Rund um den Vegesacker Bahnhof

Pilotprojekt gegen Taubendreck

Rund um den Vegesacker Bahnhof haben Tauben sich ihre Nistplätze gesucht. Ein Vogelhaus soll nun helfen, die Population zu kontrollieren.
24.02.2020, 21:42
Lesedauer: 3 Min
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Von Simon Wilke

Es gurrt zwischen Bahnhofsdach und Stahlträger, die ersten Tauben haben sich Nistplätze gesucht. Und rund um den Vegesacker Bahnhof ist ihr Revier. Regelmäßig verstreuen Tierfreunde Körnerfutter, um die Tiere artgerecht zu ernähren. Was die Tauben freut, sorgt jedoch bei Anwohnern und Passanten auch für Unmut. So sehr, dass im September der Vegesacker Beirat gefordert hatte, einen geeigneten Platz für einen betreuten Taubenschlag in der Nähe des Bahnhofs zu suchen und das Vorhaben dann umzusetzen. Diese Pläne nehmen nun Gestalt an.

„Wir prüfen derzeit die Rahmenbedingungen dafür“, sagt Maike Schaefer (Grüne), die zuständige Umweltsenatorin. Sie werde sich aus diesem Grund bald mit einigen Taubenschützern treffen. Gebaut werden soll dann nach dem sogenannten Augsburger Modell. Das sieht die Errichtung von Taubenschlägen vor, in denen die Tiere vor Ort artgerecht gefüttert werden, sodass sie einen Großteil des Tages in den Schlägen verbringen. Zudem werden Eier aus den Gelegen entnommen und durch Attrappen ersetzt, um die Population zu kontrollieren. Nach Angaben der Stadt Augsburg würden sich auf diese Weise jährlich etwa fünf Tonnen Taubenkot auf die Taubenschläge konzentrieren und so das Stadtgebiet entlasten.

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„Tauben sind in Vegesack rund um den Bahnhof ein echtes Problem“, sagt Schaefer weiter. „Daher ist das Augsburger Modell sicherlich ein gutes Pilotprojekt, um auszuprobieren, ob es Abhilfe schaffen kann.“ In ihrem Koalitionsvertrag hatten SPD, Grüne und Linke festgeschrieben, solche Vogelhäuser zu errichten. Darin heißt es: „Zur Verbesserung der Sauberkeit in der Stadt und zur Vermeidung von Kosten für Vergrämungsmaßnahmen und Reinigung errichten wir Taubenschläge nach dem Vorbild des Augsburger Modells und gewährleisten Betreuung, Fütterung und Populationskontrolle.“ Um die Pläne weiter voranzutreiben, wird sich am 4. März die zuständige Abteilungsleiterin Marion Langenbach mit dem Vegesacker Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt treffen.

Kammerjäger beauftragt

Doch nicht nur rund um den Bahnhofsplatz tummeln sich die Vögel. Auch in der Fußgängerzone der Vegesacker Innenstadt nimmt der Ärger über die Hinterlassenschaften der Tiere zu. „Es ist wirklich eine Plage geworden“, sagt Maria Nordenholz. Zusammen mit ihrem Mann vermietet sie Wohnungen in zwei Häusern in der Gerhard-Rohlfs-Straße. Die Abwehr der Tiere habe sie bereits mehrere Tausend Euro gekostet, sagt sie. Beispielsweise für das Haus, in dem auch ein Schuhgeschäft ansässig ist. Ständig seien die Vögel in einen Spalt direkt über der Auslage geflogen, um dort zu nisten – bis irgendwann zusätzliche Gitter installiert wurden, die das unmöglich machten.

Auch die privaten Mieter in den Wohnungen beschweren sich über die Tauben. Selbst auf den schmalen Fensterbrettern landen die Vögel und hinterlassen eine Schicht aus Unrat. „Unsere Blumenkästen auf dem Vordach mussten wir schon abdecken“, sagt Nordenholz. Zu viel Kot, zu viele Nistmöglichkeiten. Und überhaupt, das Vordach: zentimeterdick mit Taubenkot bedeckt sei das. Kein schöner Anblick für die Mieter der anliegenden Wohnungen und zudem ein Hindernis für den Dachdecker. Der sollte das Gebäude eigentlich taubensicher umbauen, weigert sich aber, damit zu beginnen, bevor der Dreck entfernt wurde.

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„Wir mussten jetzt zusätzlich einen Kammerjäger beauftragen, um das Vordach zu reinigen“, sagt Nordenholz. Und der wiederum werde nun mit Schutzkleidung und Atemmasken anrücken, um den Weg für den Dachdecker frei zu machen. Zwar sind Übertragungen von Krankheiten durch die Vögel auf den Menschen äußerst selten, aber die Möglichkeit einer Übertragung und Weiterverbreitung von Krankheitserregern auf den Menschen bestehe prinzipiell trotzdem – vor allem, wenn trockener Kot zerstäubt und aufgewirbelt wird. Um den Kies auf dem Dach hiervon zu reinigen, muss außerdem ein Schlauch quer durch die Mietwohnung gelegt werden, erklärt Nordenholz.

Ein Verbot der Fütterung würde ihr fürs Erste schon reichen

Immer wieder hätten sie vergeblich versucht, bei den Bremer Behörden Gehör zu finden. „Und immer wieder hat man uns entgegnet, die Tiere gehörten zum Stadtbild“, sagt Maria Nordenholz, „aber im Moment ist es doch so: Wenn man in der Innenstadt mal hochguckt, ist bei den Anwohnern alles verbarrikadiert mit Netzen und Vogelspikes.“ Ein Verbot der Fütterung würde ihr fürs Erste schon reichen.

Doch anders als in Bremerhaven ist in der Stadt Bremen das Füttern von Tauben nicht ausdrücklich verboten, erklärt Karen Stroink, Sprecherin von Innensenator Ulrich Mäurer (SPD). Derzeit werde jedoch diskutiert, ob es eine Änderung der Bestimmungen geben wird. Vielleicht würde aber auch hier ein Taubenschlag für Entlastung sorgen. Zunächst ist zwar lediglich das Taubenhaus am Vegesacker Bahnhofsplatz geplant, aber weitere Projekte an besonders betroffenen Standorten, heißt es aus dem Ressort von Maike Schaefer, sind nicht ausgeschlossen.

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