Problem-Immobilie Streit um Hartmannstift in Vegesack

Der Hobbyhistoriker Herbert A. Peschel ist überzeugt: Für das ehemalige Krankenhaus in Vegesack hat es eine reguläre Stiftung gegeben. Das hätte Folgen bis heute.
15.09.2019, 18:00
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Streit um Hartmannstift in Vegesack
Von Michael Brandt

Der Vegesacker Beirat will sich mit der Vergangenheit des Hartmannstifts nicht weiter befassen – jedenfalls nicht im Rahmen einer Beiratssitzung. Hintergrund sind die Fragen, die der Vegesacker Heimatforscher Herbert A. Peschel aufgeworfen hat. Er ist weiterhin der Überzeugung, dass es sich beim Hartmannstift um eine Stiftung gehandelt hat, die von den Nationalsozialisten unrechtmäßig enteignet worden ist. Das hätte Auswirkungen auf den Verkauf des Grundstücks an einen Investor. Zumindest, so Peschel, müsste der Erlös im Sinne der ursprünglichen Stiftung sozialen Projekten in Vegesack zugutekommen.

Wie berichtet, teilt die Finanzbehörde diese Einschätzung nicht. Der damalige Staatsrat und jetzige Senator Dietmar Strehl hatte dem Ortsamt bereits im Juni eine Antwort geschickt. Das Ressort hatte eine Anwaltskanzlei beauftragt, sich auf die Spuren einer möglichen Stiftung zu begeben. Ergebnis aus Sicht der Behörde: „Es wurde keine rechtsfähige Stiftung gegründet.“ Es sei rechtlich auch nicht möglich, den Erlös aus dem Verkauf für soziale Aufgaben in Vegesack zu nutzen. „Erlöse aus Grundstücksverkäufen werden nicht einem Stadtteil zugeordnet.“

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Ortsamtsleiter Heiko Dornstedt hat Herbert A. Peschel inzwischen schriftlich mitgeteilt, dass sich der Sprecherausschuss Ende August mit der Materie befasst hat. Das Gremium übernimmt die Argumentation der Finanzbehörde. Eine weitere Befassung mit diesem Thema lehnen die Sprecher der Fraktionen ab. Peschel reagiert nun mit einem dreiseitigen Schreiben. Er fordert eine erneute öffentliche Befassung und ist der festen Überzeugung, dass der Sprecherausschuss damit Geld für Vegesack verschenkt. Peschel spricht in diesem Zusammenhang vom „Erbe aller Vegesacker Bürger“.

Er glaubt zudem belegen zu können, dass die Einschätzung des Finanzressorts falsch ist. Er sei in den Unterlagen des Staatsarchivs auf Protokolle des damaligen Vegesacker Stadtrates gestoßen. Darin sei von einer „Zinsgutschrift von etwa 2000 Reichsmark aus der Stiftung Fonds Asyl für arme und kranke Vegesacker“ die Rede, die dem Hartmannstift gutgeschrieben worden sei. Peschel: „Damit ist für mich die Existenz dieser Stiftung nachgewiesen!“ Das entsprechende Protokoll sei für jedermann im Staatsarchiv einsehbar. Außerdem findet er es merkwürdig, dass die betreffenden Akten seit Anfang des Jahres niemand außer ihm angefordert habe. Dies untermauere seine Zweifel an der Einschätzung der Finanzbehörde.

Peschel hat grob überschlagen, was das Stiftungskapital bis heute ergeben hätte. 50 000 Reichsmark würden – er beruft sich dabei auf Vergleichszahlen der Bundesbank – heute ungefähr 225 000 Euro entsprechen. Dazu kämen seiner Meinung nach Zinsen in Höhe von rund 600 000 Euro. Der Sprecherausschuss verzichte mit seinem Beschluss auf dieses Geld zugunsten Vegesacks. Der Heimatforscher hat seine Stellungnahme an das Ortsamt geschickt.

Der Verkauf des Areals an der Gerhard-Rohlfs-Straße ist noch nicht abgeschlossen, nach mehrfachen Ausschreibungen hat sich nach Jahren des Leerstandes bekanntlich ein Investoren-Duo gefunden, dass das Hartmannstift mit neuem Leben füllen will. Der Projektentwickler Procon und die Gewoba wollen das Vorhaben gemeinsam umsetzen.

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