichtungen angewiesen sind. Die Vereine befürchten nicht nur steigende Energiekosten, sondern auch zum Teil erhebliche Verluste an Mitgliedern.

Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und auch der Landessportbund (LSB) Bremen sprechen von einer drohenden Verschärfung der Energiekrise, warnen aber gleichzeitig vor einer kompletten Schließung der Sportstätten. Deshalb haben sie einen Maßnahmenkatalog erarbeitet, wie die Vereine in Eigenregie Energie sparen können. Gleichzeitig wird an die Länder und Kommunen appelliert, sich an die Energiesparvorschläge des Bundes und der EU zu halten.

Zu den DOSB-Empfehlungen gehören zum Beispiel, Elektrogeräte wie Getränkeautomaten oder Handtrockner nicht mehr zu nutzen, Heizungsanlagen und Heizkörper überprüfen zu lassen, Fenster- und Türdichtungen zu erneuern, Duschen mit wassersparenden Köpfen auszurüsten und so schnell wie möglich die Beleuchtung auf LED-Technik umzustellen.

Beleuchtung auf LED umgestellt

Einen Schritt weiter ist bereits nach den Worten seines Vorsitzenden Uwe Schnibben der Blumenthaler TV gegangen. Auf der Sportstätte im Löh, so Schnibben, würden die Duschen in diesem Jahr nicht mehr in Betrieb genommen. Eine Einschränkung, die für die Nutzer des Sportbades Bremen-Nord an der Friedrich-Humbert-Straße in Grohn so rigide noch nicht ausfällt. Dort, so Schnibben, setzte man auf den „Verstand der Nutzer, schnell und kurz zu duschen". Falls das nicht funktioniere, würden auch im Sportbad die Warmduschen abgestellt. Eine Energiesparmaßnahme ist indes schon vor geraumer Zeit realisiert worden. Die Beleuchtung wurde vollständig auf LED-Licht umgestellt.

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Uwe Schnibben macht allerdings kein Hehl daraus, dass die überall steigenden Kosten im Sportbetrieb von den Vereinen letztlich nicht mehr zu tragen seien. Sie müssten also auf deren Mitglieder umgelegt werden. Das jedoch, befürchtet der Vorsitzende des Blumenthaler TV, könne gerade im Schwimmsport zu erheblichen Vereinsaustritten führen. Schnibben: „Es bleibt abzuwarten, wohin die Reise geht. Aber das weiß zur Zeit niemand.“

Für den Präsidenten des TSV Lesum-Burgdamm, Lüder Kleppe, gibt es aber Grenzen, wenn es nicht zum Lockdown kommen soll, den niemand wolle. „Wir können in unserem Sportzentrum, im Vereinsheim sowie im Umkleide- und Sanitärtrakt Ihletal zwar die Wassertemperatur senken, aber vor allem im Winter nicht auf eiskalt einstellen“, sagt Kleppe. Überall dort sei im Übrigen das elektrische Licht bereits auf die energiesparende Leuchtdioden (LED) umgestellt worden. Und wenn sich niemand in den Räumen aufhalte, gingen die Lampen automatisch aus. Kleppe: „Jetzt warten wir darauf, dass auch, wie vom Sportamt angekündigt, das Flutlicht für den Kunstrasenplatz auf LED umgestellt wird.“

Ungewissheit bei Schulturnhallen

Ungewissheit herrscht derweil bei den Vereinen und deren Aktiven, die ihren Sport in den bremischen Schulturnhallen ausüben. Momentan arbeite ein ausgesuchtes Gremium intensiv an einem Energiesparpaket, das für die Nutzung von Klassenzimmern und Schulhallen gelten soll, erläutert Maike Wiedwald  von der Pressestelle der Bremer Bildungssenatorin auf Anfrage.

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Abgehärtet sind dagegen wohl bereits die meisten Aktiven, die in den Hallen des Sportamtes Bremen Fußball, Handball oder Badminton spielen. Sie müssen schon seit Langem mit einer Hallentemperatur von 15 Grad Vorlieb nehmen. In den Gymnastik- und Erste-Hilfe-Räumen ist es gerade mal zwei Grad wärmer, wie die nach wie vor aktuelle Tabelle für Raumtemperaturen der Senatorin für Soziales, Jugend, Integration und Sport ausweist. Dagegen sollen Umkleide- und Duschräume noch angenehme 22 Grad warm sein.

Empfehlung: Saunen schließen

Ob das so bleibt, ist allerdings fraglich. Denn der Deutsche Olympische Sportbund und die Landessportbünde empfehlen, die Raumtemperatur in Sporthallen und Vereinsgebäude grundsätzlich um zwei Grund im Vergleich zur vorherigen Heizperiode zu senken und die Steuerung der Heizungsanlage auf die Belegungszeiten auszurichten. Grundsätzlich verzichten solle man zudem auf gas- oder strombetriebene Zusatzheizgeräte. Darüber hinaus wird vorgeschlagen, die Freibäder bis zum Saisonende unbeheizt zu lassen und in einer weiteren Stufe nur Becken für den Schwimmsport offen zu halten, Saunen jedoch zu schließen.

Die meisten Vereine können aber selbst kaum aktiv werden, um den Energieverbrauch in den Sporthallen zu reduzieren. Darauf weist der Oberturnwart des MTV Eiche Schönebeck, Edmund Gliedt, hin. „Die Heizungstemperatur  in den von uns genutzten Hallen der Stadtgemeinde ist auf 17 Grad eingestellt und wird nachts abgesenkt,“ erläutert Gliedt. Defekte würden dem Hausmeister der Schulhallen gemeldet, der wiederum Immobilien Bremen eingeschaltet. Auch der MTV-Oberturnwart hält es für wünschenswert, alle Sporthallen mit LED-Beleuchtung auszustatten und das Sportbad in Grohn grundlegend zu sanieren.

Der DOSB und die Landessportbünde empfehlen schließlich, langfristige alle Sportstätten mit regenerativen Energieträgern zu bestücken. Eine Schließung von Sportstätten, wie sie der Deutsche Städtetag ins Gespräch gebracht hat, wird hingegen grundsätzlich abgelehnt. Und somit auch vom Kreissportbund Bremen-Nord, dessen Domizil am Godenweg in Lüssum bereits seit geraumer Zeit saniert werde, um das Klima zu schonen und Energie zu sparen, wie es seitens der Geschäftsführung heißt.

Zur Sache

Größte Personenvereinigung

Der Landessportbund (LSB) Bremen ist als Dachverband von 430 Bremer und Bremerhavener Sportvereinen sowie für 50 Sportfachverbände der Ansprechpartner des Sports im Lande Bremen. Mit rund 142.218 Mitgliedern ist er nach wie vor die größte Personenvereinigung im Zwei-Städte-Staat. Dem Kreissportbund Bremen-Nord gehören aktuell 15.423 Mitglieder an.

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