Bürgerhaus Vegesack Ludwig-Baumann-Saal wird eingeweiht

Die Internationale Friedensschule Bremen holt die Einweihung des Ludwigs-Baumann-Saals nach. Die Feier, die zu Baumanns 100. Geburtstag im Dezember 2021 im Bürgerhaus geplant war, fiel wegen Corona aus.
17.08.2022, 16:52
Lesedauer: 2 Min
Zur Merkliste
Ludwig-Baumann-Saal wird eingeweiht
Von Iris Messerschmidt

Die Internationale Friedensschule Bremen möchte die Einweihung des "Ludwig-Baumann-Saals" im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus Vegesack nachholen. Die Feier ist für Donnerstag, 1. September, ab 18 Uhr geplant. Ursprünglich sollte der große Saal im Bürgerhaus bereits am 13. Dezember 2021, dem 100. Geburtstag Ludwig Baumanns, offiziell und in feierlichem Rahmen seinen neuen Namen bekommen. Doch die Veranstaltung musste – wie berichtet – coronabedingt ausfallen. 

Lesen Sie auch

Die Friedensschule informiert über Baumanns Geschichte: Demnach desertierte Ludwig Baumann am 3. Juni 1942 in Bordeaux mit einem Freund aus der Wehrmacht. Sie hatten in der Wochenschau mit angesehen, wie sowjetische Kriegsgefangene zu Tausenden auf freiem Feld verhungern und erfrieren mussten. Diesen Krieg, diese Verbrechen wollten sie nicht mitmachen. Aber sie wurden von einer Zollstreife gefangen genommen und wenig später zum Tode verurteilt.

Ohne zu wissen, dass die Todesstrafe in eine zwölfjährige Zuchthausstrafe umgewandelt worden war, verbrachten sie zehn Monate in benachbarten Todeszellen. Ludwig Baumann überlebte den Zweiten Weltkrieg in einem Lazarett, nachdem er im „Bewährungsbataillon 500“ bei einem Fronteinsatz schwer verwundet worden war. Viele Jahre litt er unter dem Makel, als Fahnenflüchtiger ein „Feigling“ oder „Vaterlandsverräter“ gewesen zu sein.

1951 lernte Ludwig Baumann als Handlungsreisender seine spätere Frau Waltraud kennen und lebte seitdem in Bremen. Seine Frau starb bei der Geburt des sechsten Kindes und er musste seine Kinder alleine großziehen. In den 1980er-Jahren schloss sich Ludwig Baumann der Friedensbewegung an und setzte sich für die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure ein. Mit 36 anderen Betroffenen gründete er 1990 die Bundesvereinigung Opfer der NS-Militärjustiz. Das Ziel, diese Opfer gesetzlich anzuerkennen und zu rehabilitieren, wurde zwar spät und mühsam, aber durch drei Gesetze in den Jahren 1998, 2002 und 2009 erreicht.

Ludwig Baumann hielt sich oft im Gustav-Heinemann-Bürgerhaus in Vegesack auf und war dort gut bekannt. 1982 hat er sich maßgeblich dafür eingesetzt, dass das Mahnmal "Dem unbekannten Deserteur" im Bürgerhaus aufgestellt werden konnte. Für seinen unermüdlichen Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit wurde er mehrfach geehrt. Anlässlich seines 90. Geburtstages im Jahr 2011 würdigte der damalige Bürgermeister Jens Böhrnsen ihn mit einem Senatsempfang. Die Internationale Friedensschule Bremen verlieh ihm 2014 den Franco-Paselli-Friedenspreis. Am 5. Juli 2018 starb Ludwig Baumann im Alter von 96 Jahren.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+