Pinökel Kein Bier an Wochenenden

Nach dem berufsbedingten Weggang seiner Mitarbeiterin Silvia Salomon öffnet Marcus Podehl seine Traditionskneipe Pinökel nur nur von Sonn- bis Donnerstag. Freitags und sonnabends bleiben die Türen geschlossen.
17.08.2022, 20:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Christian Pfeiff/cp

Wer an Wochenenden der Vegesacker Traditionskneipe „Pinökel“ einen Besuch abstatten möchte, steht dort seit Juli vor verschlossenen Türen. Nach dem berufsbedingten Weggang seiner Mitarbeiterin Silvia Salomon schlug Betreiber Marcus Podehl einen ungewöhnlichen Weg ein und öffnet seine Kneipe seither nur noch von Sonn- bis Donnerstag. Am Freitag und Sonnabend bleiben die Türen hingegen seither verschlossen.

Für Stammgäste keine große Überraschung: „Bereits als sich ankündigte, dass Silvia uns verlassen wird, haben wir daraus resultierende Wochenendschließungen zunächst als Gerücht im Laden gestreut – natürlich auch mit der Hoffnung, dass sich kurzfristig vielleicht doch noch jemand finden würde, der diese Position übernehmen könnte. Nachdem dies nicht eintraf, habe ich diese Ankündigung eben umgesetzt“, erklärt Podehl, wie es hierzu kam.

"Ein echter Glücksfall"

Die erfahrene Gastronomin Salomon stieß kurz nach dessen Neueröffnung im Sommer 2020 zu Podehl und dem „Pinökel“-Team. „Silvia war ein echter Glücksfall: Sie kannte jeden, jeder kannte Silvia, man musste ihr nichts beibringen“, schwärmt Podehl von seiner Kollegin. So ganz ehemalig soll Silvia Salomon auch gar nicht sein. Bei Konzerten und besonderen Anlässen will Salomon auch künftig vereinzelt hinter dem 'Pinökel'-Tresen zu finden sein.

Schließlich fiele der Abschied nicht leicht. Bereits während des ersten Lockdowns erschloss sich Salomon jedoch alternative Berufsperspektiven, um den Einkommensverlust zu kompensieren. „Auf sieben handschriftliche Bewerbungen erhielt ich sieben Zusagen“, erzählt die langjährige Gastronomin. Sie entschied sich für eine Anstellung im Friedehorst – und zog diese nun auch zumindest größtenteils dem Kneipentresen vor. „Die Doppelbelastung aus den Diensten in Friedehorst und den Wochenendschichten im 'Pinökel' wirkte sich langfristig auch gesundheitlich negativ aus. Und bei der aktuellen Lage weiß ja leider niemand genau, wie die nahe Zukunft in der Gastronomie aussehen wird“, erklärt Salomon die Hintergründe.

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Dass ein Verzicht auf Wochenendöffnungen – und somit auf die vermeintlich umsatzstärksten Tage im Gastrogewerbe – einem mutmaßlichen betrieblichen Suizid gleichkäme, sieht „Pinökel“-Betreiber Podehl anders: „Seit andernorts wieder Konzerte und Events durchgeführt werden, sind die Wochenenden bei uns nicht mehr so stark frequentiert wie bis zum April, als sich das Nachtleben naturgemäß auf jene Lokalitäten fokussierte, die überhaupt noch geöffnet hatten."

Derzeit betreibt Podehl das „Pinökel“ lediglich mit Unterstützung seiner Mitarbeiterin Katrin Sayner. Hierbei soll es jedoch langfristig nicht bleiben, auch die derzeitigen Öffnungszeiten sollen nicht zu einem Dauerzustand avancieren: „Ich hoffe natürlich, ab Oktober eine weitere Mitarbeiterin zu finden und dann auch wieder 'normale' Öffnungszeiten anbieten zu können“, sagt Podehl.

Männlicher und weiblicher Einfluss

Allerdings hegt er ambitionierte Ansprüche an eine etwaige künftige Kollegin: „Ich kann hier nicht einfach irgend jemanden hinstellen und sagen: ,Jetzt arbeite mal'. Es muss schon jemand sein, der mindestens das Gastro-Handwerk beherrscht – und am besten den Laden und sein Publikum bereits kennt“, befindet der Betreiber. Explizit für die Wochenendschichten möchte Podehl eine Kollegin einstellen. „In so einem Laden sollte gleichermaßen männlicher als auch weiblicher Einfluss vorhanden sein“.

Denn das die Uhren im „Pinökel“ etwas anders ticken, ist auch der Grund, warum Podehl das Experiment der Wochenendschließung nicht bereut. „Wir sind keine Erlebnisgastronomie, die zwingend auf die Wochenendumsätze angewiesen ist, sondern haben viele Stammgäste, die zum Teil auch mehrmals in der Woche vorbeischauen. Letztlich sind wir hier quasi eine Familie, auch wenn das für Außenstehende vielleicht nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich ist."

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