Testcenter Nord in Vegesack Corona-Schnelltests sind gefragt

Bereits nach den ersten Tagen wird das Testcenter Nord an der Kirchheide in Vegesack gut angenommen. Am Montag wurden etwa 350 Schnelltests gemacht. Die Kapazität für mehr Tests ist vorhanden.
31.03.2021, 07:00
Lesedauer: 4 Min
Zur Merkliste
Corona-Schnelltests sind gefragt
Von Julia Ladebeck

Testergebnis: negativ. Nach einigen Minuten der Nervosität sorgt der Befund des Corona-Schnelltests für Erleichterung. Schwarz auf weiß steht er auf der Bescheinigung, die nun zumindest für die nächsten zwölf Stunden eine gewisse Sicherheit gibt. Die junge Frau, die das „Testcenter Nord“ am Dienstagvormittag sichtlich froh verlässt, schwenkt das Schreiben wie eine Trophäe und hält es ihrer Begleitung vor die Nase. „Bei mir ist auch alles gut“, sagt sie zu ihrer Kollegin, die ihr negatives Ergebnis kurz zuvor bekommen hat. Erlöst gehen beide Frauen in Richtung Wochenmarkt.

Seit Freitag gibt es für alle Nordbremer die Möglichkeit, sich in der Kirchheide 42 kostenlos und ohne Termin auf Covid-19 testen zu lassen. Das Angebot richtet sich an alle Menschen mit Wohnsitz in Deutschland und nicht nur an Bürger mit deutschem Pass, wie es zunächst hieß. Die ersten Tests wurden hier bereits vor der offiziellen Eröffnung gemacht. Bei einem Großteil der Lürssen-Mitarbeiter, die in der vergangenen Woche auf Veranlassung des Bremer Gesundheitsamts auf Covid-19 getestet wurden, sind die Proben im Vegesacker Testzentrum genommen worden.

Lesen Sie auch

„So einfach wie in der Nase bohren. Neu: weniger unangenehmer Corona-Schnelltest“, verspricht ein Schild an dem Gebäude, in dem früher Hanteln gestemmt und bis vor kurzem Bücher ausgeliehen werden konnten. Die Räume dienten zuletzt der Stadtbibliothek Vegesack als Übergangsquartier. Jetzt erwarten nicht Bücher die Besucher, sondern Testkabinen. Insgesamt fünf stehen bereit. An diesem Dienstag sind zwei in Betrieb. „Bei Bedarf können wir schnell aufstocken“, sagt Philipp Thiekötter. Der Gastronom und Hotelier betreibt das Testzentrum gemeinsam mit Unternehmer Jan Patrick Wolters, der sein Geld sonst unter anderem als Bayernzelt-Wirt verdient.

Seit Januar sind Testzentren sein Geschäft. Am Flughafen hat er im Januar das erste eröffnet. Weitere kamen in der Berliner Freiheit in der Vahr und im Weserpark hinzu. Als viertes eröffnete nun das „Testcenter Nord“. Auf die Idee, Testzentren zu betreiben, sei er durch seinen Freund, den Arzt Matthias Wähmann, gekommen, erzählt Wolters. Wähmann ist ärztlicher Leiter der Testzentren.

Wolters hat inzwischen viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Behörden wie dem Gesundheitsamt sowie mit der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen, über die die Abrechnung der Schnelltests läuft. Die Finanzierung der kostenlosen Tests übernimmt letztlich der Bund. „Wir müssen aber in Vorleistung gehen“, sagt der Unternehmer. „Wir machen jetzt die Abrechnung für den Monat März. Bezahlt wird Ende Mai. Die Miete, die Gehälter und die Schnelltests müssen wir daher vorfinanzieren.“ Hinzu kommt die Investition in die Testzentren: 20.000 bis 30.000 Euro hat er nach eigenen Angaben in jede Einrichtung gesteckt.

Anlass für die Eröffnung in Bremen-Nord war laut Wolters eine Anfrage des Gesundheitsamts. Inzwischen hätten sich auch umliegende Landkreise und Gemeinden bei ihm gemeldet und Interesse bekundet. „Der Bedarf ist ganz offensichtlich da“, sagt er. Das zeigen auch die schnell steigenden Testzahlen in der Vegesacker Einrichtung: Am Freitag ließen sich knapp 150 Bürgerinnen und Bürger testen, am Montag dann bereits etwa 350. Die Zahl der positiven Testergebnisse stieg mit der Zahl der Testungen ebenfalls leicht: von drei am Freitag auf sieben am Montag.

Lesen Sie auch

Die kurze Schlange, die sich inzwischen vor den beiden Testkabinen gebildet hat, zeigt ebenfalls, dass die Nachfrage groß ist. Die Frauen und Männer warten einige Minuten, bis sie an der Reihe sind. In einer der Testkabinen arbeitet an diesem Tag Massimo Pol. Der 57-Jährige ist sonst als Back of House Manager im Park-Hotel tätig. Fast ein Jahr lang war er zu Hause. Nun ist er nach einer speziellen Schulung im Testcenter Nord im Einsatz.

„Sowohl im Impfzentrum in der Strandlust als auch hier im Testcenter arbeiten viele Mitarbeiter, die aus der Hotel- und Gastronomiebranche kommen“, erzählt Thiekötter. Nicht nur an den Testungen bestehe großes Interesse. „Ich hatte bestimmt schon 25 Anfrage von Menschen, die hier arbeiten möchten, darunter viele Studenten.“ Für Thiekötter sind die Schnelltest auch eine Hoffnung für die Zukunft seiner Restaurants. „Ich bin überzeugt, dass die Test neben den Impfungen der Weg sind, um irgendwann wieder öffnen zu können.“

Info

Zur Sache

So läuft der Schnelltest ab

Der Antigen-Test auf SARS-CoV-2 (Corona) kann Eiweißstrukturen von SARS-CoV-2 nachweisen. Bei ihrem Besuch im Testzentrum bekommen die Bürgerinnen und Bürger zunächst einen Aufklärungsbogen und müssen ihn mit Name, Adresse, Telefonnummer, Geburtsdatum und Unterschrift ausfüllen. Dann geht es weiter in die Testkabine. Dort wird mithilfe eines dünnen Stäbchens eine Probe aus dem vorderen Bereich der Nase genommen und auf einen Teststreifen gegeben. Sollte das Coronavirus in der Probe enthalten sein, reagieren dessen Eiweißbestandteile mit dem Teststreifen und eine Verfärbung wird sichtbar. Ein Streifen bedeutet, dass der Test funktioniert, zwei Streifen, dass der Test positiv ist. Das Ergebnis ist nach wenigen Minuten sichtbar. Nach Angaben der Betreiber erkennt der Antigen-Schnelltest Infektionen in über 97 Prozent der Fälle. Ein positives Ergebnis ist beim Gesundheitsamt meldepflichtig und muss mit einem weiteren Abstrich, der ins Labor geschickt wird (PCR-Test), bestätigt werden.

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+