Vier Hochhäuser am Europahafen

Zu Besuch auf Bremens größter Baustelle

Noch ein knappes Jahr, dann ist das 300 Millionen Euro teure Großprojekt des Bremer Unternehmers Kurt Zech fertig. Vier Häuser entstehen am Kopf des Europahafens.
03.05.2021, 20:52
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Zu Besuch auf Bremens größter Baustelle
Von Jürgen Hinrichs
Zu Besuch auf Bremens größter Baustelle

Das Zech-Haus mit seiner markanten Fassade.

Frank Thomas Koch

Der Kran steht auf vier Füßen, jeder davon ist mit sechs Schrauben befestigt, und das ist es schon, was ihm Halt gibt. Uwe Hohnhorst staunt immer wieder. So ein Riese, 95 Meter hoch, und doch nur auf schwachen Füßen, wie es scheint. Der Kran schwankt im Wind und hievt tonnenschwere Lasten. Hohnhorst schaut auf die Schrauben, „unglaublich, oder?“

Der 59-Jährige ist Projektleiter auf Bremens größter Baustelle. Seit gut zwei Jahren fährt er jeden Morgen von seiner Heimat in Südoldenburg zur Überseestadt und am Abend wieder zurück. Hohnhorst ist ein Mann, der in sich ruht, er sagt kein Wort zu viel, aber auch keines zu wenig. Ein Typ, wie geschaffen für diese Herausforderung.

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Am Kopf des Europahafens werden 300 Millionen Euro verbaut, vier Gebäude, die zeitgleich entstehen, eines davon 80 Meter hoch, deshalb der Kran mit seinen Rekordmaßen. Eine Baustelle mit lauter Superlativen, und zwar von Anfang an: „Wir haben 120.000 Kubikmeter Sand ausgehoben, das sind 10.000 Lastwagenladungen“, sagt Hohnhorst. Eine Hälfte ging über die Straße weg, die andere übers Wasser, was der Vorteil ist, wenn man im Hafen baut. Der Aushub hat Platz für zwei Tiefgeschosse geschaffen, die unter anderem als Parkgarage genutzt werden. Die Tiefgeschosse ziehen sich über eine Breite von 260 Metern unter allen vier Baukörpern hinweg. Dieser Teil der Arbeiten ist längst erledigt, und bei den Hochbauten fehlt im Rohbau auch nicht mehr viel. Hohnhorst ist zufrieden: „Es läuft alles wie geplant.“ In knapp einem Jahr sollen die Häuser fertig sein.

Das Hochhaus hat 18 Obergeschosse. Ganz oben ist die Bar untergebracht, mit einer Dachterrasse nach Süden. Eine Etage tiefer wird es ein Restaurant geben. Ein bisschen erinnert das an das ehemalige Beluga-Haus von Niels Stolberg auf dem Teerhof mit seiner Gastronomie, die einen Blick über Bremen erlaubte. Im sogenannten Zech-Haus sind Bar und Restaurant durch eine große Öffnung miteinander verbunden, Sichtkontakt.

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Bauherr ist die Gustav-Zech-Stiftung, und das ist ungewöhnlich. Normalerweise ist das Unternehmen Zech für andere tätig, in Deutschland und weltweit. Hier nicht. Alles auf eigene Rechnung und zu einem großen Teil für den eigenen Bedarf. Zum Zech-Haus gehört ein flacherer Vorbau, in dem einige Firmen der Gruppe untergebracht werden. Die Chefs quartieren sich im Hochhaus ein, im 16. Obergeschoss. Dort werden sie die Wahl haben: Über den Europahafen blicken, bis zum Landmark-Tower und noch weiter zu den Stahlwerken? Oder zum Weser-Tower und dem Dom dahinter?

Die Baustelle soll „coronafrei“ bleiben

Wenn Hohnhorst gefragt wird, was für ihn das Besondere an dem Projekt ist, spricht er zunächst von der Größenordnung und den logistischen Herausforderungen, die damit einhergehen. Aktuell hat er rund 500 Leute auf der Baustelle. „In der Spitze werden es 650 sein aus zusammen 33 Gewerken“, sagt der Ingenieur. Das ist an sich schon viel - Personal von etwa 100 Firmen, das gemanagt werden muss, dazu die Flüsse von Material. Noch schwieriger wird es wegen Corona. Jeder Arbeiter muss sich einmal in der Woche einem PCR-Test unterziehen. In den zugigen Fahrstühlen, die während der Bauzeit an den Fassaden hoch- und runterrumpeln, gilt Maskenpflicht. Ein Konzept, das bislang Erfolg hatte: „Die Baustelle ist coronafrei.“

Dann ist da aber noch etwas, sagt Hohnhorst: „Wir bauen für uns selber.“ Er hat deshalb jemanden im Nacken, oder sagen wir: an der Seite, der bekannt dafür ist, wie sehr ihn Details interessieren. „Einmal in der Woche sprechen wir alles durch.“ Der Projektleiter, sein Team – und Kurt Zech.

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Der Mann hat mit seinen Unternehmen ein Imperium aufgebaut, er ist rund um den Globus auf vielen Feldern unterwegs, was ihn aber nicht davon abhält, auf der Großbaustelle in Bremen bei Farben, Formen und anderen Feinheiten ein Wort und mehr mitzureden. Die Planer mag das manchmal nerven, letztlich haben sie aber etwas davon, denn Zech kann am Ende nicht behaupten, es anders gewollt zu haben.

Zech zeigt sich kompromissbereit

Dass er mit sich reden, sich auch überzeugen lässt, beweist die Entstehungsgeschichte der Bauten am Hafenkopf. Zuerst war Zech dagegen, einen Architektenwettbewerb zu veranstalten, worauf die Stadt aber bestand. Dann kamen Entwürfe, die bei ihm keine Begeisterung auslösten, besonders der eine nicht – und genau nach dem wird jetzt gebaut. Den Auftrag erhalten hat das Büro Cobe Architekten aus Kopenhagen.

Unten im Zech-Haus, im Erdgeschoss, zieht auf gut 1000 Quadratmetern ein Foodcourt ein. Das Konzept ähnelt dem der Markthalle Acht am Domshof. Allerdings soll es neben stationären auch wechselnde Essensangebote geben. Einen Vorgeschmack hatte Zech im Februar 2019 beim ersten Spatenstich gegeben. Die obligatorische Erbsensuppe mit Würstchen fiel aus, stattdessen gab es eine ganze Wagenburg voller Stände mit teils ausgefallenen Snacks. Currywurst gab es auch.

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