Debatte in Bremen-Nord

Gegen das Dröhnen der Laubsauger

Straßen und Wege müssen vom Laub befreit werden. Nordbremer Umweltschützer unterstützen einen Vorstoß, auf benzinbetriebene Geräte zu verzichten. Doch den Betrieben sind die E-Geräte zu schwach.
13.11.2019, 17:01
Lesedauer: 4 Min
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Von Imke Molkewehrum

Im Herbst dröhnen allerorten Laubbläser und Laubsauger. Für die einen sind die Geräte eine willkommene Hilfe, anderen raubt der Lärm den letzten Nerv. Betrieben werden sie via Kabel oder Akku, aber auch mit Benzin. Vor allem Laubsauger mit Verbrennungsmotor verursachen Lärm und Gestank. Zudem schädigen sie Biotope, die Insekten, Spinnen, Regenwürmern, Fröschen oder Igeln Zuflucht bieten.

Die Grünen-Fraktion will in Bremen den Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern mit Verbrennungsmotor einschränken und setzt auf leisere Elektrogeräte. Die Politiker haben ein entsprechendes Positionspapier verfasst. Demnach sollen auch der Umweltbetrieb und die Straßenbahn sowie die Bremer Stadtreinigung auf akkubetriebene Geräte umsteigen. Hamburg und München seien diesbezüglich bereits Vorreiter.

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In der Kritik stehen gemeinhin die benzinbetriebenen Sauger, weil sie die Luft belasten und Lärm bis zu 115 Dezibel erzeugen. Nach Aussage der Grünen entspricht dies dem Lärm eines Presslufthammers. Mit bis zu 200 Stundenkilometer würden zudem nicht nur die Laubblätter, sondern auch darin lebende Tiere wie Regenwürmer, Spinnen oder Asseln eingesogen und gehäckselt.

Unabhängig vom Gerät begrüßt Manfred Severit vom Bund für Umwelt und Naturschutz (Bund) in Bremen-Nord den Vorstoß der Grünen. „Viele Gartenbesitzer saugen und blasen tagein, tagaus“, hat der 65-Jährige beobachtet. „Es wird zu viel Laub entfernt, dabei brauchen Tiere Plätze, wo sie unterschlüpfen können.“ Der Artenschutz müsse Vorrang vor den ästhetischen Ansprüchen haben. „Gartenfreunde sollten die Blätter lieber liegen lassen, weil sie einen Nutzen haben.“ Wer sie partout loswerden wolle, solle der Natur zuliebe zu Rechen oder Besen greifen, anstatt einen Laubsauger oder Laubbläser zu benutzen. In Bremen-Nord seien viele große Gärten in Privatbesitz, räumt Manfred Severit ein. „Es muss aber nicht immer alles clean sein.

Da müssen wir alle ein bisschen dazulernen. Auch ein kurzer Rasen ist nicht mehr zeitgemäß. Gartenbesitzer sollten möglichst nur zweimal im Jahr mähen. Und wenn man nicht so viel mäht, erblühen hier Pflanzen, die sonst nie zum Vorschein kommen.“ Fatal sei auch, dass inzwischen sogar die Randstreifen der landwirtschaftlichen Flächen industriell genutzt würden, findet Severit. „Früher hat man diese ganz bewusst nicht abgemäht.“ Der Lebensraum der Kleintiere schrumpfe kontinuierlich. Ohne Insekten seien aber auch die Vögel in Gefahr. „In diesem Jahr gab es weniger als sonst. Das ist wohl jedem aufgefallen.“ Da sei es umso sinnvoller, das Laub nicht zu entsorgen.

Laub auf Gehwegen müssen die Anlieger entfernen. Dazu sind sie laut Bremischem Landesstraßengesetz verpflichtet. Die Bremer Stadtreinigung sorgt dafür, dass Straßen, Rad- sowie Gehwege jenseits von Privathäusern vom Laub befreit werden. Mitunter sammeln die rund 80 Mitarbeiter des kommunalen Betriebes binnen eines Tages bis zu 50 Tonnen Laub ein. Das sind etwa sechs gefüllte Müllwagen. Insgesamt bringen die 400 000 Laubbäume in einer Saison mehr als 5000 Tonnen Laub auf die Waage. Antje Horn: „Das entspricht der Füllmenge von 600 Müllwagen.“ Für öffentliche Parks ist der Umweltbetrieb Bremen (UBB) zuständig. Auch hier fallen pro Jahr fast 5000 Tonnen Laub an, wohlgemerkt ohne die privaten Anlagen wie Bürgerpark oder Rhododendronpark. Mitarbeiter des Umweltbetriebes befreien die Gehwege in den kommunalen Anlagen vom Laub, um Fußgänger vor Unfällen zu schützen.

Das UBB-Team entfernt das Laub aber auch von Rasenflächen. Es wird entweder mit Kehrmaschinen aufgenommen und danach kompostiert oder in Gehölzflächen geblasen. „Wir laufen nicht jedem Blatt hinterher, wollen aber auch nicht riskieren, dass unter dem Laub der Rasen eingeht. Schließlich müssen wir ihn im Frühjahr wieder mähen können“, erläutert die Sprecherin Kerstin Doty.

Um Käfer- und Kleinstlebewesen zu schützen, setze der Umweltbetrieb ausschließlich Laubbläser ein. „Wegen der Tiere haben wir keine Laubsauger“, betont Doty. Die akkubetriebenen Geräte seien leider nicht so leistungsstark. Deshalb nutze das Unternehmen Laubbläser, die mit benzolfreien Kraftstoffen laufen. Viele Bürger, so räumt der Umweltbetrieb ein, empfänden die Geräte als zu laut. Es handele sich aber um die leisesten Geräte auf dem Markt.

Auch Jörg Kusserow, Inhaber eines Garten- und Landschaftsbau-Unternehmens in Schwanewede, nutzt auf großen Flächen vorzugsweise geräuschreduzierte Viertakt-Geräte. Wenn sein Team jedoch in den Morgenstunden in der Nähe eines Hotels arbeite, kämen elektrische Geräte zum Einsatz, um die Gäste nicht zu stören. Diese seien für große Flächen jedoch eher ungeeignet. „Die elektrischen Laubsauger und Laubpuster kann man nicht sechs Stunden durchlaufen lassen“, sagt Kusserow. Schon deshalb seien die E-Geräte für große Flächen noch keine geeignete Alternative. Strom sei zudem nicht überall verfügbar. Die Ladezeiten kämen erschwerend hinzu. „Elektrische Geräte bewähren sich auf kleineren Flächen, aber nicht im Stadtgarten.“

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Das Laub einfach liegen zu lassen, sei eine Frage der Optik. Natürlich könne man der Natur auch freien Lauf lassen, aber der Rasen werde unter dem Laub irgendwann braun, sagt der Fachmann. Man könne die Blätter mit dem Rasenmäher zwar „anschlagen“, damit sie schneller verrotten, aber die deutsche Mentalität sei eine andere. Hierzulande seien gepflegte Rasenflächen beliebt. „Woanders bleibt das Laub auch mal liegen.“

Auf kleinen Flächen könne der Gartenbesitzer das Laub natürlich wegharken, inzwischen bevorzugten viele Gartenbesitzer jedoch die elektrische oder mit Motor betriebene Puster-Variante. Für ein gutes Gerät seien durchaus zwischen 800 und 1000 Euro fällig, weiß Kusserow. „Mit einem Laubpuster für 40 Euro kann man höchstens Papier unter dem Sofa wegpusten“, fügt er hinzu und lacht. Eine Alternative sei, das Laub mit dem Rasenmäher abzusaugen, im Fangkorb zu sammeln und danach zu kompostieren.

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