Kulturbüro Nord „Es geht nicht nur wieder los, es geht auch tatsächlich weiter“

Das Kulturbüro Nord hat erstmals nach der Pandemie wieder ein Vierteljahresprogramm aufgelegt. Die bisherige Resonanz stimmt die Verantwortlichen optimistisch. Doch das Publikumsverhalten hat sich verändert.
07.12.2022, 14:23
Lesedauer: 4 Min
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Von Christian Pfeiff

„Es geht nicht nur wieder los, es geht auch tatsächlich weiter“, betont Malte Prieser freudig anlässlich der ersten post-pandemischen Programmvorstellung. Tatsächlich hat der programmverantwortliche Geschäftsführer des Kulturbüros Nord derzeit zahlreiche Gründe zur Freude: Die Veranstaltungskalender der angeschlossenen Häuser Kulturbahnhof, Bürgerhaus, Kito und Overbeck-Museum enthalten teilweise bereits Einträge bis ins Jahr 2024.

Auch das Interesse des Publikums sei in den vergangenen Wochen neu erwacht: „An den letzten drei Wochenenden konnten wir in unseren Häusern jeweils etwa 1000 Gäste zu unseren Veranstaltungen begrüßen“, konstatiert Prieser. Veranstaltungen wie der Auftritt des Stand Up-Comedians Alain Frei am 11. Februar seien zudem bereits seit Wochen ausverkauft; für den Auftritt des jungen Comedykollektivs „4 Feinde“ am 28. Januar im Bürgerhaus seien derzeit nur noch wenige Restkarten erhältlich.

Gute Besucherzahlen

„Die derzeitigen Besucherzahlen übertreffen teilweise sogar das Niveau von 2019“, sagt Prieser; bezieht diese Aussage indes nicht nur auf abendliche Kulturveranstaltungen, sondern auch auf regelmäßige Angebote wie den Kinderzirkus „Tohuwabohu“, Ausstellungen im Overbeckmuseum und das Seniorentanzcafé.

Letzteres sei die größte derartige Veranstaltungsreihe im Bremer Umland: „Mittlerweile ist es sogar so, dass vergleichbare Einrichtungen auf eigene Veranstaltungen verzichten und stattdessen lieber mit ihren Seniorinnen und Senioren zu uns kommen“.

Auch Kursangebote für Senioren, beispielsweise zu Themen wie Onlinebanking, erfreuten sich großen Interesses: „Unser Seniorenbereich ist mittlerweile professionell aufgestellt“, lobt Prieser das Wirken der Seniorenbeauftragten und Geschäftsführungsassistenz Frauke Winter.

Neue Publikumsgruppen

Doch nicht nur in dieser Hinsicht bemerken die Programmverantwortlichen des Kulturbüros Auswirkungen eines demografischen Wandels: „Mittlerweile hat auch ein junges Klientel unsere Häuser für sich entdeckt“, befindet Prieser nicht nur hinsichtlich des großen Publikumsinteresses an Veranstaltungen mit jungen Comedians und Kabarettisten, sondern insbesondere auch an Angeboten für Kinder: „Das Interesse an unserem Kinderzirkus 'Tohuwabohu' ist derzeit riesig; es gibt momentan sogar Wartelisten. Auch unsere Kindertheatervorstellungen erfahren derzeit eine wesentlich höhere Resonanz als noch zu Prä-Corona-Zeiten“, so der Programmverantwortliche.

Allerdings räumt Prieser ebenfalls ein, dass innerhalb der Veranstaltungsbranche mittlerweile von „Entweder-Oder-Veranstaltungen“ gesprochen würde. „Das bedeutet: Entweder, das Publikumsinteresse ist immens, oder die Stuhlreihen bleiben nahezu leer. Das Publikum scheint mittlerweile nicht nur in unseren Häusern die zu besuchenden Veranstaltungen sehr gezielt auszuwählen“, so Prieser.

Vereinzelte Veranstaltungen, mitunter sogar komplette Tourneen seien entsprechend noch immer von möglichen Absagen betroffen, zumal sich die Logistik innerhalb der Veranstaltungsbranche noch immer nicht ganz von den Folgen der Präventionsmaßnahmen erholt habe: „Auch wir schieben immer noch eine ganze Bugwelle verschobener Veranstaltungen vor uns her“, konstatiert Prieser. So konnte etwa der für den 4. Dezember angekündigte Auftritt von Dirk Bielefeldt alias „Herr Holm“ aus organisatorischen Gründen nicht stattfinden.

Guter Vorverkauf sichert die Veranstaltungen

„Alle weiteren der insgesamt 40 angekündigten Veranstaltungen bis Ende Februar werden laut aktuellem Stand jedoch auf jeden Fall stattfinden“, verspricht Prieser. Gerüchten, dass die Häuser im Falle eines harten Wintereinbruchs ihre Programme unterbrechen müssten, um temporär als Wärmehallen zu fungieren, erteilt er eine Absage: „Bislang wurde keine offizielle Anfrage in diese Richtung an uns herangetragen“, so Prieser, der sich die Geschäftsführung des Kulturbüros mit Holger Wenke teilt.

So wird es bis Ende Februar auf den Bühnen der Häuser ein Wiedersehen mit langjährigen Bekannten wie beispielsweise den Kabarettistinnen Simone Solga, Nessi Tausendschön und Carmela de Feo alias „La Signora“ und Popsängerin Ulla Meinecke geben. Auch die lang geplante Weihnachtsgala von TV-Moderator Yared Dibaba und den „Schlickrutschern“ wird nun nachgeholt. Mit dem Kabarettisten Jochen Malmsheimer, dem Musiker Alex Diehl und den lokalen Kabarettheroen Podewitz sind weitere bewährte Hochkaräter angekündigt, während sich mit dem Comedian Nizar und den Kabarettisten Florian Hacke und Hinnerk Köhn sowie den erwähnten „4 Feinden“ unverbrauchte Gesichter einer jungen Comedy- und Kabarettgeneration vorstellen.

Obwohl der bisherige Vorverkauf überwiegend eine Sicherstellung der Veranstaltungen zu signalisieren scheint, gestattet sich Prieser noch einen Hinweis für Veranstaltungsbesucher: „Ich weiß natürlich um das Ärgernis, Karten für Veranstaltungen erworben zu haben, die dann abgesagt werden. Doch gerade deshalb sollten alle, die einen oder mehrere Künstler wirklich unbedingt sehen wollen, den entsprechenden Vorverkauf nutzen: Jede im Vorfeld verkaufte Karte erhöht die Wahrscheinlichkeit entsprechender Veranstaltungsdurchführungen“, so Prieser.

Info

Alle Programmpunkte bis Ende Februar 2023 finden sich sowohl im just veröffentlichten und an zahlreichen Orten ausliegenden Programmflyers des Kulturbüros sowie im Internet auf der Homepage https://www.kulturbuerobremennord.de/. Karten sind an allen bekannten Vorverkaufsstellen erhältlich.

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