Pläne für Kinderbetreuung in Vegesack

Nachbarn verhindern Kita

An der Ludwig-Jahn-Straße sollte eine Kita mit vier Gruppen entstehen. Nachbarn sollen das verhindert haben – sie wird nicht gebaut. Auch die Pläne für ein Haus mit acht Gruppen in Aumund sind gescheitert.
06.09.2019, 19:16
Lesedauer: 3 Min
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Nachbarn verhindern Kita
Von Michael Brandt
Nachbarn verhindern Kita

Die Pläne für eine Kita in Fähr-Lobbendorf sind gescheitert.

Julian Stratenschulte/dpa

Plätze in der Kinderbetreuung sind ein kostbares Gut, gerade auch in Bremen-Nord. Da schmerzt es besonders, wenn das Ausbauprogramm der Behörde stockt, weil eine Kita mit vier bis fünf Gruppen nicht zustande kommt. So geschieht es derzeit an der Ludwig-Jahn-Straße in Fähr-Lobbendorf. Dort haben offenbar Anwohner den Verkauf eines Grundstücks an den Kita-Investor verhindert. Ortsamt und Projektentwickler sind sauer.

Ulrike Baltrusch-Rampf, Sprecherin der CDU-Fraktion im Vegesacker Beirat, äußert sich empört. Ihr Kenntnisstand: Nachdem das Projekt an der Ludwig-Jahn-Straße bekannt geworden ist, seien die Grundstücksbesitzer aus dem Wohnumfeld massiv unter Druck gesetzt worden. Deshalb hätten die Eigentümer einen Rückzieher gemacht und sich gegen einen Verkauf des Grundstückes und somit gegen den möglichen Bau einer Kita entschieden. „Es ist für mich unverständlich, dass so etwas in unserer Gesellschaft stattfindet. Wir brauchen dringend zusätzliche Kindertagesplätze. Die Bürger im Wohnumfeld sollten begreifen, dass Kinderlärm Musik der Zukunft bedeutet!“, so die Kommunalpolitikerin.

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Auch Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt kann seinen Ärger kaum verbergen. „Das sind wahrscheinlich alles Menschen, die mit 40 auf die Welt gekommen sind und nie Kinder waren.“ Auch sein Wissenstand ist, dass die Grundstückseigentümer unter Druck gesetzt worden seien. Er weist außerdem darauf hin, dass der Beirat Vegesack dem Vorhaben zugestimmt hat. „Das hätte dort hervorragend gepasst“, sagt der Ortsamtsleiter.

Eigentlich sah für das Projekt an der Ludwig-Jahn-Straße alles gut aus. Einer Stellungnahme der Bildungsbehörde ist zu entnehmen, dass augenscheinlich bereits im Sommer 2019 kurzfristig mit den Vorbereitungen für den Bau begonnen werden sollte. Das nötige Geld wollte das Investmentunternehmen „Habona“ aus Frankfurt in das Projekt stecken, das bereits Erfahrungen mit Kindereinrichtungen hat.

Alle Beteiligten hatten dem Vorhaben zugestimmt

Projektentwicklerin Daniela Sinner kümmerte sich um die Umsetzung in Bremen-Nord, führte Gespräche mit dem Maklerbüro, mit dem Ressort für Kinder und Bildung sowie dem Bauamt. Als Betreiber war die „Kinderzentren Kunterbunt gGmbH“ eingebunden. Alle Beteiligten hätten dem Vorhaben zugestimmt und es begrüßt, sagt Daniela Sinner. Überhaupt lobt sie die Zusammenarbeit mit den Bremer Behörden. Und ein Vertreter der Behörde hatte das Vorhaben bereits im April dieses Jahres in unserer Zeitung ausdrücklich begrüßt.

„Geplant war eine fünfgruppige Kindertagesstätte. Dies hätte dem Bedarf entsprochen. Im Laufe der Projektierung haben wir aber festgestellt, dass fünf Gruppen nicht gut passen“, sagt Daniela Sinner. Deshalb sind die Entwürfe auf vier Gruppen geändert worden, als Nächstes sollte bereits die Innenplanung folgen. Nach dem Konzept des Trägers Kunterbunt hätten Kinder ab einem Alter von sechs Monaten in die Einrichtung aufgenommen werden sollen.

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Als dann aber in Fähr-Lobbendorf noch einmal Bodenproben genommen und ein Termin abgesprochen werden sollte, platzten die Pläne. „Auf einmal stellte sich heraus, dass es Bedenken gab, das Grundstück überhaupt zu verkaufen.“ Die genannten Gründe seien an sie herangetragen worden, sie kenne sie aber nicht aus erster Hand, betont Daniela Sinner. Aufgeben wollen Investor, Projektentwicklerin und Betreiber nun aber nicht: „Wir bemühen uns derzeit um eine Alternative. Ich kann es nicht versprechen, aber wir möchten gerne weitere Projekte in Bremen-Nord umsetzen.“

Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt weist darauf hin, dass die Situation im Stadtteil auch deshalb schwieriger wird, weil auch ein zweites Vorhaben gestoppt wurde: An der Aumunder Feldstraße – schräg gegenüber der Feuerwehr – sollte in einem Klinkerbau eine weitere Kita entstehen. In diesem Fall habe das Bauamt Einspruch eingelegt. Grund sei der notwendige Lärmschutz, der nicht realistisch umzusetzen gewesen wäre.

Neun Projekte in der Prüfung

Das Grundstück liegt direkt an der Aumunder Feldstraße und an der Bahnlinie. Nach Angaben der Bildungsbehörde waren an dieser Stelle acht Gruppen vorgesehen. Derzeit befinden sich nach Angaben von Annette Kemp, Sprecherin von Senatorin Claudia Bogedan (SPD), neun Projekte in der Prüfung, ob sie umgesetzt werden können. Dass beide genannten Projekte nicht verwirklicht werden können, bedauert auch die Behörde: „Für die Situation in Vegesack ist dies negativ.“

Wer sich für den aktuellen Sachstand interessiert: Am Montag, 23. September, findet in Vegesack eine Planungskonferenz zum weiteren Kita-Ausbau statt. Dornstedt: „Wir müssen bereden, wie die Reise weitergeht – durch alle Altersklassen von den unter Dreijährigen bis Berufsschule.“

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In der Sitzung soll es darum gehen, zunächst die mögliche Bevölkerungsentwicklung zu skizzieren, neue Baugebiete zu berücksichtigen und daraus einen Zeit- und Maßnahmenplan zu entwickeln. Der Bestand und die Entwicklung der Kindertageseinrichtungen und der Schulen im Stadtteil soll skizziert werden. Am Ende werden Entwicklungsziele für den Stadtteil formuliert. Die Sitzung beginnt um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Stadthauses am Sedanplatz.

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