Neues Konzept für Grohner Campus

Was Politiker zu den Plänen für die Jacobs-Uni sagen

Bisher war sie eine private Hochschule, jetzt soll die Jacobs University in Bremen-Nord ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz werden. Was Politiker von den Plänen halten – die Reaktionen im Überblick.
19.11.2020, 05:56
Lesedauer: 2 Min
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Was Politiker zu den Plänen für die Jacobs-Uni sagen
Von Christian Weth
Was Politiker zu den Plänen für die Jacobs-Uni sagen

Der Campus der Jacobs University in Grohn: Ein Konsortium will aus der privaten Hochschule ein Kompetenzzentrum für Künstliche Intelligenz machen.

Christian Kosak

Grohn. Fast 20 Jahre war sie eine private Hochschule, jetzt soll aus der Jacobs University ein Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz werden. So planen es der Softwarekonzern SAP, das Entwickler-Unternehmen Neusoft und das Deutsche Forschungszentrum für künstliche Intelligenz. Das Konsortium will den Campus in Grohn grundlegend verändern – und unabhängig von Zuschüssen des Landes machen. Der Senat hat inzwischen zugestimmt, dass die Jacobs Foundation als Mehrheitseignerin ihre Anteile an die neuen Betreiber verkauft. Was Politiker von den Plänen halten und welche Chancen sie sehen. Ein Überblick.

Für Janina Brünjes, wissenschaftspolitische Sprecherin der SPD-Bürgerschaftsfraktion, ist die Nachricht von einer Neuausrichtung der Privatuni eine gute Nachricht. Nicht nur für den Bremer Norden, sondern für die Stadt als Ganzes. Nach Ansicht von Brünjes stärkt ein Kompetenzzentrum für künstliche Intelligenz das Land sowohl im Forschungs- als auch im Wirtschaftssektor. Ihr zufolge ist eine Lösung gefunden worden, die alles beinhaltet, was der SPD wichtig ist: eine Stärkung der nördlichen Stadtteile, eine Absicherung von Arbeitsplätzen und eine Entwicklung in die Zukunft.

Laut Carsten Sieling macht Bremen mit dieser Entwicklung gleich einen Schritt hin zu einem Wissenschafts- und Industriestandort der nächsten Generation. Der SPD-Bürgerschaftsabgeordnete hat als Gastmitglied des Aufsichtsgremiums der Uni, dem sogenannten Board of Governors, die Entscheidung begleitet. Für Sieling sind die Geduld der vergangenen Jahrzehnte und die langfristig angelegte Strukturpolitik Bremens mit dieser Investition endlich belohnt worden. Der Sozialdemokrat spricht von qualifizierten Arbeitsplätzen und Wertschöpfung – und davon, dass beide nun zusammenwachsen.

Aus Sicht von Solveig Eschen, wissenschaftspolitische Sprecherin der Grünen, wird mit den Plänen der Software-Entwickler das Ende der Jacobs University in ihrer bisherigen Form eingeleitet – und zugleich ein neues Kapitel für den Wissenschaftsstandort Bremen-Nord aufgeschlagen. Eschen glaubt, dass die Uni, die bisher kein tragfähiges Zukunftskonzept vorlegen konnte und keine weiteren Zuschüsse des Landes zu erwarten hatte, mit dem Betreiberkonsortium nun eine echte Chance hat. Die Grünen-Politikerin freut sich, dass die bisherigen Studenten ihr Studium an der Privatuni zu Ende bringen können, fordert jedoch auch Lösungen für das aktuelle Lehrpersonal.

Nach den Worten von Klaus-Rainer Rupp, finanzpolitischer Sprecher der Linken, erfüllt der Plan, aus der Uni ein Kompetenzzentrum zu machen, viele Kriterien der Partei. Eines der wichtigsten ist ihm zufolge, dass Bremen kein Geld mehr in die Grohner Hochschule investieren muss. Rupp findet, dass das neue Geschäftsmodell deutlich seriöser ist als das alte und dass die finanziellen Sicherheiten, die allein der Softwarekonzern SAP bietet, kaum besser sein könnten. Nach Rupps Rechnung setzt das deutsche Unternehmen pro Jahr einen zweistelligen Milliardenbetrag um.

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