Zwischen Vegesack und Bremen-Hauptbahnhof Nordwestbahn streicht mehrere Verbindungen

Die Nordwestbahn muss Verbindungen zwischen Vegesack und Bremen-Hauptbahnhof streichen, weil Triebfahrzeugführer fehlen. Die Situation wird sich auf absehbare Zeit nicht ändern, sagt ein Sprecher.
24.05.2019, 15:37
Lesedauer: 3 Min
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Von Imke Molkewehrum und Albrecht-Joachim Bahr

Unter dem Suchbegriff „Zugausfälle“ haben sich in dieser Woche auf der Homepage der Nordwestbahn die „Akutmeldungen“ gehäuft. Allein auf der Strecke zwischen Vegesack und Bremen seien an manchen Tagen 16 Züge ausgefallen, kritisiert ein Leser. „Ich bin davon genervt“, sagt der Nordbremer. Tatsächlich sind allein am Dienstag zwischen 15.50 und 22.05 Uhr sieben Züge ausgefallen.

Vor all diesen Verbindungen zwischen Vegesack und Bremen standen ein weißes Ausrufezeichen im roten Kreis und der Hinweis „Zugausfall“. „Mich interessiert, warum die Nordwestbahn für weitere 15 Jahre den Zuschlag für den Weiterbetrieb der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen gekriegt hat“, sagt der 63-jährige Fahrgast und fügt hinzu: „Die zeigen eine schlechte Leistung und haben wirklich zu viele Zugausfälle.“

Schon in den vergangen Monaten und Jahren stand die Nordwestbahn aufgrund von Zugausfällen in der Kritik. So wurden im Februar etliche Verbindungen wegen einer Grippewelle gestrichen.

Auftraggeber für den Betrieb der Regio-S-Bahn sind Bremen und Niedersachsen. Im Vertrag standen vor der Vertragsverlängerung daher „strenge Vorgaben für ausreichend Personal und Fahrzeuge“ hatte Bremens Verkehrssenator Joachim Lohse (Grüne) seinerzeit betont. Eine konkrete Auflage war, dass die Nordwestbahn künftig jährlich acht neue Lokführer ausbilden muss. Das Unternehmen hatte im Vorfeld eingeräumt, dass die Personaldecke zu dünn gewesen sei und angekündigt, dem Nachwuchsmangel mit einer Ausbildungsquote begegnen zu wollen. Auf Störungen und Krankmeldungen sei man ab 2020 besser vorbereitet. Schlussendlich hat die Nordwestbahn dann tatsächlich den Zuschlag der europaweiten Ausschreibung erhalten. Der neue Vertrag läuft nun bis ins Jahr 2036.

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Steffen Högemann, Sprecher der Nordwestbahn, bestätigt die aktuellen Zugausfälle unumwunden und bedauert die derzeitige Situation. Der Grund: „Wir haben nicht genug Triebfahrzeugführer.“ Und schlimmer noch: „Das wird leider erst auch mal so bleiben.“ Ja, es gebe Krankmeldungen, aber die seien nicht der Hauptgrund für den Engpass. Deutlichere Auswirkungen habe erst einmal der im Januar abgeschlossene neue Tarifvertrag, im Zuge dessen den Mitarbeitern sechs Tage mehr Urlaub angeboten wird, ersatzweise 2,6 Prozent mehr Gehalt. „Die Mehrheit hat sich für den Urlaub entschlossen“, erklärt Högemann.

Was aber besonders schwerwiegend sei, setzt der NWB-Sprecher noch einen drauf, das sei der Umstand, dass gut sechs Prozent der Triebfahrzeugführer zum Güter- und Fernverkehr konkurrierender Unternehmen gewechselt sei. „Eigentlich sind wir im Raum Bremen gut aufgestellt. Und bis Mai war die Situation noch in Ordnung. Aber die anderen Unternehmen werben unsere Leute mit horrenden Prämien ab, was uns hart trifft.“ Die NWB könne die Abgänge jetzt gerade nicht kompensieren. „Aber wir wollen den Engpass natürlich abstellen.“

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Statt die Kollegen mit ähnlich hohen Prämien zu halten, setze sein Unternehmen auf Aus- und Fortbildung. „Dafür geben wir im Jahr zwei Millionen Euro aus.“ Natürlich würden diese Bemühungen erst mittel- bis langfristig Wirkung zeigen. In der Zwischenzeit werde man halt improvisieren müssen, erklärt der NWB-Mann. „Momentan versuchen wir alles, um die Leerstände zu besetzen“, also so viel neue Leute wie möglich anzuheuern. „Bis dahin aber fährt bei uns alles, was fahren darf: Leute aus der Verwaltung, Ausbilder, Personal der Eisenbahnsicherheit...“

Zunächst lautet die Devise: „Das Angebot ausdünnen, aber den Totalausfall verhindern.“ Meint: Nach Möglichkeit soll nicht gleich mehrere hintereinander ausfallen. Dazu werde ab Pfingsten das Kuppelkonzept am Bahnhof Vegesack entfallen. Die Strecke werde dann mit zwei- oder gar einteiligen Zügen bedient. Es werde dann natürlich enger werden in den Zügen. Högemanns Fazit: „Ganz klar, dass wir damit nicht zufrieden sein können. Aber wir tun alles, die Situation zu verbessern.“

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