Ausstellung in Schloss Schönebeck

Schau erinnert an Badestrand und Schiffstaufen

Eine Ausstellung im Schloss Schönebeck lässt die illustre Geschichte der "Strandlust Vegesack" und des Stadtteils Revue passieren. Präsentiert werden Erinnerungen an die vergangenen 122 Jahre.
10.06.2021, 18:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Jörn Hildebrandt
Schau erinnert an Badestrand und Schiffstaufen

Von der Strandlust aus konnten schon immer große Schiffe beobachtet werden.

Christian Kosak (Repro)

Schönebeck. „Nach der Schließung der 'Strandlust Vegesack' sollte das Archiv gesichert werden. Deshalb haben wir viele Dinge wie Postkarten oder Fotos gekauft“, sagt Holger Schleider, erster Vorsitzender des Heimatmuseums Schloss Schönebeck. Und das Museum organisierte mit vielen Schätzen eine Ausstellung im Schloss Schönebeck, in der Besucher die bewegte Geschichte des Hotels und zugleich die des Stadtteils Vegesacks Revue passieren lassen.

Die „Strandlust Vegesack“, direkt an der Weser gelegen, entwickelte sich schon nach seiner Eröffnung vor 122 Jahren zu einem beliebten Ausflugslokal, von dem aus man den Schiffen zusehen konnte. Aber auch, weil das Ufer lange Zeit Strandvergnügen bot.

Als im Jahre 1869 die Sager-Werft geschlossen wurde, kaufte die Sparkasse Vegesack das Gelände auf und ließ ein Ausflugslokal mit äußerst günstiger Lage errichten: Denn im Jahre 1898, als die „Strandlust Vegesack“ nach erstaunlich kurzer Bauzeit eröffnet wurde, konnten sich Gäste noch am Sandstrand tummeln: Der Uferbereich war im Rahmen der Weserkorrektion zu einer hochwassersicheren Fläche aufgespült worden. „Damals machte man noch keinen Urlaub auf Mallorca, sondern viele Leute nutzten die Bahn und Schiffe für Ferien an der Weser“, sagt Klaus Gawelczyk, zweiter Vorsitzender des Heimatmuseums Schloss Schönebeck, „tausende von Besuchern kamen jährlich aus Bremen mit dem Boot nach Vegesack, um den Strand zu genießen.“ In der Ausstellung zeigt ein großes Foto, wie sich um die Jahrhundertwende Damen mit langen Röcken und Strohhüten oder junge Herren mit Schiffermützen am Strand tummeln. Wer die Vitrinen der Ausstellung entlang geht, kann sich anhand alter Postkarten ein Bild vom früheren Leben machen oder lesen, was damals auf Speisekarten stand, die teils noch mit der Schreibmaschine getippt wurden. Weingläser, Silberpokale und Porzellanteller mit Bildern von Schiffen zeugen von der kultivierten Atmosphäre im großen Saal der „Strandlust“.

Lesen Sie auch

„Hier wurden viele große Feste gefeiert“, sagt Klaus Gawelczyk, „und eine große Rolle spielten dabei die Schiffstaufen.“ Denn in der Vulkan-Werft, bei Abeking & Rasmussen oder Lürssen wurden Schiffe gebaut und getauft, und bei der anschließenden Feier in der "Strandlust" gab es sogar eigenes Geschirr. Als der Seenot-Rettungskreuzer „Theodor Heuss“ getauft wurde, kehrte der gleichnamige damalige Bundespräsident persönlich in der Strandlust ein. „Viel Prominenz war zugegen: der König und die Königin von Thailand, deutsche Politiker wie Franz Josef Strauß oder Helmut Schmidt und auch viele Schlagerstars, die bei den Bremer Hafenkonzerten auftraten“, sagt Klaus Gawelczyk.

Lesen Sie auch

Die bunte Vielfalt von Eintrittskarten und Plakaten in der Ausstellung zeugt von der Welt der Rosenmontags- und Frühlingsbälle, von Karneval, Modenschauen oder Tanzschulen. Die lebensgroße Puppe eines Vegesacker Jungen erinnert daran, dass zu Beginn der Heringssaison ein Heringsfass an den Bundespräsidenten übergeben wurde und ein Zeitungsartikel an die längste Pinkelwurst der Welt mit einer Länge von mehr als 43 Metern.

„Ich habe noch viele schöne Erinnerungen an den großen Saal der 'Strandlust'“, sagt Holger Schleider vom Heimatmuseum, „doch bei meinem letzten Besuch ging ich dort hin, um mich gegen Corona impfen zu lassen.“ Auch Klaus Gawelczyk bedauert die Schließung: „Im nächsten Jahr wird das 400-jährige Jubiläum des Vegesacker Hafens gefeiert“, sagt er, „da hätte die 'Strandlust' eine wichtige Rolle spielen können.“

Info

Die Ausstellung „122 Jahre "Hotel Strandlust Vegesack – von den Anfängen bis zur Schließung" ist im Heimatmuseums Schloss Schönebeck, Im Dorfe 3-5, bis Sonntag, 4. Juli, zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag, Mittwoch und Sonnabend, 15 bis 17 Uhr, sowie Sonntag, 10.30 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene fünf Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahren haben freien Eintritt.

Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+