Urteil gegen 36-Jährigen Neuneinhalb Jahre Haft für Kuli-Stecher

Der Mann hat seiner Partnerin mit einem Kugelschreiber ins Auge gestochen. Zielgerichtet, mit voller Absicht, befanden am Montag die Richter am Landgericht Bremen. Entsprechend deutlich fiel das Urteil aus.
09.09.2019, 15:13
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Neuneinhalb Jahre Haft für Kuli-Stecher
Von Ralf Michel

Schon mehrfach hatte der 36-Jährige seine Partnerin misshandelt. Hatte sie gewürgt, mit Faustschlägen traktiert und ihr mit einer Holzlatte auf den Kopf geschlagen. Nach einem erneuten Streit im Januar dieses Jahres stach er ihr schließlich während einer Busfahrt mit einem Kugelschreiben ins linke Auge. Dafür muss der Mann nun hinter Gitter: Zu neuneinhalb Jahren Haft wurde er am Montag vor dem Landgericht Bremen verurteilt. Womit das Gericht deutlich über den von der Staatsanwaltschaft geforderten sieben Jahren und einem Monat blieb.

In seiner Urteilsbegründung fand der Vorsitzende Richter deutliche Worte für die Tat. Von einer fahrlässig herbeigeführten Verletzung könnte keine Rede sein. Nach Auffassung des Gerichts hat der Mann absichtlich und zielgerichtet aus kurzer Distanz zugestochen. Dafür habe er ihren Oberkörper gegen eine Rückenlehne des Linienbusses gedrückt, sie geradezu fixiert und dann zugestochen.

Opfer auf einem Auge erblindet

2015 lernten sich die beiden in Bremen kennen. Zwar kriselte es schon bald in ihrer Beziehung, trotzdem bekamen sie im Oktober 2016 Nachwuchs. Anfang Januar 2017 wurde er zum ersten Mal gewalttätig gegenüber seiner Partnerin. Schon damals bedrohte er sie, indem er das Schicksal der türkischen Sängerin Belgin Sarilmiser, genannt Bergen, erwähnte. Deren Mann hatte zunächst einen Säureanschlag auf das Gesicht seiner Frau in Auftrag gegeben, bei dem sie ein Auge verlor, und die Sängerin dann später erschossen.

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Nach seinen gewaltsamen Übergriffen trennte sich die Frau von dem Mann, zog in ein Frauenhaus und erwirkte eine Gewaltschutzverfügung gegen ihn. Wegen der gemeinsamen Tochter blieben beide trotzdem in Verbindung, zogen im Oktober 2017 sogar wieder zusammen, um es noch einmal miteinander zu versuchen.

Die erste gefährliche Körperverletzung, wegen der er jetzt verurteilt wurde, beging der Mann nur zwei Monate später. Unter Einfluss von Alkohol und Kokain jagte er seine Frau durch die Wohnung, würgte sie und schlug sie mit einer Holzlatte. Wieder zog sie aus, wieder erwirkte sie eine Verfügung gegen ihn, aber wieder war es ihre gemeinsame Tochter, die sie erneut in Kontakt brachte – wenn auch diesmal bei einer Verhandlung um das Sorgerecht für das Kind, Anfang des Jahres vor dem Amtsgericht Blumenthal.

Am Abend des 26. Januar lauerte der Mann der Frau auf, laut eigener Aussage, um mit ihr über das Sorgerecht zu sprechen und um ihr zu sagen, dass er sie immer noch liebe. Doch wieder eskalierte das Treffen. Er schlug ihr mit der Faust aufs Auge, wovon sie einen stark blutenden Cut an der Wange davontrug. Das habe sie nun davon, wenn sie immer wieder von Trennung rede, soll er gesagt haben. Und dass sie froh sein solle, dass er ihr Auge nicht besser getroffen habe.

Videoaufnahme belegen Tat

Der Frau ging es nach dem Schlag schlecht, sie wollte ins Krankenhaus. Er war zwar dagegen, begleitete sie dann jedoch. Was dann passierte, ist durch mehrere Zeugenaussagen und eine Videoaufnahme aus der Überwachungskamera des Busses bestens dokumentiert: Im Bus redet der Mann erst wild auf die Frau ein, verfolgt sie dann, als sie in den hinteren Teil des Busses flüchtet. Dort rammt er ihr, obwohl mehrere andere Mitfahrer versuchen, ihn daran zu hindern, den Kugelschreiber ins Auge. Die Frau wird auf diesem Auge dauerhaft so gut wie blind bleiben.

Für die Richter ist dies zwar kein versuchter Totschlag, wie ursprünglich angeklagt. Sie werten die Attacke als beabsichtigte schwere Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung. Zwischen drei und 15 Jahre liegt hierfür der Strafrahmen. Der Mann war noch nicht vorbestraft. Doch angesichts der Schwere der Folgen für die Frau und den Begleitumständen der Tat – in einem öffentlichen Bus, obwohl ihn andere daran zu hindern versuchte, und dies alles noch dazu vor den Augen der Tochter – orientiere sich das Urteil nicht am unteren, sondern am mittleren Strafrahmen.

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